Amaryllis Fox – Life Undercover – Als Agentin bei der CIA - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Porträt einer jungen Frau in Flammen AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur > Sachbuch AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   Gewinnspiele
   Frauennetze
   E-cards
   About us
 


Happy New Year 5780 - Schana tova u-metuka!

AVIVA wishes you a sweet, peaceful and happy Rosh HaShana!
AVIVA wünscht ein süßes, glückliches, gesundes und friedliches Neues Jahr 5780!



Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2019







 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2019 - Beitrag vom 24.11.2019


Amaryllis Fox – Life Undercover – Als Agentin bei der CIA
Silvy Pommerenke

Das Memoir der US-Amerikanerin liest sich mehr wie ein Fiction-Thriller, denn wie ein Sachbuch. Packend von der ersten Seite an und bisweilen poetisch erzählt Amaryllis Fox von ihrer Arbeit als CIA-Agentin und ihrem Kampf gegen den Terrorismus.



Amaryllis Fox wird 1980 in New York geboren, und zieht schon während ihrer Kindheit mit ihrer Familie durch den Beruf ihres Vaters, eines Managers, häufig um und lernt so viele unterschiedliche Länder und Kulturen kennen. Washington, London, Moskau und Marokko sind nur einige Städte, in denen Fox ihre Kindheit und Jugend verbringt. Sie bezeichnet sich selbst als "Nomadenkind", da sie daran gewöhnt ist, "anzukommen, um wieder aufzubrechen". Ihre erste – indirekte - Begegnung mit dem Terrorismus hat sie mit acht Jahren, als ihre beste Freundin 1988 bei dem Bombenanschlag auf ein Flugzeug in Lockerbie ums Leben kommt. Danach ist nichts mehr für sie, wie es einmal war, und die Weichen sind gestellt in Richtung Unrechtsbekämpfung.

Bevor sie als junge Frau ein Studium der Theologie und der Rechtswissenschaft in Oxford anfängt, nimmt sie 1999 ein Jahr Auszeit und geht nach Thailand, um dort freiwillige Arbeit mit Geflüchteten aus Myanmar (Burma) abzuleisten. Sie schließt sich einer Widerstandsgruppe an und reist mit einem britischen Amateurfilmer nach Burma. Mit gefälschten Pässen geben sie vor, ein frisch vermähltes Ehepaar in den Flitterwochen zu sein. Stattdessen wollen sie heimlich Beweise für das Unrecht des Regimes zu sammeln. Schließlich gelingt es den beiden, sich mit der burmesischen Oppositionellen Aung San Suu Kyi für ein Interview zu treffen, die zu diesem Zeitpunkt noch unter einem jahrzehntelangen Hausarrest steht. Sie und ihr Begleiter werden inhaftiert, da das Militär aber nichts bei ihnen findet, weil Amaryllis den Film in ihrem Körper deponiert hatte, werden sie wieder freigelassen.

Als Fox nach diesem abenteuerlichen Exkurs ihr Studium beginnt, kommt sie mit der so genannten Normalität nicht klar. Stattdessen leidet sie an und mit der Welt. Sie versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden, besinnt sich aber im letzten Moment eines Besseren. Fortan betrachtet sie sich als "Transformator, der das Leid in Handlungen umwandelt" und engagiert sich für die Student*innenvertretung, für politische Gefangene und schreibt für die Uni-Zeitung.

Als 2001 der US-amerikanische Journalist Daniel Pearl von islamistischen Extremisten getötet wird, beschließt sie, den Masterstudiengang Konflikt- und Terrorismusforschung zu belegen. Als Abschlussarbeit entwickelt sie einen Algorithmus, der Terrorismus-Wahrscheinlichkeiten vorhersagen kann. Die CIA (Central Intelligence Agency) wird dadurch auf Amaryllis Fox aufmerksam und nachdem sie etliche Bewerbungstests durchlaufen hat, wird sie vom Auslandsgeheimdienst angestellt. Der Lohn, den sie für ihr Doppelleben erhält, ist "aufreibend und aufregend zugleich, ein täglicher Mix aus Adrenalin und Koffein". Und der Maßstab für die Zukunft wird die Nähe zum Tod sein.

Sie durchläuft ein Ausbildungsprogramm, führt im Rahmen dessen erstmals Verhöre mit Häftlingen und erhält den Spitznamen "Samthammer". Da sie Bestnoten aufweist, wird sie vorzeitig ins Fortgeschrittenen Programm aufgenommen. Auf der so genannten "Farm" (vermutlich Camp Peary) absolviert sie die mutmaßlich anspruchsvollste Spionageausbildung der Welt. Dabei lernt sie "identifizieren, forschen, anbahnen, werben, Kontaktpflegen und Abschaltung". Sie lernt aber auch, was zu tun ist, wenn sie von bewaffneten Milizen eingekesselt oder in einen Hinterhalt gerät. Sie muss Bomben aufspüren, wird an Waffen ausgebildet oder lernt, Wunden zu versorgen.

Bald schon bekommt sie ihren ersten Auftrag, für den sie sich eine neue Identität ausdenken muss. So wird aus ihr eine Kunsthändlerin, die unauffällig in den Jemen oder nach Libyen reisen kann. Mit 26 Jahren führt sie bereits ein Team von mehreren Leuten an. Ihr junges Alter ist keine Ausnahme im Spionagebereich, sondern die Regel, da die "Legenden", also die Alias-Identitäten den verfeindeten Geheimdiensten noch unbekannt sind bzw. sein dürften. Je länger jemand im Geschäft ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass seine oder ihre Identität auffliegt, wodurch sie nicht mehr einsetzbar sind.

Amaryllis Fox´ Aufträge werden immer brisanter, unter anderem knüpft sie Kontakte mit Waffenhändlern. Mit fingierten Käufen will sie an die Hintermänner herankommen und den angeworbenen Kontakt dazu bringen, dass er seine "ethische Kompassnadel" neu ausrichtet. Das alles dient dazu, um Kaufabsichten der Al-Qaida herauszufinden und mögliche Attentate zu verhindern. Sie erhält einen neuen Spitznamen: "die Schmockflüsterin". Die nächsten fünf Jahre wird sie von China aus terroristische Netzwerke im Nahen und Mittleren Osten infiltrieren. Auf Geheiß der CIA heiratet sie ihren Freund, der in der gleichen Organisation tätig ist, und trotz des gefährlichen Lebens beschließt das Paar, gemeinsam ein Kind zu bekommen. Je länger Amaryllis Fox aber in ihrer Scheinidentität lebt, desto schwerer wird es für sie, ihre ursprüngliche Identität wahrzunehmen. Dass sie rund um die Uhr vom chinesischen Geheimdienst überwacht wird, macht die Situation nicht leichter.

Durch ihre Agentinnen-Tätigkeit kann sie laut eigenen Angaben mindestens einen Anschlag verhindern, etwa als sie im pakistanischen Karachi einen Dschihadisten davon überzeugt, dass sein geplantes Bombenattentat in den Augen Allahs nicht richtig wäre. Ihr Resümee ist, "dass jeder immer denkt, er sei auf der richtigen Seite. Und der Witz daran ist, dass wir das aus der richtigen Perspektive auch immer sind". Entgegen der regulären Vorgehensweise der CIA findet sie es wichtiger, Vertrauen zu den Terrorist*innen aufzubauen, als Gewalt anzuwenden. Zu diesem Gesinnungswandel führt nicht zuletzt die Geburt ihrer Tochter, und schließlich reicht Fox die Kündigung bei der CIA ein.

Amaryllis Fox äußert sich in Life Undercover – Als Agentin bei der CIA durchaus kritisch gegenüber den Methoden und Vorgehensweisen ihrer Regierung und der CIA. Dadurch entsteht ein differenzierter und spannender Einblick in den US-amerikanischen Geheimdienst und den Kampf gegen Terrorismus. Fox thematisiert ebenfalls das Thema Sexismus in der CIA und moniert die Strukturen der Institution, die - wie in fast allen anderen Bereichen auch - vom "Old Boys Club" angeführt wird, in der Frauen nur wenig präsent sind. Dass die CIA nach eingehender Überprüfung ihre Zustimmung zu dem Memoir von Fox gegeben hat erstaunt allerdings, denn Fox berichtet so detailreich vom Innenleben des Geheimdienstes, von den Ausbildungen und schließlich auch von den Vorgehensweisen, dass auch die ausländischen Geheimdienste daran interessiert sein dürften.

AVIVA-Tipp: Amaryllis Fox schildert in Life Undercover – Als Agentin bei der CIA äußerst spannend das Prozedere und die Abläufe des US-amerikanischen Geheimdienstes. Die Leserin erfährt in allen Facetten, wie der Kampf gegen den Terrorismus aussieht, dass neben den äußerst gefährlichen Einsätzen und der Ausbildung an der Waffe auch unendlich viel Papierkram zu erledigen ist, und welche Auswirkungen solch eine Tätigkeit auf das Privatleben der Agent*innen hat. Amaryllis Fox gebührt großer Respekt für diese riskante Tätigkeit, bei der sie so manches Mal ihr Leben aufs Spiel gesetzt hat. Vor allem aber hat sie damit vermutlich unzähligen Menschen das Leben gerettet.

Zur Autorin: Amaryllis Fox wurde 1980 in New York geboren, als Tochter einer britischen Schauspielerin und eines US- amerikanischen Managers. Sie studierte in Oxford und an der Georgetown University und entwickelte einen Algorithmus für die Vorhersage von Terrorismusanschlägen. Von 2002 bis 2010 arbeitete sie für die CIA. Heute engagiert sie sich in der Friedensbewegung und arbeitet unter anderem in nordirakischen Flüchtlingscamps mit sunnitischen und schiitischen Jugendlichen, um eine Versöhnung der beiden verfeindeten Parteien herbeizuführen. Des Weiteren engagiert sie sich für NGOs und hält weltweit Vorträge zum Thema Friedenswahrung. Sie lebt mit ihrem Ehemann Bobby Kennedy Junior III (dem Enkel des früheren Senators Robert F. Kennedy) und ihren beiden Töchtern in Los Angeles. Ihre Lebensgeschichte wird zur Zeit von Apple als Serie verfilmt, mit Brie Larson als ihr Alter Ego. Sendestart wird 2020 sein.
Amaryllis Fox im Netz:
Auf Twitter, auf Instagram und auf Facebook.

Amaryllis Fox
Life Undercover – Als Agentin bei der CIA

Originaltitel: Life undercover: Coming of Age in the CIA
Übersetzung: Elisabeth Liebl
hanserblau Verlag, Erscheinungstermin 10/2019
Gebunden, 368 Seiten
ISBN 978-3-446-26422-9
Euro 20,00
Mehr zum Buch unter: www.hanser-literaturverlage.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Geheimnis eines Lebens. Ab 4. Juli 2019 im Kino
Oscarpreisträgerin Judi Dench verkörpert in diesem biografischen Thriller die britische Spionin Joan Stanley. Die Figur ist angelehnt an Melita Norwood (1912-2005), die als "granny spy" in die Geschichte einging. Als Vorlage für das Filmskript diente der Journalistin und Drehbuchautorin Lindsay Shapero der 2014 erschienene Roman "Red Joan" von Jennie Rooney.

Aus nächster Distanz
Zwei Agentinnen werden zum Spielball politischer Machtinteressen: Die libanesische Informantin Mona (Golshifteh Farahani) und die israelische Mossad-Agentin Naomi (Neta Riskin), die Mona beschützen soll. Intelligent, spannend, politisch und hochbrisant. (2019)

Die Agentin
Angelehnt an den Bestseller "The English Teacher" von Yiftach Reicher Atir zeigt Yuval Adler ("Bethlehem") in seinem Spionagethriller eine israelische Agentin zwischen Vertrauen, Verrat und Einsamkeit. Diane Kruger überzeugt in der Hauptrolle als unauffällige Spionin, die in Loyalitätskonflikte kommt. (2019)

Atomic Blonde
Im Zentrum des stylischen, actiongeladenen Spionagethrillers steht eine eiskalte Superheldin, deren Erbarmungslosigkeit zu keiner Zeit erklärt werden muss. Denn sie macht einfach ihren Job – und den macht sie verdammt gut. (2017)

Jennifer Egan - Black Box
Die Entstehung eines literarischen Textes könnte kaum absurder sein: Die 47 kurzen Kapitel des Buches setzen sich aus Tweets zusammen, die die Autorin zu einem dystopischen Agentinnenthriller mit rasantem Erzähltempo und medienkritischer Absicht verbindet – ein furioses Experiment über die Strapazierfähigkeit von Literatur und Erzähltechnik. (2013)

Salt
In ihrem Film beweist Angelina Jolie, dass sie eindeutig die schönsten Explosionen verursachen kann und rasante Verfolgungsjagden stets für sich entscheidet. Eine fesselnde Geschichte hinter all den Rauchwolken und herumwirbelnden Autos sollte man jedoch nicht erwarten. (2010)



Literatur > Sachbuch Beitrag vom 24.11.2019 Silvy Pommerenke 





  © AVIVA-Berlin 2019 
zum Seitenanfang   suche   sitemap   impressum   datenschutz   home   Seite weiterempfehlenSeite drucken