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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.12.2010

Ehemalige M├Ądchenschule in der Auguststra├če hat Investor gefunden - Umbau zum kulturellen Treffpunkt f├╝r 2012 geplant
AVIVA-Redaktion

Die J├╝dische Gemeinde zu Berlin hat am 17. Dezember 2010 mit der Michael Fuchs Verwaltungs GmbH einen Mietvertrag ├╝ber die ehemalige M├Ądchenschule in der Auguststra├če 11-13 in Berlin-Mitte...



...abgeschlossen. Michael Fuchs, der gesch├Ąftsf├╝hrende Gesellschafter der Berliner Galerie Haas & Fuchs plant, mehrere Galerien und K├╝nstlerInnenateliers verteilt ├╝ber die vier Geschosse des Geb├Ąudes anzulegen. Im Erdgeschoss will er R├Ąume f├╝r einen Buchladen, im ersten Stock f├╝r ein Restaurant herrichten.

Der Architekt Alexander Beer konzipierte das Geb├Ąude 1930 f├╝r 300 Sch├╝lerinnen mit 14 Klassenr├Ąumen. Beer, der auch das Waisenhaus der J├╝dischen Gemeinde in Pankow baute, die Synagoge am Fraenkelufer und noch weitere, heute nicht mehr erhaltene Synagogen, starb 1944 im KZ Theresienstadt. 1942 wurde die M├Ądchenschule von den Nationalsozialisten geschlossen, das Geb├Ąude wurde danach als Krankenhaus genutzt. Nach Kriegsende war es ein Gymnasium. Seit 1950 war die Polytechnische Oberschule "Bertolt Brecht" in dem Geb├Ąude untergebracht. 1996 wurde sie aufgrund von Sch├╝lerInnenmangel geschlossen. Seitdem stand das Geb├Ąude leer und wurde hin und wieder kurzfristig als Ausstellungsfl├Ąche genutzt.

Seit der R├╝ck├╝bertragung der M├Ądchenschule durch die Jewish Claims Conference (JCC) am 1. Oktober 2009 verf├╝gt die J├╝dische Gemeinde zu Berlin ├╝ber das Ensemble von Geb├Ąuden und Grundst├╝cken der Auguststra├če 11-17, zu dem auch die ehemalige M├Ądchenschule geh├Ârt. Das Areal umfasst auch das ehemalige Siechenhaus und das fr├╝here J├╝dische Krankenhaus. Diese Geb├Ąude waren bereits in den 1990er Jahren ├╝bertragen worden. Das Krankenhaus bot von 1861 bis 1914 seine medizinischen Dienste an. Es sah sich dem Gedanken der "Zdakah", der "Barmherzigkeit und Gerechtigkeit" verpflichtet. Das Krankenhaus in der Auguststra├če besa├č von Anfang an einen hervorragenden medizinischen Ruf. Die Behandlungsm├Âglichkeiten, Ausstattung und sanit├Ąren Einrichtungen galten als vorbildlich.

1914 zog das J├╝dische Krankenhaus nach Wedding um. Bis 1919 diente das Geb├Ąude als Vereinslazarett der Heeresverwaltung. Von 1925 bis 1943 wurde es als j├╝disches Kinderheim genutzt und erhielt den Namen "Ahawa" (dt.: Liebe). Die israelische Regisseurin Ayelet Bargur hat 2007 einen Dokumentarfilm ├╝ber das Kinderheim gedreht. Der Film war eine Koproduktion des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und des Israelischen Fernsehens. "Das Haus in der Auguststra├če" wurde auf dem Haifa International Film Festival mit dem zweiten Preis in der Kategorie Dokumentarfilm ausgezeichnet und erhielt auch den "Prix Circom regional", der jedes Jahr an die besten regionalen Fernsehprogramme verliehen wird. Seit den 1990er Jahren besch├Ąftigt sich auch die Publizistin und Historikerin Regina Scheer mit der Geschichte des Kinderheims, im Aufbau-Verlag erschien ihre Publikation "AHAWAH Das vergessene Haus".

Die Verhandlungen f├╝r die Nutzung des Ahawa und des ehemaligen Siechenhauses dauern weiterhin an. Die Kantorin Avitall Gerstetter ist eine der InteressentInnen. Sie m├Âchte die Initiative "Ahawah - die Mehrreligionen-Akademie" auf dem Gel├Ąnde der Auguststra├če 11-16 in Berlin-Mitte verwirklichen. Zu diesem Zweck ist sie 2009 eine Kooperation mit der Porzellan-Manufaktur Meissen eingegangen. Zu seinem 300. Jubil├Ąum Jahr pr├Ąsentiert das Traditionshaus erstmals eine j├╝dische Porzellan- und Glaskollektion. Mit Meissens Hilfe will die Kantorin den Umbau des Kinderheims finanzieren.

Die M├Ądchenschule hingegen soll bereits bis 2012 zu einem kulturellen Treffpunkt in Berlin-Mitte werden. Mit Michael Fuchs hat das Projekt einen erfahrenen Leiter gefunden. Er arbeitete bereits in Londoner und Pariser Galerien wie Christie┬┤s und Sotheby┬┤s und war Direktor der Aberbach Fine Art in New York. Mit der Sanierung und dem Innenausbau wurde das ArchitektInnenpaar Almut Ernst und Armand Gr├╝ntuch beauftragt. Der aus Lettland stammende Gr├╝ntuch war bereits im B├╝ro von Sir Norman Foster in London t├Ątig und ist auch Lehrbeauftragter an der Hochschule der K├╝nste. Der Mietvertrag der Michael Fuchs Verwaltungs GmbH beginnt am 1. Januar 2011, die Mietdauer betr├Ągt zwanzig Jahre mit der Option auf weitere zehn Jahre. Die geplante Investitionssumme betr├Ągt vier Millionen Euro, als Bauzeit wird ein Jahr veranschlagt.

Mit der Vermietung an Michael Fuchs hat sich die J├╝dische Gemeinde gegen das Konzept von "C/O Berlin" entschieden. Die Galerie sucht seit der K├╝ndigung ihres bisherigen Standortes im Postfuhramt im Sommer 2010 intensiv nach Alternativen. Um sein Kulturprogramm ├╝ber den 31. M├Ąrz 2011 hinaus weiter anbieten zu k├Ânnen, diskutiert C/O Berlin derzeit mit dem neuen Eigent├╝mer des Postfuhramts die M├Âglichkeit einer Verl├Ąngerung der Zwischennutzung an diesem Standort. Zudem hofft C/O Berlin auf eine Fortsetzung der Gespr├Ąche mit dem Senat und Bezirk, um die Zukunft des Ausstellungshauses in Berlin-Mitte zu sichern.

Auch in der Gemeinde wurde der Vertragsabschluss nicht von allen positiv aufgenommen. Der Repr├Ąsentant Gideon Joffe ├╝bte Kritik an der Vermietung. Das Geb├Ąude sei ein "Herzst├╝ck der Gemeinde" und "unm├Âglich" zu vermieten. F├╝r die Vorsitzende der J├╝dischen Gemeinde, Lala S├╝sskind ist es dagegen das "sch├Ânste Chanukka- und Weihnachtsgeschenk". In der Berliner Morgenpost vom 17. Dezember wird sie wie folgt zitiert: "Das Gro├čartige daran ist, dass die Gegend belebt wird. Ich hoffe, dass sich die Leute in dieses Areal verlieben werden."

Weitere Infos finden Sie unter: J├╝dische Gemeinde zu Berlin und "Die J├╝dische Allgemeine"

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Auszeichnung f├╝r den Dokumentarfilm ├╝ber das Kinderheim in der Auguststra├če von Ayelet Bargur

"AHAWAH. Das vergessene Haus"

"Interview mit Avitall Gerstetter"

"Das j├╝dische Berlin - Teil 1"

"J├╝disches Berlin - Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik"



(Quellen: AVIVA-Berlin, J├╝dische Gemeinde zu Berlin, J├╝dische Allgemeine, Berliner Morgenpost)

Kultur Beitrag vom 27.12.2010 AVIVA-Redaktion 





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