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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.06.2011

Ruth Winkelmann - Pl├Âtzlich hie├č ich Sara
Marie-Luise Wache

Die Erinnerungen einer j├╝dischen Berlinerin von 1933 bis 1945 entstanden in Zusammenarbeit mit der Leiterin der "Erinnerungswerkstatt Reinickendorf", Claudia Johanna Bauer. Dieser bewegende,...



... exemplarische Bericht beschreibt das ├ťberleben w├Ąhrend des NS-Regimes und stellt ein Einzelschicksal in den Mittelpunkt, das f├╝r die vielen spricht, die einst zum Schweigen gebracht worden sind.


In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule bietet das Heimatmuseum Reinickendorf ein Gespr├Ąchsforum f├╝r ZeitzeugInnen ÔÇô die "Erinnerungswerkstatt Reinickendorf". Durch dieses Forum entstand der Kontakt und die Idee, die Lebensgeschichte einer der wenigen heute noch lebenden ZeitzeugInnen in einem Erz├Ąhlband zu ver├Âffentlichen.

Grundlage f├╝r diesen Band waren private und intensive Gespr├Ąche zwischen der Autorin Claudia Johanna Bauer und der J├╝din Ruth Winkelmann. Das Protokoll dieser Begegnungen wird in 15 Episoden verarbeitet. Den Kapiteln stehen kurze Ausz├╝ge aus den Gespr├Ąchen in kursiver Schrift voran, au├čerdem unterstreichen Fotos und pers├Ânliche Dokumente aus der Zeit der NS-Herrschaft die Texte.

Im Jahr 1928 wird Ruth Winkelmann als Tochter eines j├╝dischen Vaters, Hermann Jacks, und einer christlichen Mutter, Elly Jacks, in Berlin geboren. Aus Liebe zu Hermann Jacks und um die Bedenken der Schwiegereltern an einer Verbindung zwischen zwei Verschiedengl├Ąubigen zu zertreuen, konvertiert Ruths Mutter Elly noch vor der Hochzeit zum j├╝dischen Glauben. Da sie aber "arischer" Abstammung ist und ihre Kinder durch die Heirat mit Hermann Jacks sogenannte "Geltungsjuden" geworden sind, beginnt weniger f├╝r sie als f├╝r ihre beiden T├Âchter ein Kampf ums ├ťberleben w├Ąhrend des NS-Regimes.

In Ruth Winkelmanns Erinnerung findet die erste Konfrontation mit "Braunhemden" im Jahr 1934 bei einem der j├Ąhrlichen Ostsee-Sommerurlaube der Familie statt. Als Sechsj├Ąhrige sp├╝rt Ruth eine Anspannung und Angst seitens ihres Vaters und der Familie, die ihr bisher fremd gewesen ist. Ein Jahr sp├Ąter wird sie an der "Privaten M├Ądchen-Volksschule der J├╝dischen Gemeinde" in Berlin Mitte eingeschult. Dieses ist der Ort, an dem sie die ersten ├ťbergriffe der Berliner Nationalsozialisten auf j├╝dische B├╝rgerInnen miterlebt.

Es ist der Morgen nach der Pogromnacht im November 1938. Alle Ausg├Ąnge der Schule werden durch Feuerbarrikaden versperrt und nur durch die Besonnenheit des Direktors und der Lehrerinnen gelingt es allen, ├╝ber die Dachb├Âden der umliegenden H├Ąuser zu entkommen. Bereits am n├Ąchsten Morgen erscheinen weniger Sch├╝lerinnen in den Klassenr├Ąumen.

Zwei Monate sp├Ąter wird eine Verordnung eingef├╝hrt, die J├╝dinnen und Juden verpflichtet, sich mit den Beinamen "Sara" und "Israel" zu kennzeichnen. Von diesem Zeitpunkt an muss sich die Elfj├Ąhrige als Ruth Sara Jacks ausweisen.

1942, als Ruth die sechste Klasse besucht, wird die M├Ądchenschule der J├╝dischen Gemeinde geschlossen und alle Sch├╝lerinnen mit einem Abschlusszeugnis verabschiedet. Fortan war es j├╝dischen Kindern verboten, eine Schule zu besuchen.

Mit knapp vierzehn Jahren wird das M├Ądchen von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit in der Uniformfabrik Michalski verpflichtet. Die N├╝rnberger Gesetze und Verordnungen, die nach und nach durchgesetzt werden, machen das Leben in Berlin unertr├Ąglich und gef├Ąhrlich f├╝r die Kinder und Erwachsenen. Wenige Zeit, nachdem die Eltern Jacks sich zum Schutz der Kinder haben scheiden lassen und Elly mit ihren T├Âchtern in eine kleinere Wohnung in die Pappelallee zieht, werden alle drei zum Sammellager in der Gro├čen Hamburger Stra├če gef├╝hrt. Nur durch einen gl├╝cklichen Zufall k├Ânnen die Kinder Ruth und Esther der Deportation entkommen. Um das Schicksal nicht noch einmal herauszufordern, versteckt sich Elly Jacks mit ihren Kindern in einer Schrebergartenkolonie. F├╝r die Mutter und Kinder beginnt ein risikoreiches Leben der Halblegalit├Ąt, bis der Krieg und somit der Terror der Nationalsozialisten endet.

Mehrmals kann Ruth Winkelmann einem Abtransport in ein Vernichtungslager entkommen. Manchmal hilft ihr das Gl├╝ck, oft aber sind es die Begegnungen und die Hilfe j├╝discher und nicht-j├╝discher BerlinerInnen, die sie vor einer Deportation bewahren.

F├╝r die Verarbeitung der Erinnerungen und Erlebnisse hat die ├ťberlebende Jahrzehnte gebraucht, den Mut, dar├╝ber sprechen zu k├Ânnen, hat sie erst vor einigen Jahren gefunden. Heute sieht es Ruth Winkelmann als gro├če Aufgabe an, aufzukl├Ąren, um zu verhindern, dass die folgenden Generationen in Unwissenheit aufwachsen und sich die Geschichte wiederholt.
Claudia Johanna Bauer ist es gelungen die Gespr├Ąche authentisch und in einem kindlichen aber sehr reflektierten Erz├Ąhlstil, der auch jugendliche LeserInnen ansprechen soll, zusammenzufassen.

AVIVA-Tipp: "Pl├Âtzlich hie├č ich Sara" bringt der Leserin die Gef├╝hle und Eindr├╝cke der Grausamkeit und des Todes aber auch der Hoffnung und des ├ťberlebenswillens w├Ąhrend der Shoa eindr├╝cklich n├Ąher.

Zur Autorin: Claudia Johanna Bauer wurde 1965 geboren und ver├Âffentlichte bereits mit 17 ihren ersten Roman. Seit 2000 lebt sie in Berlin, wo sie als Dozentin f├╝r literarisches Schreiben t├Ątig ist. Als freie Autorin befasst sie sich schwerpunktm├Ą├čig mit der Verarbeitung geschichtlicher Themen im Bereich der "Oral History". Claudia Johanna Bauer leitet die Erinnerungswerkstatt und f├╝hrt ZeitzeugInnengespr├Ąche.

Ruth Winkelmann
Pl├Âtzlich hie├č ich Sara

Erinnerungen einer j├╝dischen Berlinerin 1933 ÔÇô 1945
Aufgeschrieben und zusammengestellt von Claudia Johanna Bauer
Broschur, 144 Seiten, 32 Abbildungen
Jaron Verlag, erschienen M├Ąrz 2011
ISBN: 978-3-89773-664-1
8 Euro

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J├╝dische Berliner - Leben nach der Schoa

...und das Herz wird mir schwer dabei - herausgegeben von Gertrud Ranner, Axel Halling u.a.

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Margot Friedlander, Malin Schwerdtfeger "Versuche, dein Leben zu machen" .Als J├╝din versteckt in Berlin


Literatur Beitrag vom 08.06.2011 AVIVA-Redaktion 





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