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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.02.2017

Hatun-S├╝r├╝c├╝-Preis 2017 ÔÇô Gr├╝ne Fraktion zeichnete am 3. Februar zum f├╝nften Mal drei Berliner Projekte und Initiativen aus
AVIVA-Redaktions

Damit r├╝ckt sie Menschen in den Fokus, die sich f├╝r M├Ądchen und junge Frauen engagieren. Zugleich erinnern sie an Hatun S├╝r├╝c├╝, die am 7. Februar 2005 von einem ihrer Br├╝der ermordet wurde, weil sie ein selbstbestimmtes Leben f├╝hren wollte. Gedenkveranstaltungen f├╝r Hatun S├╝r├╝c├╝ am 7. Februar in Berlin



Anja Kofbinger, stellv. Fraktionsvorsitzende und Sprecherin f├╝r Frauenpolitik, sowie Susanna Kahlefeld, Sprecherin f├╝r Partizipation und Beteiligung, sagen zum zw├Âlften Todestag von Hatun S├╝r├╝c├╝:

"Vor zw├Âlf Jahren wurde Hatun S├╝r├╝c├╝ Opfer eines sogenannten Ehrenmordes, weil sie sich aus einer Zwangsehe befreit hatte und ein selbstbestimmtes Leben in Berlin f├╝hrte. Wir haben sie nicht vergessen und behalten sie als mutige und starke Frau in Erinnerung.

Ob Silvester in K├Âln, rechte Hetze gegen den angeblichen "Genderwahn" oder Donald Trump ÔÇô das letzte Jahr war ein Jahr der Extreme f├╝r Frauen und hat gezeigt, dass der Feminismus dringend gebraucht wird. Frauenrechte m├╝ssen f├╝r alle Frauen gelten ÔÇô ├╝berall. Mit dem Hatun-S├╝r├╝c├╝-Preis wollen wir daran erinnern, dass wir immer noch viele Initiativen brauchen, die sich f├╝r die Selbst├Ąndigkeit von M├Ądchen und jungen Frauen engagieren."


Die drei diesj├Ąhrigen Preistr├Ąger*innen zeigen, wie vielf├Ąltig das Engagement aussehen kann:

1. PREIS: CENTRE TALMA


Das Centre Talma ist eine Kinder- und Jugendfreizeitst├Ątte in Reinickendorf mit ├╝ber 500 aktiven Mitgliedern. Seit 1994 bietet es in ├╝ber 40 Sport- und Tanzkursen geschlechtsbewusste sportorientierte Kinder- und Jugendsozialarbeit an. Das Zentrum bringt Themen aus der Erlebniswelt der M├Ądchen und jungen Frauen auf die B├╝hne, wie z.B. Gewalt an der Schule, die mediale Welt oder Menschenhandel. Seit 2005 engagieren sich die Jugendlichen in dem bundesweiten Projekt "Respect Girls" mit Tanzchoreographien, Songs und Aktionen gegen eine frauenverachtende, sexistische und homophobe Darstellung in den Medien. Seit 2012 beteiligt sich das Centre Talma auch an der Aktion "One Billion Rising". Bei dieser weltweiten Kampagne kommen Menschen an ├Âffentlichen Orten zusammen, um gegen Gewalt an Frauen und M├Ądchen und f├╝r Gleichstellung zu tanzen.
(Das Preisgeld in H├Âhe von 500 Euro wurde gestiftet von Joanna Florian)
www.centre-talma.de

2. PREIS: BOXGIRLS BERLIN e.V.
In dem Boxverein kommen M├Ądchen, junge Frauen und Transpersonen mit unterschiedlichsten Erfahrungen und sozialen Hintergr├╝nden zusammen. Hier k├Ânnen sie frei von Diskriminierung trainieren, werden dabei unterst├╝tzt, sich selbst├Ąndig, aktiv und mutig f├╝r ihre Belange einzusetzen und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Boxgirls Berlin steht f├╝r inklusive Sport- und Bildungsarbeit und tr├Ągt dazu bei, die Rollenbilder von M├Ąnnern und Frauen im Boxsport aufzul├Âsen. Dabei wird R├╝cksicht auf spezifische Problemlagen wie Sprachbarrieren, k├Ârperliche und geistige Einschr├Ąnkungen und finanzielle N├Âte gelegt.
(Das Preisgeld in H├Âhe von 300 Euro wurde gestiftet von Sonja Jost)
www.boxgirls.de

3. PREIS (200 Euro): #BIKEYGEES e.V.
Die zwei Gr├╝nderinnen der Initiative, Dr. Annette Seebach und Annette Kr├╝ger, bringen seit 2015 gefl├╝chteten Frauen, die ├╝berwiegend in Berliner Notunterk├╝nften leben, das Fahrradfahren bei. Zusammen mit etwa 100 Helfer*innen erm├Âglichen sie auf diese Weise mehr als 60 M├Ądchen und jungen Frauen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan Zugang zu einem selbstbestimmten Leben. Der Verein stellt den Gefl├╝chteten R├Ąder, Helme und Schl├Âsser bereit und kommt f├╝r Reparaturen auf. Durch die gemeinsame Aktivit├Ąt leistet #Bikeygees einen Beitrag zu mehr Integration, Vernetzung und Empowerment.
(Das Preisgeld in H├Âhe von 200 Euro wurde gestiftet von Sieglinde Berger und Birgit Wesner)
www.bikeygees.org

DER HATUN-S├ťR├ťC├ť-PREIS ÔÇô ENGAGEMENT IN DEN MITTELPUNKT R├ťCKEN!

Fraktion B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen im Abgeordnetenhaus: "Auch heute werden M├Ądchen und Frauen immer wieder benachteiligt oder gehindert, ein selbstbestimmtes Leben zu f├╝hren. Aus diesem Grund haben wir 2013 den Hatun-S├╝r├╝c├╝-Preis initiiert, um diejenigen zu ehren, die sich tatkr├Ąftig f├╝r M├Ądchen und junge Frauen engagieren, und diesen Einsatz in den Mittelpunkt zu r├╝cken.

Wir verleihen insgesamt drei Preise an Einzelpersonen, Initiativen oder Organisationen aus Berlin, die sich f├╝r das Recht von M├Ądchen und jungen Frauen auf Chancengleichheit und Selbstbestimmung einsetzen und sie auf dem Weg dorthin begleiten und f├Ârdern. Der Hatun-S├╝r├╝c├╝-Preis wurde in den vergangenen Jahren etwa an Mama Afrika e.V., die M├Ądchenmannschaft des Fu├čballclubs T├╝rkiyemspor oder das Pr├Ąventionsprojekt Heroes verliehen.

Der gr├╝ne Frauenrechtspreis ist nach Hatun S├╝r├╝c├╝ benannt, die am 7. Februar 2005 Opfer eines sogenannten Ehrenmordes wurde. F├╝r uns ist sie Inbegriff einer starken und mutigen Frau. Die junge Mutter hatte sich aus einer Zwangsehe befreit und f├╝hrte danach gegen alle Widerst├Ąnde ein selbstbestimmtes Leben. Kurz vor Abschluss ihrer Gesellenpr├╝fung zur Elektroinstallateurin wurde sie von einem ihrer Br├╝der auf offener Stra├če erschossen."


DIE JURY 2017

Die Preistr├Ągerinnen und -tr├Ąger wurden von einer f├╝nfk├Âpfigen Jury ausgew├Ąhlt: Jurorinnen in diesem Jahr waren Christa Stolle, Luc├şa Muriel und Sookee.

Christa Stolle, Bundesgesch├Ąftsf├╝hrerin von Terre des Femmes, ist seit ├╝ber 25 Jahren das Gesicht der Organisation. Die Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin setzt sich u.a. gegen h├Ąusliche Gewalt, Genitalverst├╝mmelung und Zwangsheirat ein. Daf├╝r erhielt sie den Woman of Courage Award und das Bundesverdienstkreuz. Stolles Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben.
Luc├şa Muriel ist Mitgr├╝nderin und Gesch├Ąftsf├╝hrerin von moveGLOBAL e.V., einem Berliner Verband migrantischer-diasporischer Organisationen. Die in Ecuador geborene Diplompsychologin ber├Ąt und begleitet MigrantInnen als entwicklungspolitische Akteure und ermutigt sie, sich gleichberechtigt in der ├Âffentlichen Debatte zu positionieren.
Die queer-feministische Rapperin Sookee zeigt wie gut Hip Hop und Feminismus zusammenpassen. Seit mehr als zehn Jahren engagiert sie sich gegen Homophobie, Rassismus und sexistische Klischees. Die studierte Linguistin leitet Workshops f├╝r Jugendliche und ist im Bereich der interkulturellen Bildung und Gewaltpr├Ąvention aktiv.
In der Jury waren zudem f├╝r die Gr├╝nen-Fraktion:
Anja Kofbinger, stellv. Vorsitzende und Sprecherin f├╝r Frauen-, Gleichstellungs- und Queerpolitik und Susanna Kahlefeld, Sprecherin f├╝r Partizipation und Beteiligung

Gedenktag f├╝r Hatun S├╝r├╝c├╝ am 7. Februar 2017 um 14 Uhr und um 16.15 Uhr

Neuk├Âlln setzt Zeichen f├╝r ein selbstbestimmtes Leben
Fahnenhissung und Gedenken

Zum Gedenken an Hatun S├╝r├╝c├╝ und weiteren Opfer von Gewalt gegen Frauen und M├Ądchen, erheben die Bezirksb├╝rgermeisterin Dr. Franziska Giffey, Neuk├Âllner M├Ądchen-/Frauenprojekte und die Gleichstellungsbeauftragte ihre Stimmen.

Zum Auftakt wird erstmals in Berlin die entwickelte Fahne "Selbstbestimmtes Leben gegen Gewalt an Frauen" vor dem Rathaus Neuk├Âlln gehisst.
In gemeinsamer Arbeit vom Arbeitskreis M├Ądchenarbeit, Netzwerk Frauen in Neuk├Âlln und der Gleichstellungsbeauftragte - Sylvia Edler.

Dienstag, 07. Februar 2017 um 16.15 Uhr
Bezirksamt Neuk├Âlln, Vorplatz, Karl-Marx-Stra├če 83, 12043 Berlin


├ťber ein zahlreiches Erscheinen an diesem Gedenktag w├╝rden sich die Initiatorinnen sehr freuen. Es wird darum gebeten, zum Gedenken eine Rose mitzubringen.

TERRE DES FEMMES fordert in ihrer Pressemitteilung besseren Schutz f├╝r Betroffene und mehr Einsatz im Kampf gegen traditionell-patriarchalische Wertvorstellungen:

12 Jahre nach dem "Ehren"-Mord an Hatun S├╝r├╝c├╝ hat sich kaum etwas ge├Ąndert

Am 2017 j├Ąhrt sich der Todestag von Hatun S├╝r├╝c├╝ zum zw├Âlften Mal. Dazu wird es am Tatort in der Oberlandstra├če in Berlin am 7. Februar um 14 Uhr eine Gedenkveranstaltung geben, um an das Leben dieser mutigen Frau zu erinnern: Hatun S├╝r├╝c├╝ hat ihr Recht wahrgenommen, selbstbestimmt zu leben, und wurde daf├╝r von ihrem eigenen Bruder umgebracht. So erging es bereits davor und danach vielen jungen Frauen, die eine vermeintliche Familienehre verletzten, die in Wahrheit der Erhaltung traditionell-patriarchalischer Normen und Machtverh├Ąltnisse dient. Um diese archaischen Wertvorstellungen aufzubrechen und Bedrohte besser zu sch├╝tzen, fordert TERRE DES FEMMES deutlich mehr Anstrengungen von der Politik:

"Der gesch├╝tzte Raum des Klassenzimmers muss endlich konsequent genutzt werden, um Debatten ├╝ber Gleichberechtigung und Menschenrechte anzusto├čen sowie M├Ądchen ├╝ber ihre Rechte zu informieren", bringt Christa Stolle, Bundesgesch├Ąftsf├╝hrerin von TERRE DES FEMMES, eine wichtige Forderung auf den Punkt. Zudem br├Ąuchten betroffene M├Ądchen und Frauen Anlaufstellen, in denen Fachkr├Ąfte darin geschult sind, sie zu unterst├╝tzen. "Wenn junge Frauen vor ihren Familien fliehen, darf ihre sichere Unterbringung nicht am Hickhack um finanzielle Zust├Ąndigkeiten scheitern", erkl├Ąrte Stolle weiter. Diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe d├╝rfe nicht allein einzelnen Initiativen und Modellprojekten aufgeb├╝rdet werden.

Die Frauenrechtsorganisation verweist in dem Zusammenhang auch auf das Problem der Zwangsverheiratung, f├╝r das Hatun S├╝r├╝c├╝ exemplarisch steht. Viele M├Ądchen werden minderj├Ąhrig zwangsverheiratet. TERRE DES FEMMES setzt sich seit vielen Jahren f├╝r Gesetzes├Ąnderungen zum besseren Schutz vor Zwangsheirat ein und ├╝berreichte im Mai 2016 ├╝ber 108.000 gesammelte Unterschriften, um ein Mindestheiratsalter von 18 Jahren durchzusetzen. Eine diesbez├╝gliche Gesetzes├Ąnderung war bereits f├╝r Ende 2016 angek├╝ndigt. "Der Handlungsbedarf ist gro├č", sagt Christa Stolle. "Die rechtlichen Grundlagen m├╝ssen nun z├╝gig angepasst werden, um Schicksale wie das von Hatun S├╝r├╝c├╝ in Zukunft m├Âglichst zu verhindern."

Weitere Informationen zum Hatun-S├╝r├╝c├╝-Preis unter:

www.gruene-fraktion-berlin.de

Weitere Informationen zu TERRE DES FEMMES unter: www.frauenrechte.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Hatun-S├╝r├╝c├╝-Preis 2016 ÔÇô Die Fraktion B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen zeichnete Engagement f├╝r M├Ądchen und Frauen aus
Am 5. Februar 2016 wurden zum vierten Mal drei Berliner Projekte und Initiativen gew├╝rdigt: 1. Preis: Mama Afrika e.V. 2. Preis: Interkultureller M├Ądchentreff Albatros gGmbH. 3. Preis: Afghanisches Kommunikations- und Kulturzentrum e.V.
Ziel des Frauenrechtspreises ist es, Menschen in den Vordergrund zu r├╝cken, die sich oft im Stillen mit viel Tatkraft f├╝r die Emanzipation und Gleichberechtigung von M├Ądchen und junge Frauen einsetzen.

Women + Work > WorldWideWomen Beitrag vom 03.02.2017 AVIVA-Redaktion 





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