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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 31.05.2011

TERRE DES FEMMES f├╝rchtet fatale Signalwirkung durch Urteil im Kachelmann-Prozess
AVIVA-Redaktion

Der Fall Kachelmann besch├Ąftigte die Medienberichterstattung seit Monaten und ganz Deutschland diskutiert ├╝ber dessen m├Âgliche T├Ąterschaft. Das Leid der beiden Opfer kommt dabei kaum zur Sprache.



Der ehemalige ARD-Wettermoderator J├Ârg Kachelmann wurde am 31. Mai 2011 aus Mangel an Beweisen vom Landgericht Mannheim von dem Vorwurf der schweren Vergewaltigung freigesprochen.

"Durch die Berichterstattung um diesen Prozess und die Vorverurteilung der Kl├Ągerin in Teilen der ├ľffentlichkeit geht ein fatales Signal aus an alle Betroffene von sexualisierter Gewalt. Sie werden sich in Zukunft noch weniger trauen, Anzeige bei einer Vergewaltigung zu erheben," bef├╝rchtet Christa Stolle, Gesch├Ąftsf├╝hrerin von TERRE DES FEMMES.

"Au├čerdem wird gewaltt├Ątigen M├Ąnnern nicht das Gef├╝hl vermittelt, dass ├╝bergriffiges Verhalten gegen├╝ber Frauen verwerflich ist," sagt Christa Stolle. "Selbst eine moralische ├ächtung durch die ├ľffentlichkeit ist kaum noch vorhanden, wenn sich Prominente f├╝r beschuldigte M├Ąnner ├Âffentlich einsetzen."

Alice Schwarzer, Journalistin, Chefredakteurin und Herausgeberin der Emma, ├Ąu├čerte sich in ihrem Editorial Es geht um viel mehr als zwei Menschen
im Oktober 2010 folgenderma├čen: "Sollte das Gericht die Wahrheit nicht herausfinden und k├Ąme es auf einen Freispruch ┬┤Im Zweifel f├╝r den Angeklagten┬┤ raus, dann w├Ąre das eine Katastrophe. Und zwar nicht nur f├╝r die Ex-Freundin und J├Ârg Kachelmann, sondern f├╝r Millionen Frauen. Sie, die endlich angefangen haben zu reden, w├╝rden wieder verstummen."

Gewalt gegen Frauen symbolisiert auf schmerzhafte Art und Weise die immer noch deutlich existierende Machtdifferenz zwischen M├Ąnnern und Frauen. Eine Vergewaltigung ist einer der schlimmsten Ausdr├╝cke von Macht, die ein Mann an einer Frau aus├╝ben kann. Im Gegensatz zu H├Ąuslicher Gewalt, bei der in Ausnahmef├Ąllen auch M├Ąnner die Opfer sein k├Ânnen, wird sexuelle Gewalt fast ausschlie├člich von M├Ąnnern an Frauen ausge├╝bt.

Vergewaltigungen geschehen t├Ąglich und meistens nicht durch einen Unbekannten. Die H├Ąlfte der Taten passiert innerhalb einer Beziehung, innerhalb der Familie oder innerhalb des Freundes- und Bekanntenkreises. Und es geschieht weitgehend unbemerkt: Die Dunkelfeldforschung geht davon aus, dass nur 5% der Sexualstraftaten ├╝berhaupt zu einer Anzeige gebracht werden. In Deutschland sind das immerhin 8.000 F├Ąlle j├Ąhrlich.

Die Gr├╝nde der geringen Anzeigenbereitschaft liegen unter anderem in der Schwierigkeit, Beziehungstaten nachzuweisen, in der Angst vor Reaktionen innerhalb der Familie und des Umfelds und in der fehlenden psychischen und finanziellen Kraft, ein langwieriges Gerichtsverfahren zu ├╝berstehen. In Berlin und Brandenburg k├Ânnen sich weibliche und minderj├Ąhrige Opfer von Gewalt bei Antje Prinz, Gesch├Ąftsf├╝hrerin von AHGATA- Hilfe f├╝r die Zeugin, das B├╝ro f├╝r Prozessvorbereitung und Prozessbegleitung, beraten lassen.

Weitere Informationen:

Terre des Femmes ist eine gemeinn├╝tzige Menschenrechtsorganisation f├╝r Frauen und M├Ądchen, die durch Aktionen, ├ľffentlichkeitsarbeit, Einzelfallhilfe, F├Ârderung von Projekten und internationale Vernetzung unterdr├╝ckte Frauen unterst├╝tzt. Schwerpunktthemen sind u.a. h├Ąusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverst├╝mmelung und Zwangsprostitution sowie die Rechte von Textilarbeiterinnen. Der Verein wurde 1981 gegr├╝ndet, die Gesch├Ąftsstelle befindet sich in T├╝bingen.

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Public Affairs Beitrag vom 31.05.2011 AVIVA-Redaktion 





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