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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 28.05.2010

Ines Sonder - Lotte Cohn. Baumeisterin des Landes Israel
Adriana Stern

Lotte Cohn war in mehr als einer Hinsicht Pionierin. Sie war nicht nur eine der ersten Architekturabsolventinnen in Deutschland ├╝berhaupt, sie war auch die erste graduierte Architektin im Land...



... Israel, z├Ąhlte zu den ersten deutschen EinwanderInnen der dritten Alija in Pal├Ąstina und zu den ersten, die 1925 die pal├Ąstinensische Staatb├╝rgerschaft annahmen.

"Eigensinnigkeit und Stolz auf seine j├╝dischen Wurzeln, darin waren sich Lotte Cohn und ihre Geschwister einig, geh├Ârten wohl zu den herausragendsten Eigenschaften ihres Vaters Bernhard Cohn." Es war der Antisemitismus, der Zeit seines Lebens, auch schon lange vor dem Ersten Weltkrieg deutlich sp├╝rbar, die gesamte Familie Cohn zu ├╝berzeugten ZionistInnen machte.

Vor allem ihrem Vater, einem "self-made Zionisten", wie ihn seine Kinder sp├Ąter nannten, verdanken Lotte Cohn und ihre beiden Schwestern, die ebenfalls lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten Deutschland verlie├čen, ihre Liebe zu Israel und der zionistischen Idee Theodor Herzls, mit dem Bernhard Cohn in engem Kontakt stand.
Als erste kehrte im Jahr 1920 Rosa Cohn Deutschland den R├╝cken zu, Lotte und Helene folgten ihr im Jahr darauf, der Bruder Max Cohn verlie├č Berlin 1923 und endlich folgte auch die Mutter ihren Kindern 1932 nach Pal├Ąstina.

Lotte Cohn arbeitete als Architektin fast ein halbes Jahrhundert aktiv am Aufbau Israels mit. Einige Erfahrungen als Architektin hatte Lotte Cohn w├Ąhrend des ersten Weltkrieges in Gumbinnen /Ostpreu├čen beim Wiederaufbau zerst├Ârter D├Ârfer sammeln k├Ânnen, doch auf das, was in Pal├Ąstina auf sie zukam, war sie nicht vorbereitet.

Sonder zitiert einen ausf├╝hrlichen Briefwechsel zwischen ihr und dem Architekten Richard Kauffmann, in dessen B├╝ro Lotte Cohns Arbeit in Israel begann. In Pal├Ąstina angekommen, so beschreibt Sonder, brauchte Lotte Cohn eine ganze Weile, um sich damit zu arrangieren, dass der Traum von Pal├Ąstina mit der vorgefundenen Wirklichkeit nicht viel zu tun hatte.
So k├Ąmpfte Lotte Cohn mit der mangelnden Infrastruktur und dem niedrigen Lebensstandard, lie├č sich davon aber nicht unterkriegen. Sie plante Schulen und Siedlungen f├╝r die vielen Kibbuzzim, die sich vor allem nach der zweiten Alija im Land gr├╝ndeten. Bereits 1931 er├Âffnete sie als erste Frau Israels in Tel Aviv ihr eigenes Architekturb├╝ro. Sie baute unter anderem das Gewerkschaftshaus in Jerusalem und das Doppelhaus f├╝r Gershom Scholem.

Nach 1933 wurde immer klarer, dass in Israel sehr schnell unglaublich viel Wohnraum f├╝r die Fl├╝chtlinge aus Nazideutschland und Osteuropa geschaffen werden musste. So entwickelte sie mit Josef Mahrer das Minimum-Haus, das nur aus einem Zimmer mit zwei Bettstellen und einer kleinen Sitzgruppe, einer K├╝che mit Essecke und einer weiteren Liege, einem Bad mit Dusche und WC sowie einer Terrasse bestand. Dieses Modell war besonders preiswert und sehr schnell zu errichten.
Cohn entwickelte auch andere und gr├Â├čere Bautypen f├╝r Familien, die nat├╝rlich teurer waren. Sie entstanden f├╝r die Fl├╝chtlinge, die mehr Geld besa├čen.

Lotte Cohn pr├Ągte die Kibbuz-Architektur wesentlich mit und f├╝hrte in Israel einen sachlichen Baustil mit einer ganz eigenen Funktions- und Formensprache ein.Nicht zuletzt ist es Lotte Cohn und ihren architektonischen Vorstellungen zu verdanken, dass Tel Aviv auch "die wei├če Stadt" genannt wird. Besonders in Tel Aviv ist die Handschrift Lotte Cohns un├╝bersehbar. Auch wenn sie nie nach Deutschland zur├╝ckkehrte, f├╝hlte sie sich dem eher sachlichen Bauhausstil immer verpflichtet, verkn├╝pfte ihn aber mit von ihr neu entdeckten Elementen der orientalischen Baukunst.
Ines Sonders beschreibt das Leben Lotte Cohns in Israel ausgesprochen detailliert und mit gro├čem biographischem Wissen, das sie sich selbst erst m├╝hsam aneignen musste, da das Lebenswerk Lotte Cohns ├╝ber drei Kontinente verstreut und niemals zusammenfassend dokumentiert worden ist.

Die letzten 50 Seiten im Buch sind von Lotte Cohn selbst geschrieben. Mit viel Witz, Poesie und eindringlichen Bildern erz├Ąhlt sie von ihrem Leben in Israel, ihren Hoffnungen, Tr├Ąumen, Begegnungen und ihrer Liebe zu dem Land ihrer Wahl und der dort lebenden Bev├Âlkerung.

AVIVA-Tipp: Das Buch von Ines Sonder wirkt durch die unz├Ąhligen Namen, Fakten und minuti├Âsen Details stark ├╝berfrachtet. Aufgrund der F├╝lle und vielen Querverbindungen zwischen den beschriebenen ZeitgenossInnen Lotte Cohns ist es nicht leicht zu lesen. Dennoch gelingt es Sonder, uns einen ber├╝hrenden Einblick in das Leben und Werk einer beeindruckenden Frau, ihrer Zeit und den Orten, in denen sie gelebt hat, zu gew├Ąhren. Die von Lotte Cohn geschriebenen Seiten sind zudem poetisch, bildhaft und von hoher literarischer Qualit├Ąt.

Zur Autorin: Dr. Ines Sonders geboren 1964, ist Kunsthistorikerin. Von 1983-1989 studierte sie f├╝r das Lehramt an der HU Berlin (Diplom), anschlie├čende Lehrt├Ątigkeit, von 1992-1999 schloss sie das Studium der Kunstgeschichte und Hebraistik/Israelwissenschaften an der HU Berlin (M.A.) an. Von 2000-2003 war sie Stipendiatin der Heinrich B├Âll Stiftung, von 2001-2004 Kollegiatin des Graduiertenkollegs "Makom. Ort und Orte im Judentum" an der Universit├Ąt Potsdam. 2004 promovierte sie ├╝ber die zionistische Gartenstadtrezeption (Dr. phil.) an der Universit├Ąt Potsdam, 2005 war sie Visiting Research Fellow am Franz Rosenzweig Zentrum f├╝r deutsch-j├╝dische Literatur- und Kulturgeschichte an der Hebr├Ąischen Universit├Ąt Jerusalem und ist seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am MMZ. 2006-2009 erhielt sie eine DFG-F├Ârderung zum Projekt "Lotte Cohn (1893ÔÇô1983) und die Anf├Ąnge deutsch-j├╝discher Architektur- und Siedlungskonzeptionen in Pal├Ąstina/Israel". Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Architektur- und Stadtplanungsgeschichte Israels / Zionismus und Geschichte des Staates Israel / Deutsch-j├╝dische Geschichte im 20. Jahrhundert (Quelle Moses Mendelssohn Zentrum)

Ines Sonders
Lotte Cohn. Baumeisterin des Landes Israel

J├╝discher Verlag im Suhrkamp Verlag, erschienen: 15.03.2010
Hardcover: 240 Seiten
ISBN: 978-3-633-54238-3
26,80 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Heimatcontainer Fertigh├Ąuser in Israel" von Jens Uwe Fischer und Friedrich von Borries

"Der Ort des Judentums in der Gegenwart 1989 ÔÇô 2002"

"Deutsche j├╝dische Architekten vor und nach 1933", herausgegeben von Myra Warhaftig

Weiterlesen im Netz:

Deutsche Welle - Bericht ├╝ber eine Ausstellung zu Lotte Cohn: www.dw-world.de




Literatur > Jüdisches Leben Beitrag vom 28.05.2010 AVIVA-Redaktion 





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