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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 13.01.2017

DIW Managerinnen-Barometer 2017: Geschlechterquote zeigt erste Wirkung in Aufsichtsräten, Vorstände bleiben Männerdomänen
AVIVA-Redaktion

Eine j√§hrliche Bestandsaufnahme. DIW Berlin untersucht insgesamt mehr als 500 Unternehmen ‚Äď Frauen sind in Spitzengremien gro√üer Unternehmen noch immer deutlich in der Minderheit ‚Äď Gesetzliche Quotenregelung allein reicht nicht aus.



Frauen sind in den Spitzengremien gro√üer Unternehmen in Deutschland nach wie vor deutlich unterrepr√§sentiert. Allerdings hat ihr Anteil in Vorst√§nden und Aufsichtsr√§ten der 200 umsatzst√§rksten Unternehmen im vergangenen Jahr etwas st√§rker zugenommen als im Jahr zuvor. Das geht aus dem aktuellen Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts f√ľr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Demzufolge waren Frauen in den Vorst√§nden der Top-200-Unternehmen Ende des Jahres 2016 zu gut acht Prozent und in den Aufsichtsr√§ten zu knapp 23 Prozent vertreten ‚Äď das entspricht im Vorjahresvergleich einem Plus von rund zwei beziehungsweise drei Prozentpunkten. Etwas st√§rker voran ging es in den Aufsichtsr√§ten jener Unternehmen, die unter die seit Januar 2016 verbindliche Geschlechterquote fallen: Sie konnten den Frauenanteil sogar um gut vier Prozentpunkte auf mehr als 27 Prozent steigern. Vorreiter bleiben die im DAX-30 notierten Unternehmen, die die 30-Prozent-Marke im Durchschnitt bereits √ľberschritten haben. "Die Geschlechterquote f√ľr Aufsichtsr√§te zeigt eine erste Wirkung", sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin f√ľr Gender Studies am DIW Berlin. "Dass Frauen und M√§nner gleich stark in Spitzengremien vertreten sind, ist aber nach wie vor in weiter Ferne. Vor allem die Vorst√§nde bleiben eine M√§nnerdom√§ne", so Holst.

Hat ein Unternehmen 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat, geht es anschließend kaum noch voran

Schreibt man die Entwicklung des Frauenanteils in Aufsichtsr√§ten und Vorst√§nden der vergangenen Jahre linear fort, w√ľrde es in der Gruppe der Top-200-Unternehmen noch mehr als 60 Jahre dauern, bis in den Vorst√§nden eine geschlechterparit√§tische Besetzung erreicht ist. In den Aufsichtsr√§ten w√§re das in 18 Jahren der Fall. "Das ist eine gef√ľhlte Ewigkeit und d√ľrfte trotzdem noch viel zu optimistisch sein", erkl√§rt Katharina Wrohlich, die die Studie gemeinsam mit Elke Holst verfasst hat.
Denn die DIW-Berechnungen zeigen, dass Unternehmen, die die 30-Prozent-Schwelle √ľberschreiten, den Frauenanteil in ihren Aufsichtsr√§ten danach kaum oder gar nicht weiter erh√∂hen. Auch in den Vorst√§nden gab es einen negativen Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil im Vorjahr und dessen Ver√§nderung im Jahr 2016: Kein einziges der 200 gr√∂√üten Unternehmen, das im Jahr 2015 einen Frauenanteil im Vorstand von einem Viertel oder mehr hatte, steigerte diesen Anteil weiter.

Beteiligungsunternehmen des Bundes drohen Vorbildfunktion einzub√ľ√üen

Deutlich abgeschw√§cht hat sich die Dynamik in den Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist. Sie drohen ihre Vorbildfunktion einzub√ľ√üen. Zwar k√∂nnen sie mit gut 15 Prozent nach wie vor den h√∂chsten Frauenanteil auf der Vorstandsebene verzeichnen, allerdings gab es im Vergleich zum Vorjahr praktisch keinen Anstieg. Der Frauenanteil in den Aufsichtsr√§ten liegt mit gut 29 Prozent mittlerweile sogar hinter den DAX-30-Unternehmen zur√ľck. Die letztgenannte Unternehmensgruppe ist zudem die einzige, in der die 30-Prozent-Marke von mehr als der H√§lfte der Unternehmen (60 Prozent) √ľberschritten wurde.

Finanzsektor: Banken fallen zur√ľck

Auch in den Spitzengremien des Finanzsektors, also bei Banken und Versicherungen, sind Frauen weiterhin in der Minderheit, obwohl sie die Mehrheit der Besch√§ftigten stellen. In den Aufsichts- und Verwaltungsr√§ten der ‚Äď gemessen an der Bilanzsumme ‚Äď 100 gr√∂√üten Banken des Landes lag der Frauenanteil im Jahr 2016 bei gut 21 Prozent. Das ist nicht mehr als im vorangegangenen Jahr. Bei den ‚Äď gemessen an den Beitragseinnahmen ‚Äď 59 gr√∂√üten Versicherungen gab es immerhin einen Anstieg um drei Prozentpunkte auf etwas mehr als 22 Prozent. Damit konnten die Versicherungen die Banken erstmals √ľberholen. In den Vorst√§nden blieb der Frauenanteil mit gut acht Prozent bei den Banken und fast zehn Prozent bei den Versicherungen sehr niedrig und konnte in keiner der untersuchten Unternehmensgruppen die Zehn-Prozent-Marke erreichen.

Mehr Frauen in F√ľhrungspositionen sollten im ureigenen Interesse der Unternehmen sein

Um k√ľnftig mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen, empfehlen Holst und Wrohlich erg√§nzend zur seit 2016 verbindlichen Geschlechterquote eine ganze Reihe an Ma√ünahmen. So k√∂nnten finanzielle Anreize daf√ľr sorgen, dass sich V√§ter st√§rker an der Kindererziehung oder Pflege Angeh√∂riger beteiligen. Dies k√∂nnte durch eine Erh√∂hung der sogenannten Partnermonate beim Elterngeld oder durch neue Leistungen im Rahmen einer Familienarbeitszeit erreicht werden. "Solche Ma√ünahmen w√ľrden erstens gegen vorherrschende Geschlechterstereotype wirken und zweitens Frauen w√§hrend der Vorbereitung auf den Sprung in Spitzenpositionen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern", so Wrohlich.

Unternehmen w√§ren zudem gut beraten, ihren Besch√§ftigten mehr Zeitsouver√§nit√§t zuzugestehen und eine zeitweise Arbeitszeitreduktion nicht als Zeichen f√ľr geringe Karriereambitionen zu deuten. "Eine moderne Unternehmenskultur verschafft im steigenden Wettbewerb um hochqualifizierte Talente wichtige Vorteile", erkl√§rt Holst. "Ein Nicht-Aussch√∂pfen des Potentials der Besch√§ftigten, etwa aufgrund von Vorurteilen und Geschlechterstereotypen, f√ľhrt zu h√∂heren Kosten und einer geringeren Produktivit√§t und schw√§cht letztlich die Wettbewerbsf√§higkeit von Unternehmen. Ma√ünahmen, die den Frauenanteil erh√∂hen, sollten somit im ureigenen Interesse der Unternehmen sein."

DIW Managerinnen-Barometer
Das DIW Managerinnen-Barometer beobachtet die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in gro√üen deutschen Unternehmen durch M√§nner und Frauen. Seit 2006 wird dazu einmal j√§hrlich die Zahl der Frauen in den Vorst√§nden und Aufsichtsr√§ten der 200 gr√∂√üten deutschen Unternehmen ausgewertet. Sp√§ter kamen die DAX-30-, M-DAX-, S-DAX- und TecDAX-Unternehmen sowie die Unternehmen mit Bundesbeteiligung hinzu. Zus√§tzlich wird die Entwicklung im Finanzsektor erfasst, also bei den gr√∂√üten 100 Banken und Sparkassen sowie rund 60 Versicherungen. Zus√§tzlich wertet das DIW Berlin separat die Gruppe jener gut 100 Unternehmen aus, die seit 2016 unter die verbindliche Geschlechterquote f√ľr Aufsichtsr√§te fallen.

Deutsches Institut f√ľr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
Das DIW Berlin (Deutsches Institut f√ľr Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der f√ľhrenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenh√§nge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und ber√§t auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und f√∂rdert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabh√§ngig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft √ľberwiegend aus √∂ffentlichen Mitteln finanziert.

Mehr Infos zum DIW Managerinnen-Barometer 2017 unter:

www.diw.de

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Die Professorin der Medien- und Geschlechtersoziologie am Institut f√ľr Soziologie an der TU Berlin analysierte anhand von Interviews mit Managerinnen im Alter von 35 sowie 50 plus Chancen und Hindernisse f√ľr Frauen in der Wirtschaft vor dem Hintergrund der "sch√∂nen neuen Arbeitswelt". (2016)




Quelle: Pressemitteilung des DIW Berlin vom 11.01.2017

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