Interview mit Sabine Kartte, Gesch├Ąftsf├╝hrende Redakteurin beim stern und eine von neun Frauen im Vorstand des Vereins ProQuote Medien - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

etage7
AVIVA-Berlin > Interviews AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 14.06.2012

Interview mit Sabine Kartte, Gesch├Ąftsf├╝hrende Redakteurin beim stern und eine von neun Frauen im Vorstand des Vereins ProQuote Medien
Ilka Fleischer

30% der F├╝hrungspositionen auf allen Hierarchiestufen fordert die Initiative "Pro Quote" f├╝r Frauen in den Medien. Im E-Interview legt Sabine Kartte die Forderung nach der vieldiskutierten Quote dar



Beim 16. MainzerMedienDisput am 5. Juni 2012 stand die Quoten-Forderung "30 Prozent Frauen an die Schalthebel der Medien-Macht" der Initiative Pro Quote zur Diskussion. Als Vorstandsmitglied der Initiative vertieft Sabine Kartte, gesch├Ąftsf├╝hrende Redakteurin der Gruner+Jahr AG & Co KG, Redaktion stern, die Hintergr├╝nde der Forderung im E-Interview mit AVIVA-Berlin.

AVIVA-Berlin: Inwiefern unterscheidet sich die Debatte "Frauen in F├╝hrungspositionen" in den Medien von der Debatte in der "Wirtschaft"? Weshalb gibt es keine pauschale B├╝ndnisforderung?
Sabine Kartte: Die Debatte unterscheidet sich eigentlich kaum. "Mehr Frauen in F├╝hrungspositionen", das gilt durchweg. Umstritten ist, ob eine verpflichtende Quote gefordert werden soll. In einzelnen Berufsgruppen ÔÇô Mediziner, Anw├Ąlte, Unternehmensberater ÔÇô, formiert sich die Forderung nach einem h├Âheren Frauenanteil gerade.

AVIVA-Berlin: Wie ist das aktuelle Geschlechterverh├Ąltnis Ausbildung/Berufseintritt und BewerberInnen/Einstellungen auf den unterschiedlichen Hierarchiestufen in den Medien (Statistiken)?
Sabine Kartte: Bisher wissen wir: Von den etwa 360 Redaktionen der deutschen Tages- und Wochenzeitungen werden lediglich zwei Prozent von Frauen gef├╝hrt. Wie die Verh├Ąltnisse im Einzelnen aussehen, wollen wir mit Hilfe wissenschaftlicher Studien erheben, dar├╝ber gibt es noch keine validen Zahlen. Auf jeden Fall ist das Missverh├Ąltnis zwischen dem weiblichen Anteil in der F├╝hrung und beim Berufseinstieg nicht zu rechtfertigen. In den Journalistenschulen ist mehr als die H├Ąlfte der Absolventen weiblich, bei den Abschl├╝ssen der journalistischen Masterstudieng├Ąnge sind es ├╝ber 75 Prozent.

AVIVA-Berlin: Welche internationalen Erfahrungen gibt┬┤s mit der "Frauen-Quote" in den Medien?
Sabine Kartte: Als Nick Davis vom Guardian neulich im Rahmen einer gro├čen Feier den Henri-Nannen-Preis entgegen nahm, fragte er hinterher verwundert, ob es in Deutschland denn keine guten Journalistinnen gebe, er w├Ąre nur M├Ąnner, kaum Frauen begegnet. Das spricht f├╝r sich.

AVIVA-Berlin: (Abgesehen von dem Grundrecht auf Gleichstellung, das Sie mit der Initiative einfordern:) Welche besonderen Chancen und gesellschaftlichen Folgen werden f├╝r die Medienbranche mit der "Frauen-Quote" in Verbindung gebracht?
Sabine Kartte: Mit ihren m├Ąnnlichen Monokulturen werden die Medien der Vielfalt der Gesellschaft, die sie ja abbilden sollen und wollen, nicht gerecht. Der ├Âkonomische Druck ist heftig, die Printmedien sind im Umbruch, Auflagen brechen weg. Parallel etablieren sich die digitalen Medien. Offenheit und Kreativit├Ąt sind gefordert. Gemischte Teams sind offener, kreativer und effizienter als einf├Ârmige M├Ąnnerb├╝nde, sie bringen bessere Ergebnisse. Worauf warten wir also noch?

AVIVA-Berlin: Wie wird die "Flexi-Quote" aktuell f├╝r die Medienlandschaft in Deutschland diskutiert? (Wie) k├Ânnte damit den unterschiedlichen Bedingungen bei den ├Âffentlich-rechtlichen in Relation zu den privaten Medien Rechnung getragen werden?
Sabine Kartte: Aufschluss ├╝ber die unterschiedlichen Bedingungen haben wir noch nicht, es gibt kaum verl├Ąssliche Strukturdaten. Auf jeden Fall wollen wir die einzelnen Bereiche einem Gender-Check unterziehen und die Ergebnisse ver├Âffentlichen.

AVIVA-Berlin: Besteht auch in den Medien Bedarf an Empowerment weiblicher Fachkr├Ąfte? Oder haben Medienfrauen eher weniger Scheu bzw. Zweifel, sich auf F├╝hrungspositionen zu bewerben?
Sabine Kartte: Es besteht sicher Bedarf. Viele begabte Journalistinnen sind zur├╝ckhaltend, auch weil weibliche Rollenvorbilder fehlen. Auch mangelt es in vielen Redaktionen an einer transparenten talentf├Ârdernden Personalpolitik. Junge Frauen f├╝hlen sich h├Ąufig alleingelassen. Auch das ist ein wichtiges Thema, dem wir uns widmen werden, etwa mit Mentoring-Programmen.

AVIVA-Berlin: Wie betten Sie Ihre Quoten-Forderung in andere zentrale gleichstellungspolitische Themen ein (insb. Work-Family-Balance, Kinderbetreuung, Ehegattensplitting...)? Und welchen Stellenwert messen Sie "der Quote" in diesem Rahmen bei?
Sabine Kartte: Diese Themen werden sich mit einer Quote weitgehend von selbst l├Âsen, weil sich die Kultur ver├Ąndern wird. Weibliche Chefs werden f├╝r Kinderbetreuung, Work-Family-Balance, etc. sorgen. Das Ehegattensplitting hat in einer modernen Gesellschaft eigentlich nichts mehr zu suchen. Das werden wir mit einer Quote aber nicht l├Âsen.

AVIVA-Berlin: Wie kam┬┤s zu der 30%-Forderung der Initiative "Pro Quote"? (Warum 30 und nicht 50%)?
Sabine Kartte: Das war Mehrheitsbeschluss. In manchen Redaktionen ist der Frauenanteil so gering, dass eine 50 Prozent Forderung gar nicht zu erf├╝llen w├Ąre. Au├čerdem gilt: Sind 30% erreicht, ergibt sich der Rest von allein. Uns geht es darum, diese kritische Masse zu erf├╝llen. Und wir wollen den Unternehmen eine realistische Chance geben.

AVIVA-Berlin: Inwiefern wurden - als Reaktion auf die Initiative - die Statistiken von den "Noch-Chefredakteuren und Koordinatoren der "old boys networks" gesch├Ânt"?
Sabine Kartte: F├╝hrungsposition ist ein dehnbarer Begriff, und in diesen Rechnungen ist zum Teil maximal gedehnt worden. Entscheidend ist, welchen Einfluss die Position auf das redaktionelle Geschehen hat. Wichtig ist, wer in Themenkonferenzen und Entscheidungszirkeln das Wort f├╝hrt, wer Inhalte und Optik bestimmt. Und das sind in fast allen Redaktionen immer noch fast ausschlie├člich M├Ąnner.

AVIVA-Berlin: Mit welchen Contra-Argumenten wird Ihnen - abgesehen von frisierten Statistiken - begegnet? (In der Podiumsdiskussion kam zum Beispiel die Frage nach dem Makel, eine "Quoten-Frau" zu sein, auf...)
Sabine Kartte: Die M├Ąnner w├╝rden benachteiligt, hei├čt es jetzt oft. Was ja nicht falsch ist, aber notwendig, bis die Benachteiligung der Frauen ausgeglichen ist.

AVIVA-Berlin: Worin machen Sie Altersdiskriminierung in den "gesch├Ânten" Statistiken aus? Und inwiefern sehen Sie grunds├Ątzlich ein "Generationen-Problem" in der Debatte?
Sabine Kartte: Ein grunds├Ątzliches Generationen-Problem sehen wir nicht. ProQuote ist altersm├Ą├čig gemischt. ├ältere und j├╝ngere Frauen f├╝hlen sich gleicherma├čen betroffen.

AVIVA-Berlin: Sie haben inzwischen einen Verein f├╝r die Initiative gegr├╝ndet, um Ihre Arbeit - auch finanziell - auf solide Beine zu stellen. Wen sehen Sie - neben den bereits gewonnenen MitstreiterInnen - als potenzielle Unterst├╝tzerInnen?
Sabine Kartte: Jeden, der sich kreative, hochwertige, moderne, gesellschaftlich relevante Medien w├╝nscht.


Sind Sie ebenfalls Medienschaffende? Schlie├čen Sie sich an und unterzeichnen Sie den Aufruf unter: Pro Quote ÔÇô mehr Frauen an die Spitze

Weitere Informationen finden Sie unter:

Pro Quote auf Facebook

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Pro Quote - mehr Frauen an die Spitze - Unterzeichnen f├╝r die 30-Prozent-Quote

Journalistinnenbund e.V. ver├Âffentlicht am 16. Februar 2011 Statement zur Quotendebatte

Aktion├Ąrinnen ver├Âffentlichen die Ergebnisse ihrer Studie - Erh├Âhung des Frauenanteils in F├╝hrungspositionen im europ├Ąischen Kontext

F├╝hrungsfrauen bleiben ausgebremst






Interviews Beitrag vom 14.06.2012 Ilka Fleischer 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken