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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.05.2013

Kunstausstellung Bedrich Fritta: Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt
Dikla Stern, Madeleine Jeschke

Im Rahmen des Themenjahres "Zerst├Ârte Vielfalt" zeigt das J├╝dische Museum Berlin vom 17. Mai bis 25. August 2013 die Werke des Grafikers und Karikaturisten. Bislang wurden seine Arbeiten...



... vor allem als zeithistorisches Dokument betrachtet, nun liegt das Augenmerk auf den k├╝nstlerischen Mitteln mit denen der er den Ghettoalltag deutete.

Einige Arbeiten tragen Titel wie "Blick auf die geteilte lange Stra├če", "Kaffeehaus" oder "Leben eines Prominenten", die nichts ├╝ber die d├╝stere Zeit verraten, in der sie entstanden sind. Diese Neutralit├Ąt l├Ąsst die Zeichnungen selbst noch st├Ąrker wirken. In diesen und anderen Zeichnungen stellt der K├╝nstler Szenarien aus dem realistischen Ghettoleben in Theresienstadt dar. In einer ungew├Âhnlichen Bildsprache ├╝berzeichnet Fritta das Unfassbare in eine grotesk-phantastische Wirklichkeit. Die Werke erinnern zum Teil an den deutschen Expressionismus, an Werke von George Grosz, oder an die phantastischen Bildwelten der Symbolisten um 1900. Auffallend sind auch die starken Licht-Schatten-Kontraste, die auch in der expressionistischen Filmsprache zum Einsatz kamen. Diese F├╝lle von unterschiedlichen Stilmitteln, die Bedrich Fritta in seinen Bildern verwendete, waren der Anlass f├╝r eine ├Ąsthetische Betrachtung Frittas, wie sie bis heute nur in Ans├Ątzen geschehen ist.

┬ę Foto: Dikla Stern. Bedrich Fritta, Sammelunterkunft auf dem Dachboden, Theresienstadt 1943-44. Dauerleihgabe Thomas Fritta-Haas.


Bedrich Fritta (1906 ÔÇô 1944) wurde als Fritz Taussig in B├Âhmisch Weigsdorf geboren und arbeitete nach Beendigung seiner k├╝nstlerischen Ausbildung in Paris um 1930 als technischer Zeichner, Werbegraphiker und Karikaturist.Am 4. Dezember 1941 wurde er zusammen mit seiner Frau Johanna und seinem kaum einj├Ąhrigen Sohn Tom├í┼í von Prag nach Theresienstadt deportiert. Dort leitete er das amtliche Zeichenb├╝ro der j├╝dischen Selbstverwaltung und entwarf zusammen mit zwanzig weiteren inhaftierten K├╝nstlern im Auftrag der SS Baupl├Ąne und Propagandamaterial. Damit sollte der Welt├Âffentlichkeit, vor allem aber dem Internationalen Roten Kreuz bei dessen Besichtung des Lagers im Jahr 1944 der Eindruck vermittelt werden, dass J├╝dinnen und Juden zwar isoliert, aber unter annehmbaren Bedingung lebten.

Die Sonderstellung des Zeichenstudios erm├Âglichte den Inhaftierten Zugang zu Zeichenmaterialien wie Tusche und Papier. Zwischen 1942 und 1944 entstanden dabei allein von Bedrich Fritta mehr als hundert Grafiken, heimlich und unter gro├čer Gefahr angefertigt. Im Juli 1944 wurde die K├╝nstlerInnengruppe entdeckt und zusammen mit ihren Familien in das Ghetto-Gef├Ąngnis verbracht, in dem Johanna Fritta ums Leben kam. Nach monatelangen Verh├Âren folgte im Oktober 1944 die Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz, wo auch Bedrich Fritta, v├Âllig entkr├Ąftet, kurz nach seiner Ankunft starb. Sein Freund Leo Haas ├╝berlebte, kehrte nach dem Krieg zur├╝ck und barg dessen versteckte Zeichnungen. Schlie├člich wurde "Tommy", Frittas Sohn, von Leo Haas adoptiert.

Unter den von Leo Haas geretteten Zeichnungen war auch das Bilderbuch "F├╝r Tommy zum dritten Geburtstag", welches einen Kontrast zu den d├╝steren Arbeiten Bedrich Frittas darstellt. Der K├╝nstler zeichnet hier eine bunte Welt, losgel├Âst vom Alltag in Theresienstadt: Phantasien von gemeinsamen Reisen des Vaters mit dem Sohn durch fremde exotische L├Ąnder, Postpakete mit Bonbons und Schokolade, oder die Darstellung verschiedener Berufsw├╝nsche. So sollte sich sein kleiner Sohn eine Welt auch au├čerhalb des Ghettos vorstellen k├Ânnen.

┬ę Foto: Jens Ziehe. "F├╝r Tommy zum dritten Geburtstag in Theresienstadt 22.01.1944", Bilderbuch von Bedrich Fritta f├╝r seinen Sohn. Leihgabe: Thomas Fritta-Haas


Thomas Fritta-Haas, der heute mit seiner Familie in Mannheim lebt, f├╝hlt sich diesem Buch verbunden: "Das einzige, was mir geblieben ist, was mir geh├Ârt, was man nur f├╝r mich gemacht hat, ist mein, ein Buch von meinem Vater. Dort sp├╝re ich ihn, seine Tr├Ąnen, seine Hoffnung, seine Angst"

Auch im Leben der ├╝brigen Familie nimmt das Buch einen wichtigen Platz ein. "Es schildert von Romantik und Kindertr├Ąumen, einen menschlich gebliebenen Aspekt, der uns die Gr├Â├če dieses Mannes zeigt, indem er es in der H├Âlle geschafft hat, solche Sachen f├╝r seinen Sohn zu hinterlassen. Dieses Buch hat die Verbindung zwischen der Generation des Gro├čvaters und von Vater gehalten. Vater trennt sich nie von diesem Buch, es ist immer griffbereit.", so Thomas Fritters Sohn, David Haas. ├ťber seinen Gro├čvater sagt David Haas: "Er war ein Mann, von dem wir kein Foto kennen, von dem wir kaum wissen, wie er war und wir uns letztendlich anhand dieser Zeichnungen und eines Buches ein Bild von ihm schaffen k├Ânnen. Diese Bilder zeugen von einem mutigen und sehr klaren Geist, der mit seiner Waffe, dem Kohlestift, Widerstand gegen ein ├╝bergro├čes Regime geleistet hat."

Als besondere Leihgabe kann das J├╝dische Museum Berlin dieses Bilderbuch im Original zeigen.

┬ę Foto: Dikla Stern. Thomas Fritta-Haas, Berlin 2013"


Der Familie Fritta-Haas, in deren Besitz sich heute alle Zeichnungen Bedrich Frittas befinden, war es wichtig, die Bilder in einem j├╝dischen Kontext zu zeigen, da sie nur dort den passenden Rahmen finden: "Wir sind froh, dass die Bilder zu diesem Zeitpunkt in diesem Land und in dieser Stadt gezeigt werden."

Sonderwebsite mit weiteren Informationen zu der Ausstellung Bedrich Fritta. Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt: www.jmberlin.de/fritta

Ausstellungsdauer: 17. Mai bis 25. August 2013

Eintritt: 7 Euro, erm. 3,50 Euro

Veranstaltungsort: Eric F. Ross Galerie im J├╝dischen Museum Berlin
Lindenstr. 9ÔÇô14
10969 Berlin

Weitere Informationen:

www.ghetto-theresienstadt.info

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Kultur Beitrag vom 18.05.2013 AVIVA-Redaktion 





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