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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 28.09.2008


Laura D. – Mein teures Studium
Franziska Nixdorf

Die Französin Laura ist voller Erwartungen an ihr kaum bezahlbares Studium, doch ihre finanzielle Notlage und ihr Stolz, um Hilfe zu fragen, lassen sie nur noch einen Ausweg sehen: Die Prostitution.




Laut StudentInnenverband SUD-Etudiant prostituieren sich in Frankreich geschätzte 40.000 StudentInnen, um ihr Studium und die hohen Lebenserhaltungskosten zahlen zu können. Dabei ist von männlichen studentischen Prostituierten kaum die Rede, was aber nicht bedeutet, dass diese Fälle vollkommen auszuschließen sind. Doch immer spielt das Internet bei der Tätigkeit, sich und seinen Körper zu verkaufen, eine entscheidende Rolle. Viele junge Frauen praktizieren hierüber eine mehr oder weniger freiwillige Prostitution ohne ZuhälterIn, da mögliche Freier im World Wide Web leicht zu finden sind.

Laura D., die in ihrer Autobiografie "Mein teures Studium" ihren Weg in die Prostitution erzählt, beginnt voller Elan ihr Sprachstudium an einer französischen Universität. Doch sie stammt nicht aus wohlhabenden Verhältnissen, weshalb die Finanzierung ein ewiger Kampf mit dem Verzicht ist. Ihre Geschichte spiegelt den Widerspruch wieder, in dem viele StudentInnen leben müssen: Ihre Eltern sind nicht arm genug, um finanzielle Unterstützung vom Staat zu erhalten, und nicht reich genug, um das Studium sorglos bezahlen zu können.
Da sie ihre Familie nicht belasten will, verheimlicht Laura, die für die meisten Kosten alleine aufkommen muss, ihren finanziellen Notstand. Als aber der Hunger und die Zahlungsschulden unerträglich werden, sieht sie die einzige Lösung im schnell verdienten Geld durch Prostitution. Sie kämpft jedes Mal erneut gegen ihren Ekel und begibt sich in einen Teufelskreis, aus dem es fast unmöglich scheint, wieder herauszukommen.

Für eine/n Außenstehende/n ist es hierbei leicht, ein Mädchen zu verurteilen, dessen Lebenssituation schwer nachzuvollziehen ist. Viele Fragen entstehen in den Köpfen der LeserInnen, darunter etwa, wie der Verkauf des eigenen Körpers die einzige Lösung einer 19-Jährigen sein kann. Doch je tiefer der Einblick wird, den Laura in ihr Leben gewährt, umso mehr überwiegt nicht die Verachtung, sondern ein beklemmendes Mitgefühl. Laura verdeutlicht, dass sie nicht bemitleidet werden will und versucht, stark zu bleiben und an ein gutes Ende zu glauben.

AVIVA-Tipp: Obwohl Lauras Geschichte zu der realen Welt einer 19-jährigen französischen Studentin und vielen ebenso jungen UniversitätsabsolventInnen gehört, wirkt das Erlebte unvorstellbar und fern von jeglicher Wirklichkeit. Mit ihrem Buch "Mein teures Studium" konfrontiert sie die LeserInnen mit der traurigen Wahrheit über Armut, Elend und den Verkauf des Körpers sowie der Würde. Laura D. verdeutlicht, dass selbst in unserer heutigen Gesellschaft Bildung ein Luxus ist, den sich viele kaum leisten können.


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Marcel Feige "Wa(h)re Lust - Zuhälter, Prostituierte und Freier erzählen"

"Inside Deep Throat" (Film über das Pornobusiness)

Trade - Willkommen in Amerika (Film über Zwangsprostitution)

"The Jammed" (Film über Zwangsprostitution)

"EMMA ruft PorNO!" (Antipornokampagne von Alice Schwarzer)

"Five Sex Rooms und eine Küche"

"Lovergirl" von Dahlia Schweitzer.

Laura D. – Mein teures Studium
Studentin, 19 Jahre, Nebenjob: Prostituierte

Autobiographie
von Laura D. (Autorin), Sabine Herting (Übersetzerin)
Bertelsmann Verlag, erschienen im September 2008
Gebunden, 252 Seiten
ISBN 978-3570010518
Preis: 14,95 Euro


Literatur > Biographien

Beitrag vom 28.09.2008

AVIVA-Redaktion 






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