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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.07.2014

Jolie Holland - Wine Dark Sea
Julia Lorenz

So vertraut und ├╝berraschend, so eing├Ąngig und sperrig wie seit nunmehr f├╝nf Alben meldet sich die Globetrotterin aus dem Country-Epizentrum Texas zur├╝ck - und d├╝rfte mit ihrem dunkelsch├Ânen...



... Neo-Folk nicht nur ihren gr├Â├čten Fan Tom Waits bet├Âren.

Joan Baez und Dolly Parton als fr├╝he Idole? Fehlanzeige. Obwohl Jolie Holland bereits als Kind Piano, Violine und sp├Ąter auch die Gitarre f├╝r sich entdeckte, erwachte nach eigenen Angaben erst mit neunzehn Jahren ihr Interesse an der Musiktradition ihres Geburtsstaates Texas. Ausgerechnet die Folk-Punk-Songs der britischen Band The Pogues h├Ątten ihre Liebe zur Singer-Songwriter-Tradition begr├╝ndet, wie sie dem Online-Musikportal laut.de verriet.

Seitdem hat Holland Vieles ausprobiert: Sie schloss sich der K├╝nstlerInnenszene zwischen New Orleans und Austin/Texas an, reiste durch Nordamerika und Kanada, spielte in der Folk-Bluegrass-Band The Be Good Tanyas, lie├č sich schlie├člich in San Francisco nieder und nahm 2003 im Alleingang ihr Debut "Catalpa" auf. Das Independent-Label Anti war entz├╝ckt von der Musikerin mit Beatnik-Attit├╝de - und ver├Âffentlicht seit 2004 Hollands Studioalben.

Was die Texanerin auf ihren Vorg├Ąngerplatten begonnen hat, treibt sie mit "Wine Dark Sea" nun zur Perfektion. Stilsicher jagt sie Blues, Country, Folk und Jazz durch ihren charakteristisch dunklen Filter. Im Opener "On And On" entspinnt sich mit warmen, tiefen Percussions eine widerspenstige und dennoch eing├Ąngige Rock-Perle, die gespenstisch-sch├Âne Ballade "I Thought It Was The Moon" dr├Ąngt sich trotz - oder gerade wegen? - ihrer Dissonanzen und Br├╝che ins Ohr. Doch Holland beherrscht nicht nur die leisen T├Âne: In Songs wie "All The Love" und dem wunderbar unheilvollen "Dark Days" wird die akustische Gitarre unter Strom gesetzt und durchbricht mal l├Ąrmend, mal sph├Ąrisch hallend die Singer-Songwriter-Idylle. Auch "Route 30" beginnt als klassischer Country-Song, um sich schlie├člich in einem furiosen Gitarrensolo zu entladen.

Immer wieder konterkariert ein ├╝berraschender Twist die Folk-Harmonien. Hier schleppt der Rhythmus, dort ist der Gesang ein wenig neben der Spur. In "Palm Wine Drunkard" rumpelt der Blues wie sonst nur bei Tom Waits, der sich als gro├čer Jolie-Holland-Fan outete und ihre Wohnzimmerproduktion "Catalpa" kurzerhand f├╝r den Shortlist Music Prize nominierte.

Obwohl Holland der amerikanischen Folk-Tradition verpflichtet bleibt, ist ihre Musik mehr als eine Verbeugung vor dem Erbe ihrer Vorg├ĄngerInnen. Mit ihrem abgr├╝ndigen, sperrigen Sound eignet sie sich das Genre an, ohne krampfhaft aktuelle Trends bedienen zu wollen. "Wine Dark Sea" klingt, als h├Ątten Chan Marshall alias Cat Power, Soundt├╝ftlerin Soap&Skin und Joni Mitchell in einer S├╝dstaatenbar bei zu viel Gin ├╝ber ihre verflossene Liebe philosophiert. H├Ârt sich ungew├Âhnlich an? Ist es auch.

AVIVA-Tipp: Mit ihrer sechsten Platte liefert Jolie Holland ihr bisher reifstes Werk. "Wine Dark Sea" bietet Harmonien und wundersch├Âne Irritationsmomente, die vor allem LiebhaberInnen des Neo-Folks von Marissa Nadler und Konsorten begeistern d├╝rften.

Zur K├╝nstlerin: Jolie Holland wurde 1975 in Houston/Texas geboren. Bereits mit sechs Jahren schrieb sie ihren ersten Song. 1994 verlie├č sie das College, um als Musikerin durch Nordamerika zu reisen. Auf ihr selbst produziertes Debutalbum "Catalpa" (2003) folgten die Studioplatten "Escondida" (2004), "Springtime Can Kill You" (2006), "The Living And The Dead" (2008) und "Pint Of Blood" (2011).

Jolie Holland
Wine Dark Sea

Label: Anti/Indigo
V├ľ: 20. Mai 2014
Weitere Infos unter www.anti.com

Zur Website der K├╝nstlerin: www.joliehollandmusic.com

Weiterh├Âren auf AVIVA-Berlin:

Springtime Can Kill You von Jolie Holland (2006)

The Living And The Dead von Jolie Holland (2009)

Pint of Blood von Jolie Holland (2011)

Raising Sand von Robert Plant und Alison Krauss (2007)

Little Hells von Marissa Nadler (2009)

To Be Still von Alela Diane (2009)



Music Beitrag vom 23.07.2014 Julia Lorenz 





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