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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.10.2009

Es kommt der Tag. Ab 01.10.2009 im Kino
Anna-Lena Berscheid

Eine junge Frau konfrontiert die ihr bislang unbekannte Mutter mit deren Vergangenheit ÔÇô ein intensives Meisterwerk zweier gro├čer deutscher Schauspielerinnen, Iris Berben und Katharina Sch├╝ttler.



Judith (Iris Berben) hat ein beschauliches Leben. Mit ihrem franz├Âsischen Ehemann Jean Marc (Jacques Frantz) f├╝hrt sie ein Weingut im Elsass, sie hat zwei gesunde Kinder und setzt sich aktiv gegen Atomkraft ein. Als mit ihrem Gesicht jedoch f├╝r die Aktionen ihrer Anti-Atomkraft-Gruppe geworben werden soll, wird Judith nerv├Âs.

Zur gleichen Zeit auf einer Autobahn in Deutschland: Alice (Katharina Sch├╝ttler) hat ihren Freund an einer Rastst├Ątte zur├╝ckgelassen und steuert wild entschlossen die deutsch-franz├Âsische Grenze an. Sie ist auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, denn als Kind wurde sie von ihrer Mutter Jutta zur Adoption frei gegeben. Nun sucht Alice die Konfrontation mit der Person, die ihr vollkommen fremd ist und von der sie doch genug wei├č, um deren Leben zu zerst├Âren.

In der Nacht erreicht Alice ihr Ziel: Das Weingut von Judith und Jean Marc. Nach einem absichtlich verursachten Unfall bezieht sie unter falschem Namen eines der Ferienzimmer des Paares. W├Ąhrend Jean Marc ihr arglos seine Hilfe anbietet, wird Judith schnell misstrauisch. Sie recherchiert und findet heraus, dass Alice ihre Identit├Ąt gef├Ąlscht hat. Im Gep├Ąck ihres Gastes findet sie schlie├člich alte Fahndungsplakate und erkennt, dass mit dem unverhofften Besuch auch ihre Vergangenheit auf dem Gut angekommen ist: Denn Judith ist eigentlich Jutta Beermann, eine ehemalige RAF Terroristin, die Ende der 1970er Jahre ihre kleine Tochter Alice fort gab, um in den Untergrund zu gehen. Als Beteiligte an einem Bank├╝berfall wurde sie polizeilich gesucht und tauchte schlie├člich in Frankreich ab, wo sie sich als Erntehelferin durchschlug. Von ihrer wahren Identit├Ąt wei├č in ihrer Familie niemand, nicht einmal Jean Marc ahnt von der dunklen Vergangenheit seiner Frau.

Alice ist ins Elsass gekommen, um ihre Mutter mit der Vergangenheit und mit ihrem eigenen traurigen Leben als entwurzeltes Kind zu konfrontieren. Sie m├Âchte Rache an Judith/Jutta nehmen, die sich ein L├╝gengeb├Ąude errichtete, um in Gl├╝ck und Wohlstand leben zu k├Ânnen und niemals f├╝r ihre Taten zur Rechenschaft gezogen wurde. Alice┬┤ Besuch schl├Ągt ein wie eine Bombe. Die verlassene Tochter verlangt, dass Judith/Jutta sich der Polizei stellt. Doch dieser Schritt w├╝rde f├╝r die Ex-Terroristin den Verlust ihrer Familie und ihres bisherigen Lebens bedeuten.

Zu den Hauptdarstellerinnen:
Seit rund vierzig Jahren begeistert die Schauspielerin und Produzentin Iris Berben in TV- und Kino-Rollen. Mit Kurzfilmen in der Hamburger Kunsthochschule begann Ende der 1960er Jahre ihre Filmkarriere. Die 1970er und 1980er Jahre bescherten ihr den endg├╝ltigen Durchbruch, vorrangig mit Fernsehproduktionen. Unvergessen ist sie als Diether Krebs┬┤ Partnerin in der Comedy Reihe Sketchup (1984-1986). Ihre erfolgreichsten Kinofilme sind u.a. die Kom├Âdie "Frau Rettich, die Czerni und ich" (1998) und Doris D├Ârries "Bin ich sch├Ân?" 1998). Zu ihren j├╝ngsten Kinohits z├Ąhlt Heinrich Breloers spektakul├Ąre Thomas-Mann Verfilmung "Buddenbrooks" (2008).

1997 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. 2002 zeichnete sie der Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis aus. Damit w├╝rdigte man Berbens gro├čes Engagement gegen Ausl├Ąnderfeindlichkeit und f├╝r j├╝dische Gemeinden. Berben, die sich Israel sehr verbunden f├╝hlt, berichtete 2004 in der zweiteiligen TV-Doku "Iris Berben: Und jetzt, Israel?" vom dortigen Alltag.

Lesen Sie auch unser Interview mit Iris Berben anl├Ąsslich des Filmstarts von "Es kommt der Tag".

Die 29j├Ąhrige Katharina Sch├╝ttler z├Ąhlt zu den Nachwuchsstars des deutschen Films, seit sie in Michael Hofmanns radikalem und mitrei├čendem Drama "Sophiiie!" (2002) ihre erste Kinohauptrolle spielte. Daf├╝r erhielt sie den "F├Ârderpreis Deutscher Film". Die geb├╝rtige K├Âlnerin absolvierte ab 1999 eine Schauspielausbildung an der Hochschule f├╝r Musik und Theater und Hannover. W├Ąhrend dieser Zeit spielte sie bereits in "Die innere Sicherheit" (2000) und "Das wei├če Rauschen" (2001). Neben ihrer Film- und Fernseharbeit feiert Katharina Sch├╝ttler auch auf der Theaterb├╝hne Erfolge, etwa als Vladimir Nabokovs "Lolita" (2002) oder Henrik Ibsens "Hedda Gabler". 2006 wurde sie mit dem Deutschen Theaterpreis als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet.
Zuletzt begeisterte sie als Tosia im TV-Film "Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben" (2009).

Zur Regisseurin: Susanne Schneider wurde in Stuttgart geboren und studierte an der dortigen Kunstakademie sowie an der Akademie der Bildenden K├╝nste in D├╝sseldorf. Anschlie├čend arbeitete sie als Regie-Assistentin und freie Regisseurin an verschiedenen Theatern. Zudem besuchte sie die Drehbuchwerkstatt der Hochschule f├╝r Film und Fernsehen im M├╝nchen.
Mit ihrem Drama "In einer Nacht wie dieser" gab Susanne Schneider 2003 ihr Deb├╝t als Filmregisseurin. Davor war sie bereits eine erfolgreiche Theater- und Drehbuchautorin. Bereits f├╝r ihr erstes Buch "Fremde, Liebe Fremde" erhielt sie 1992 den renommierten Grimme-Preis sowie den Bayerischen Fernsehpreis.
"Es kommt der Tag" ist Susanne Schneiders Kinodeb├╝t als Regisseurin. Ihr Skript erhielt auf der Berlinale 2008 den Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis.

AVIVA-Tipp: "Es kommt der Tag" ist neben "Schattenwelt" eine weitere Produktion, die sich mit der Vergangenheitsbew├Ąltigung von RAF-Terroristen, deren Opfern und Angeh├Ârigen besch├Ąftigt. Susanne Schneider gelingt es dabei, trotz der fiktiven Geschichte eine authentische Atmosph├Ąre zu schaffen, deren Ereignisse und Charaktere man nicht hinterfragt. Auch die deutsch-franz├Âsische Ko-Produktion scheint stimmig, das Ensemble ist spielfreudig und fabelhaft besetzt. Dabei wird der Film von seinen hervorragenden Hauptdarstellerinnen getragen. Katharina Sch├╝ttler ist die Rolle der allein gelassenen und Rache suchenden Tochter auf den Leib geschrieben. Ihre Wut wirkt nat├╝rlich und die Verzweiflung zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Iris Berben ist ihr dabei eine ebenb├╝rtige Gegenspielerin, die Zerrissenheit zwischen ihren Identit├Ąten Judith und Jutta und die Angst vor dem Verlust ihrer Familie stellt sie eindrucksvoll und ├╝berzeugend dar. Mit "Es kommt der Tag" hat Susanne Schneider eines der besten Schauspiel-Duelle der letzten Zeit abgeliefert.

Lesen Sie auch unser Interview mit Iris Berben anl├Ąsslich des Films "Es kommt der Tag".

Es kommt der Tag
Eine Produktion von W├╝ste Film Ost im Verleih von Zorro Film
Deutschland/Frankreich, 2009
Regie & Drehbuch: Susanne Schneider
DarstellerInnen: Iris Berben, Katharina Sch├╝ttler, Jacques Frantz, Sebastian Urzendowsky u.a.
Laufzeit: 104 Minuten
Start: 01.10.2009



Kultur Beitrag vom 06.10.2009 AVIVA-Redaktion 





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