20.06.2016: Regierungskoalition einigt sich auf Nein hei├čt Nein! - Solidarit├Ąt mit Gina Lisa Lohfink: Demonstration am 27. Juni 2016 - Breites B├╝ndnis fordert Recht auf sexuelle Selbstbestimmung - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.04.2016

"Nein hei├čt Nein!" wurde im Juli 2016 endlich Gesetz. Das AVIVA-Fazit nach der Prozessbeobachtung gegen Gina-Lisa Lohfink im August: Ern├╝chterung. Eine Chronologie.
Laura Seibert, Hai-Hsin Lu

07. Juli 2016: Victory! Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht! Ein Nein wird k├╝nftig zur Verurteilung ausreichen! "Sexuelle Bel├Ąstigung" wird als Straftatbestand eingef├╝hrt! 22. August 2016: Alles nur auf dem Papier?!



Victory! Endlich kommt der Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht! #neinheisstnein
So lautete im Juli 2016 noch die Headline des AVIVA-Artikels. Das m├╝ssen wir heute leider revidieren, Grund zum Jubeln gibt es trotz des Urteils wahrlich nicht.

Das besch├Ąmende Versagen der deutschen Justiz ÔÇô Ein Nein reicht nicht aus ...

Die AVIVA-Berlin-Chronologie seit April 2016:

NEWS vom 22. August 2016Gina-Lisa Lohfink schuldig gesprochen ÔÇô Solidarit├Ąt der Unterst├╝tzer_innen bleibt ungebrochen
Der letzte Prozesstag gegen Gina-Lisa Lohfink begann mit nur wenigen Unterst├╝tzer_innen, daf├╝r zahlreichen Journalist_innen und Fernsehteams vor dem Amtsgericht Tiergarten. Die Zuschauer_innenpl├Ątze des Gerichtssaals waren gut gef├╝llt, auch Sebastian Castillo Pinto, einer der zwei Vergewaltiger, war mit einigen Freunden anwesend und machte wiederholt durch Gel├Ąchter und Schnauben auf sich aufmerksam.
Die Richterin lie├č zwei Zeuginnen vorsprechen, eine ehemalige Verlobte Pintos und eine Besucherin des Nachtclubs "Maxim", die am selben Abend wie Lohfink vor Ort war. Erstere sprach ├╝ber ihre einj├Ąhrige Beziehung zu Pinto, bezeichnete ihn als hochgradig manipulativ und agressiv, und sprach ├╝ber die k├Ârperliche und psychische Gewalt, die sie durch ihn erfuhr: "Ich hatte Angstzust├Ąnde und war bis vor kurzem noch in Behandlung." Die Reaktion der Richterin auf diese Beschreibung ist nicht nachvollziehbar. Sie verk├╝ndigte unter anderem, dass es ihr "ein absolutes R├Ątsel" sei, warum die Zeugin ein Jahr lang in der Beziehung blieb, wenn Pinto wirklich so ein schlimmer Charakter ist. Ans├Ątze der Opferbeschuldigung, des sogenannten "Victim Blaming", waren hier deutlich zu erkennen. Die Staatsanw├Ąltin stellte gar Fragen nach einem m├Âglichen Engagement in der RTL TV-Sendung "Dschungelcamp" f├╝r das Jahr 2017. Dies wies Lohfinks Anwalt als Spekulationen seitens der Presse zur├╝ck.
Demensprechend war auch die Urteilssprechung: Gina-Lisa Lohfink wurde auf Grund von f├Ąlschlicher Beschuldigung zu 20.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Vor dem Gerichtsgeb├Ąude waren erneut Transparente zu sehen, die die Wut vieler Frauen auf Sexismus und das Versagen der deutschen Justiz deutlich machten. Eine geschlossene Gruppe solidarischer Menschen rief Pinto, der in einer Pause vor die T├╝r getreten war, immer wieder laut entgegen: "Nein hei├čt Nein! Nur Ja hei├čt Ja!"





NEWS vom 16. August 2016Gina-Lisa k├Ąmpft weiter! Aufruf zur Prozessbegleitung am 22. August 2016, 8:30 Uhr

"Team Gina-Lisa" ruft zum Protest am mittlerweile vierten Prozesstag auf. Gina-Lisa ver├Âffentlichte nach dem letzten Prozesstag am 8. August auf Facebook einen Beitrag, in dem sie ├╝ber Opfer-T├Ąter-Umkehr und ihre seelischen Wunden sprach. Nun ist eine breite Unterst├╝tzung gefragt ÔÇô Nein hei├čt Nein, Nur Ja hei├čt Ja!
Wo: Amtsgericht Tiergarten
Turmstra├če 91, 10559 Berlin
Quelle: Facebook-Seite von "Team Gina Lisa". Mehr Infos im Netz unter: www.facebook.com




┬ę AVIVA-Berlin, Hai-Hsin Lu
Mitglieder des B├╝ndnisses "Nein hei├čt Nein" demonstrieren gegen sexuelle Gewalt in jeder Form


NEWS vom 8. August 2016Kundgebung begleitet den Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink
Schon fr├╝h an diesem Morgen ist das Amtsgericht Tiergarten mit Transparenten behangen, die mit bunten Farben den Protest ank├╝ndigen, der den ganzen Tag andauern soll. Das "Team Gina Lisa" und ihre Unterst├╝tzer_innen haben Lautsprecheranlagen besorgt, feministische Rapperinnen angefragt und zahlreiche Redebeitr├Ąge organisiert.
Als einer der zwei Vergewaltiger, der nach einer vierj├Ąhrigen Abwesenheit vor Ort ist, um als Zeuge vernommen zu werden, erntet er im Vorbeigehen viele w├╝tende Buh-Rufe.
Die Unterst├╝tzer_innen fordern eine vollst├Ąndige Umsetzung der Istanbul-Konvention, einem ├ťbereinkommen des Europarats zur Verh├╝tung und Bek├Ąmpfung von Gewalt gegen Frauen und h├Ąuslicher Gewalt: "Es sieht leider so aus, als glaubten viele Leute, unser Kampf sei nun zu Ende. Aber die Istanbul-Konvention beinhaltet mehr. Zum Beispiel muss der Staat Aufkl├Ąrungskampagnen betreiben, um Menschen die Realit├Ąt sexueller Gewalt zu vermitteln. Bestimmte Berufsgruppen, die besonders mit sexueller Gewalt in Ber├╝hrung kommen, sowie etwa Polizist_innen, m├╝ssen fort- und weitergebildet werden."
Als im Rahmen der Verhandlung das Vergewaltigungsvideo abgespielt wird, bricht Lohfink in Tr├Ąnen aus und muss den Saal verlassen. Dazu die Veranstalter_innen der Kundgebung: "Wir wollen heute weiter Pr├Ąsenz zeigen, wir wollen Frau Lohfink zeigen, dass sie nicht alleine ist. Wir werden hier den ganzen Tag ausharren, bis die Gerichtsverhandlung zu einem Ende kommt!" Ein Urteil ist an diesem Montag laut Gericht unwahrscheinlich, AVIVA-Berlin h├Ąlt Sie weiter auf dem Laufenden.


┬ę AVIVA-Berlin, Hai-Hsin Lu
Eine der vielen Unterst├╝tzer_innen


NEWS vom 26. Juli 2016Solidarit├Ąt mit Gina-Lisa Lohfink! Prozessbegleitung am 8. August 2016, 8:50 Uhr
Der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink wird fortgesetzt ÔÇô seit dem 1. Juni steht sie wegen angeblicher Falschbeschuldigung vor dem Amtsgericht Tiergarten. Ausl├Âser war ein Vergewaltigungsvideo, das im Netz verbreitet wurde. Schon 2012 zeigte Gina-Lisa die beiden verantwortlichen M├Ąnner an und wurde nun zu 24.000 Euro Strafe verurteilt.
Diese Bestrafung von Betroffenen sexueller Gewalt ist der Inbegriff von T├Ąter-Opfer-Umkehr und typisch f├╝r die Durchsetzung patriarchaler Deutungshoheit. Das kann so keinesfalls toleriert werden. Am 8. August ruft das "Team Gina-Lisa" zur weiteren Prozessbeobachtung und solidarischem Beistand vor Ort unter dem Motto "Nein hei├čt Nein, nur Ja hei├čt Ja!" auf.
Veranstaltungsort: Amtsgericht Tiergarten
Turmstra├če 91, 10559 Berlin
Quelle: Facebook-Seite von "Team Gina Lisa". Mehr Infos im Netz unter: www.facebook.com




NEWS vom 07. Juli 2016"Nein hei├čt Nein!" wird endlich Gesetz
Mit gro├čer Mehrheit hat der Deutsche Bundestag am 07.07.2016 f├╝r eine umfassende Reform des Sexualstrafrechts gestimmt. Damit wird das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung seiner besonderen Bedeutung entsprechend k├╝nftig deutlich besser gesch├╝tzt werden, wie es der Deutsche Juristinnenbund (djb) schon seit den 1990er Jahren fordert.
Der djb, zahlreiche zivilgesellschaftliche AkteurInnen und PolitikerInnen haben sich ├╝berparteilich, beharrlich, vehement und letztlich erfolgreich f├╝r einen Paradigmenwechsel eingesetzt:
"Es war h├Âchste Zeit, den Grundsatz "Nein hei├čt Nein" endlich im Strafgesetzbuch zu verankern ÔÇô von t├Ątlichen sexuellen Bel├Ąstigungen wie "Begrapschen" bis hin zu sexuellen N├Âtigungen und Vergewaltigungen. Alle nicht einverst├Ąndlichen sexuellen Handlungen, die gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person vorgenommen werden, sind strafw├╝rdig. Das postuliert auch die Istanbul-Konvention des Europarats aus dem Jahr 2011, die Deutschland unterzeichnet hat und nun endlich ratifizieren kann," so Dagmar Freudenberg, Vorsitzende der Kommission Strafrecht im djb.

Mit der Umsetzung der Istanbul-Konvention sind nun auch die Bedingungen daf├╝r geschaffen, dass die Rechtspraxis im Bereich sexualisierter Gewalt den Anforderungen gen├╝gt, die sich aus der UN-Frauenrechtskonvention ergeben.
Quelle: djb. Mehr Infos im Netz unter: www.djb.de



NEWS vom 29. Juni 2016Bundestag entscheidet am 7. Juli 2016 ├╝ber #neinheisstnein
Eine einst├╝ndige Debatte ab 10.45 Uhr soll der Abstimmung Bundestag ├╝ber die Reform des Sexualstrafrechts vorausgehen.
Die genaue Formulierung des Gesetzestextes ist noch nicht bekannt, fest steht aber, dass sich die Koalition auf ein "Nein hei├čt nein" geeinigt hat.
Zum Start der Kampagne forderte der bff: "Nein hei├čt nein, die Zeit ist daf├╝r reif! Alle nicht-einverst├Ąndlichen sexuellen Handlungen m├╝ssen unter Strafe stehen."
Diese Forderung wird mit der Reform des Sexualstrafrechts nun umgesetzt.
Die Debatte im Bundestag kann am 7. Juli per Livestream von 11-12 Uhr mitverfolgt werden: www.bundestag.de
Informationen zum Beschluss des Bundestags und zum Gesetzestext finden Sie nach Ver├Âffentlichung auf der Homepage des Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff): www.frauen-gegen-gewalt.de
(Quelle: bff)

Mehr Infos unter: www.change.org



NEWS vom 20. Juni 2016Regierungskoalition einigt sich auf Nein hei├čt Nein! Die Reformierung des Sexualstrafrechts soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause abgeschlossen sein.

In dem Gesetz soll der Grundsatz "Nein hei├čt nein" eingearbeitet werden. K├╝nftig wird es also f├╝r eine Strafbarkeit einer Vergewaltigung ausreichen, wenn das Opfer die sexuelle Handlung erkennbar ablehnt. Dar├╝ber hinaus soll auch ein Straftatbestand "Sexuelle Bel├Ąstigung" eingef├╝hrt und damit das sogenannte "Grapschen" strafbar gemacht werden.

Der R├╝ckhalt in der Bev├Âlkerung f├╝r eine Reform des Sexualstrafrechts scheint der Koalition sicher zu sein. Laut einer repr├Ąsentativen Umfrage von Infratest dimap f├╝r das ARD-Morgenmagazin bef├╝rworten 86% der Befragten eine Reform.
(Quelle: Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe)

Mehr Infos unter: www.change.org




NEWS vom 13. Juni 2016Die "Initiative f├╝r Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt" fordert Unterst├╝tzung f├╝r Gina Lisa Lohfink. "Nein hei├čt Nein, nur Ja hei├čt Ja!"

Gina-Lisa Lohfink steht seit dem 1. Juni wegen angeblicher Falschbeschuldigung als Angeklagte in Berlin Tiergarten vor dem Amtsgericht. Sie hatte im Jahr 2012 eine Vergewaltigung angezeigt, die die mutma├člichen T├Ąter ohne ihr Einverst├Ąndnis auf Film aufnahmen und ├Âffentlich verbreiteten. Sp├Ąter boten sie es Redaktionen als Vergewaltigungsvideo an. Sie wurden freigesprochen.

Die Initiative f├╝r Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt ruft f├╝r den n├Ąchsten Prozesstag am 27. Juni 2016 vor dem Amtsgericht Tiergarten zu einer Demonstration auf, um Solidarit├Ąt mit Gina Lisa Lohfink und allen Betroffenen von sexueller Gewalt zu zeigen, die unter den t├Ąterfreundlichen Zust├Ąnden in Justiz und Gesellschaft leiden m├╝ssen.

Ansprechpartnerin f├╝r die Demonstration in Berlin:
Michaela Streibelt
Ansprechpartnerinnen der Initiative:
Firdes Ceylan
Gunhild Mewes
Weitere Informationen dazu auf: ifgbsg.org



NEWS vom 26. Mai 2016SAVE THE DATE!

Am 01.06.2016 findet die Anh├Ârung zum neuen Gesetzesentwurf im Bundestag statt. Es werden Stellungnahmen von Parteien und Verb├Ąnden angeh├Ârt, um eine Diskussions- und Informationsgrundlage f├╝r die Bundestagsabgeordneten zu schaffen.
Zu diesem Anlass ist ein Aktionstag in Berlin in Planung. Weitere Informationen dazu auf: kampagneneinheisstnein.org



26. April 2016: Offener Brief von Frauen- und Menschenrechtsorganisationen. Das B├╝ndnis "Nein hei├čt Nein" fordert Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

Der Gesetzesentwurf der Regierung sieht eine Reformierung der ┬ž┬ž 177 und 179 des Sexualstrafrechts vor. Allerdings greift er viel zu kurz. Das B├╝ndnis "Nein hei├čt Nein", bestehend aus Frauen- und Menschenrechtsorganisationen und zahlreichen Unterst├╝tzerInnen wandte sich am 26. April 2016 in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und alle Bundestagsabgeordneten. Sie fordern einen - l├Ąngst ├╝berf├Ąlligen - Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht und deswegen die grundlegende ├ťberarbeitung des vorliegenden Regierungsentwurfs.

Keine Anerkennung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung

Die zentralen Argumente gegen den Gesetzentwurf der Regierung: Er schlie├če zwar einige Schutzl├╝cken, doch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung werde weiterhin nicht grunds├Ątzlich anerkannt. Damit, so die InitiatorInnen, bleibt der Entwurf der Pr├Ąmisse verhaftet, dass grunds├Ątzlich das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung durch die Tr├ĄgerInnen des Rechtsguts selbst - aktiv - gesch├╝tzt und verteidigt werden muss. Weiterhin geht er davon aus, dass Gesch├Ądigte sich im "Normalfall" zur Wehr setzen und T├Ąter im "Normalfall" davon ausgehen d├╝rfen, dass bei fehlendem Widerstand ein Einverst├Ąndnis des Gegen├╝bers mit sexuellen Handlungen vorliegt. Die Verantwortung wird noch immer bei den Opfern sexualisierter Gewalt gesucht.
So ist k├Ârperlicher Widerstand im Entwurf nur bei bestimmten Umst├Ąnden f├╝r die Strafbarkeit nicht erforderlich, beispielsweise wenn die T├Ąter die betroffene Person ├╝berrascht und sie sich aus diesem Grund nicht zur Wehr setzt.

"Nein" ist nicht genug?

Nach wie vor wird also gerade nicht jede ├╝bergriffige sexuelle Handlung unter Strafe gestellt. Der Gesetzesentwurf vollzieht nicht den vom B├╝ndnis geforderten Paradigmenwechsel, der nicht auf das Verhalten des Opfers, sondern allein auf das Verhalten der T├Ąter abzielt. Damit blieben weiterhin ├ťbergriffe straffrei, bei denen die von Gewalt betroffenen Personen ihr klares "Nein" bekunden, sich die T├Ąter jedoch dar├╝ber hinwegsetzen.

Einhaltung der Menschenrechte auch im Sexualstrafrecht

Der Entwurf widerspricht den Vereinbarungen des ├ťbereinkommens des Europarats zur Verh├╝tung und Bek├Ąmpfung von Gewalt gegen Frauen und h├Ąuslicher Gewalt, kurz genannt "Istanbul-Konvention", die Deutschland zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert hat. Das B├╝ndnis "Nein hei├čt Nein" fordert in dem offenen Brief die Abgeordneten des Bundestages auf, ein zeitgem├Ą├čes und menschenrechtskonformes Sexualstrafrecht zu schaffen.

Das B├╝ndnis "Nein hei├čt Nein":
Folgende Verb├Ąnde sind im breit aufgestellten B├╝ndnis vertreten: bff ÔÇô Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe e.V., Deutscher Frauenrat e.V., Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb), Frauenhauskoordinierung e.V., KOK ÔÇô Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V., TERRE DES FEMMES e.V., UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. und ZIF ÔÇô Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenh├Ąuser e.V., und viele weitere Unterst├╝tzerInnen. An dieser Stelle ver├Âffentlicht AVIVA-Berlin Ausz├╝ge aus ihren Stellungnahmen zur Reform des Sexualstrafrechts, deren eindeutiger Konsens lautet, dass der Gesetzesentwurf mangelhaft ist.

Das fordern die B├╝ndnispartnerInnen:

Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff):
"Es darf nicht l├Ąnger sein, dass Betroffene von sexuellen ├ťbergriffen und Vergewaltigungen in der Begr├╝ndungspflicht f├╝r ihr Handeln stehen. F├╝r die Strafbarkeit muss es k├╝nftig allein auf das Verhalten des T├Ąters ankommen.", bringt Katja Grieger vom bff die Kritik am Gesetzentwurf auf den Punkt.
Zur Pressemitteilung des bff vom 26. April 2016 zum Download als PDF

Deutscher Frauenrat e.V.:
Dr. Anja Nordmann, die Gesch├Ąftsf├╝hrerin des Deutschen Frauenrats, auf dessen Initiative sich das "B├╝ndnis Nein hei├čt Nein" gegr├╝ndet hat, positioniert sich gegen den Gesetzesentwurf. Sie ruft zu einem gleicherma├čen historischen Schritt auf, wie als 1997 erstmals die Beschr├Ąnkung der Strafbarkeit auf au├čereheliche sexuelle Handlungen aufgehoben wurde und die Vergewaltigung in der Ehe f├╝r strafbar erkl├Ąrt wurde: "Wir fordern eine zeitgem├Ą├če und menschenrechtskonforme Weiterentwicklung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung. Deshalb lehnen wir den vorliegenden Entwurf ab. Wir rufen die Gesetzgebenden stattdessen zu einer gro├čen Koalition f├╝r ein "Nein hei├čt Nein" auf. Wir wollen eine gro├če Reform des Sexualstrafrechts, die einen Paradigmenwechsel vollzieht ÔÇô wie 1997, als eine gro├če Mehrheit von Bundestagsabgeordneten ├╝ber alle Fraktionen hinweg f├╝r die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe stimmte. Das war ein historischer Schritt bei der Bek├Ąmpfung sexualisierter Gewalt. Jetzt muss der Bundestag einen weiteren gehen."
Zur Pressemeldung des Deutschen Frauenrats vom 26. April zum Download als PDF

Deutscher Juristinnenbund e.V.:
Ramona Pisal, djb-Pr├Ąsidentin: "Nein hei├čt Nein - diesen gesellschaftlichen Konsens muss unser Strafrecht abbilden. Die Zeit ist reif f├╝r eine umfassende Neukonzeption des gesamten 13. Abschnittes des StGB. Mit weniger wollen wir uns nicht l├Ąnger zufriedengeben." Der djb fordert seit Jahren mit ausf├╝hrlichen Stellungnahmen und Regelungsvorschl├Ągen einen Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht hin zum l├╝ckenlosen Schutz der sexuellen Selbstbestimmung, d.h. die zeitgem├Ą├če und menschenrechtskonforme Weiterentwicklung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung und somit die Beseitigung aller Schutzl├╝cken - nicht nur einiger weniger, wie es der gegenw├Ąrtige Gesetzentwurf vorsieht.
Zur Stellungnahme des djb vom 26. April 2016 zum Download als PDF

Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK):
Naile Tan─▒┼č, Gesch├Ąftsf├╝hrerin des KOK begreift die anstehende Bundestagsdebatte und die geplante Gesetzesreform als Chance f├╝r eine tiefgreifende Ver├Ąnderung des Sexualstrafrechts: "Notwendig ist es, die Chance zu nutzen und eine umfassende Reformierung des Sexualstrafrechts anzugehen, die einen Paradigmenwechsel vollzieht. Mit einer halbherzigen Umsetzung ist letztlich den Betroffenen nur eingeschr├Ąnkt geholfen und es wird die Gelegenheit vers├Ąumt, Deutschlands Sexualstrafrecht mit den Vorgaben aus internationalem Recht in Einklang zu bringen."
Zur Stellungnahme des KOK vom 17. Februar 2016 zum Download als PDF

TERRE DES FEMMES e.V.:
"Es darf nicht sein, dass eine sexuelle Handlung, bei der sich der T├Ąter ├╝ber den Willen der Betroffenen hinwegsetzt, strafffrei bleibt. Die Verantwortung daf├╝r, ob eine Vergewaltigung auch als eine solche bestraft werden kann, darf nicht beim Opfer liegen," reklamiert Maja Wegener, Fachbereichsleiterin der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES. "Wir fordern eine umfassendere Reform, einen Paradigmenwechsel, der darauf abzielt, dass jede sexuelle Handlung, die gegen den Willen einer anderen Person ausge├╝bt wird, bestraft wird", erkl├Ąrt die Frauenrechtsaktivistin.
Zur Stellungnahme von TERRE DES FEMMES zum Download als PDF

Deutsches Komitee f├╝r UN Women e.V.:
Im M├Ąrz 2016 startete das Deutsche Komitee f├╝r UN Women bereits die Social-Media Kampagne #Neinhei├čtNein. "Nein hei├čt immer noch nicht Nein. Sexuelle Handlungen, die ohne ausdr├╝ckliche Zustimmung erfolgen, wie Ber├╝hrungen an der Brust oder in den Schritt, gelten auch im geplanten Gesetz nicht als strafbar. Es ist nicht hinnehmbar, dass Deutschland weiterhin ein Land bleibt, in dem nicht alle Formen von sexuellen ├ťbergriffen strafbar sind. Ein klar formuliertes Nein muss f├╝r die Bestrafung einer T├Ąterin/eines T├Ąters ausreichen", so Karin Nordmeyer, Vorsitzende des Deutschen Komitees.
Zur Pressemitteilung des Deutschen Komitees f├╝r UN Women zum Download als PDF

Mehr zum Thema:

Unterst├╝tzerIn werden: Die Petitionsplattform Change.org hat unter "#Nein hei├čt nein. Schaffen Sie ein modernes Sexualstrafrecht" dazu aufgerufen, ihre Kampagne zu unterzeichnen.
Zum Unterschreiben der Online-Petition auf: www.change.org


Weitere Informationen:

Offener Brief vom 26. April 2016 an die Bundeskanzlerin des B├╝ndnis "Nein hei├čt Nein" zum Download als PDF auf der Seite des djb

"Gesetzesentwurf zur ├änderung des Strafgesetzbuches ÔÇô Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung" zum Download als PDF auf der Homepage des Bundesministeriums der Justiz und f├╝r Verbraucherschutz

Das ├ťbereinkommen des Europarats zur Verh├╝tung und Bek├Ąmpfung von Gewalt gegen Frauen und h├Ąuslicher Gewalt, Council of Europe Treaty Series No 210 zum Download als PDF


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Deutscher Juristinnenbund fordert: Frauen vor Gewalt sch├╝tzen durch EU-weite ├ťberwachung von Bew├Ąhrungsma├čnahmen und eine Reformierung des Sexualstrafrechts
Der Gesetzesentwurf zur internationalen Rechtshilfe des Bundesjustizministeriums bezieht wesentliche europ├Ąische Regelungen nicht mit ein, kritisiert der djb. Dabei ist dieser Entwurf insbesondere f├╝r Frauen relevant, die von Gewalt-, und anderen Straftaten betroffen sind (2014)

Anne Wizorek - Weil ein Aufschrei nicht reicht. F├╝r einen Feminismus von heute
Zehntausende Frauen nutzten den von Anne Wizorek initiierten Hashtag #aufschrei als Ventil f├╝r ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus. (2014)

Auswertung der Online-Kampagne #ichhabnichtangezeigt widerlegt Vergewaltigungsmythen (2012)

FREE THE NIPPLE
"What is so obscene about the woman┬┤s body?" Initiatorin und Regisseurin Lina Esco und feministische AktivistInnen wehren sich in den USA gegen die Kriminalisierung von weiblichen Br├╝sten in der ├ľffentlichkeit. Die Online-Petition "Schutz f├╝r stillende M├╝tter in der ├ľffentlichkeit!" macht seit dem 18. Februar 2016 auch in Deutschland auf Diskriminierung aufmerksam. (2016)

Alice Schwarzer (Hg.) - Es reicht! Gegen Sexismus im Beruf (2013)

Julia Korbik - Stand Up! Feminismus f├╝r Anf├Ąnger und Fortgeschrittene (2014)

Der verlorene Kampf um die W├Ârter
In ihrem Pl├Ądoyer f├╝r eine angemessenere Sprachf├╝hrung deckt Monika Gerstend├Ârfer den opferfeindlichen Sprachgebrauch bei sexualisierter Gewalt in der Alltagssprache und Berichterstattung auf (2007)


Public Affairs Beitrag vom 27.04.2016 AVIVA-Redaktion 





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