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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 22.06.2018


Spätfrühling 2018 bringt Weichenstellungen im deutschen Frauenfußball
Sylvia Rochow

Der VfL Wolfsburg verteidigt Meisterinnenschaft und Pokal vor Bayern München, unterliegt jedoch im Champions League-Finale gegen Olympique Lyon. Martina Voss-Tecklenburg wird Bundestrainerin. Assistentin von Voss-Tecklenburg wird die ehemalige Nationalspielerin und Europameisterin Britta Carlson, seit 2008 Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg.




Die Frauen des VfL Wolfsburg haben ihre Vormachtstellung im deutschen Fußball einmal mehr unter Beweis gestellt und sich das Double der Saison 2017/2018 gesichert. Nach 2014 (Meisterinnenschaft und Champions League), 2017 (Meisterinnenschaft und DFB-Pokal) sowie dem Triple 2013 ist die doppelte Titelverteidigung bereits der vierte Mehrfach-Triumph des Teams aus Niederachsen. Die dänische Nationalspielerin und Vize-Europameisterin Pernille Harder sicherte sich zudem mit 17 Treffern die Bundesliga-Torjägerinnenkrone.

Wolfsburg konnte die insgesamt fünfte Meisterinnenschaft bereits am drittletzten Spieltag mit einem 2:0-Heimsieg gegen die SGS Essen perfekt machen. Vize-Meisterin wurde erneut der FC Bayern München, der sich damit auch wieder für die Champions League qualifizierte. Turbine Potsdam belegte hinter dem SC Freiburg den 4. Platz.
Aus der Bundesliga absteigen müssen nach nur einem Jahr Erstklassigkeit der 1. FC Köln sowie erstmals nach 10 Spielzeiten der FF USV Jena. Der SV Werder Bremen von Trainerin Carmen Roth konnte als Aufsteigerin den Klassenerhalt feiern. In der kommenden Saison sind Borussia Mönchengladbach und Bayer 04 Leverkusen wieder erstklassig. Die bisher in eine Nord- und eine Südstaffel unterteilte 2. Frauen-Bundesliga wird in der nächsten Spielzeit erstmals eingleisig mit 14 Teams ausgetragen.

Im Finale des DFB-Pokals kam es Mitte Mai 2018 dann in Köln zum Aufeinandertreffen der beiden deutschen Spitzenteams. Vor knapp 18.000 ZuschauerInnen rang Wolfsburg die Konkurrentinnen aus Bayern erst in einem dramatischen Elfmeterschießen (insgesamt fünf Schützinnen trafen nicht) nieder. Nach der regulären Spielzeit und Verlängerung hatte es in einem spannenden Endspiel noch 0:0 gestanden, bevor die Norwegerin Caroline Graham Hansen mit ihrem umjubelten Treffer zum 3:2-Endstand für die Entscheidung sorgte.

Nur fünf Tage später stand für die Wolfsburgerinnen in Kiew das Champions League-Finale gegen Titelverteidigerin Olympique Lyon an. Die Französinnen dominierten von Anfang an die Partie, ein nach Ansicht der TV-Bilder reguläres Tor wurde ihnen Mitte der zweiten Halbzeit jedoch nicht anerkannt, da der Ball die Torlinie nach Ansicht der erfahrenen Schiedsrichterin Jana Adámková (Tschechien) nicht in vollem Umfang überquert hatte. Videobeweis- oder Torlinientechnik kamen im Frauen-Finale nicht zum Einsatz.

Vor ca. 14.000 ZuschauerInnen stand es nach 90 Minuten demnach 0:0. Zu Beginn der Verlängerung gelang dann dem VfL Wolfsburg etwas überraschend die Führung. Harder traf in der 93. Minute zum 1:0. Nur drei Minuten später sah ihre im defensiven Mittelfeld sehr stark spielende Teamkollegin Alexandra Popp die gelb-rote Karte. Bei Lyon wurde unmittelbar im Anschluss die niederländische Europameisterin Shanice van de Sanden für Saki Kumagai (Japan) eingewechselt. Zu zehnt musste Wolfsburg nun um so mehr den Belastungen der vergangenen Wochen Tribut zollen, van de Sanden setzte sich in hohem Tempo ein ums andere Mal über die Flügel durch. Folgerichtig kam Amandine Henry in der 98. Minute zum Ausgleich, bevor Eugénie Le Sommer (99. und 116. Minute) sowie Ada Hegerberg (103. Minute) das Spiel endgültig drehten und für den verdienten Erfolg ihres Teams sorgten.
Für Olympique Lyon war es der dritte Champions League-Titel in Folge und der fünfte insgesamt. Das Star-Ensemble um Kapitänin Wendie Renard ist zudem seit der Saison 2006/2007 ununterbrochen französische Meisterin und gewann auch schon siebenmal den Coupe de France féminine.

Ein neues Kapitel wird ab Herbst 2018 beim deutschen Nationalteam aufgeschlagen. Martina Voss-Tecklenburg, zur Zeit noch Coach der Schweiz, übernimmt nach Ende der Qualifikation für die WM 2019 die Bundestrainerinnen-Position. Der DFB engagiert mit ihr eine hochqualifizierte Persönlichkeit, die bekannt dafür ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und auch unbequeme Meinungen zu äußern. Dies darf nach den stets im Dunstkreis des Verbandes sozialisierten sowie protegierten Verantwortlichen von Tina Theune über Silvia Neid und Doris Fitschen bis zu Steffi Jones durchaus als bemerkenswerter Neuanfang gewertet werden.

Im März 2018 hatte sich der DFB von Jones getrennt, in deren Amtszeit die für das deutsche Nationalteam enttäuschend verlaufene EM 2017 und weitere schwache Auftritte beim SheBelieves-Cup 2018 lagen. Interimsweise übernahm Trainer-Urgestein Horst Hrubesch, der seit 2000 innerhalb des Verbands für zahlreiche Männer-Nachwuchsteams verantwortlich zeichnete.

Während ihrer aktiven Karriere absolvierte Voss-Tecklenburg seit 1984 125 Länderspiele und gewann vier EM-Titel (1989, 1991, 1995 und 1997). Im Sommer 2000 kam es zu einem Eklat, der für die gebürtige Duisburgerin zum sofortigen Ende im DFB-Trikot führte. Nach Querelen mit ihrer damaligen Lebensgefährtin und Teamkollegin Inka Grings flog Voss, bis dahin immerhin Kapitänin der DFB-Elf, fünf Monate vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Sydney aus dem Kader. Unter einem Vorwand war die damals 32-Jährige vor einem Länderspiel zwischenzeitlich aus dem Teamquartier abgereist, offenbarte der damaligen Bundestrainerin Theune jedoch noch am gleichen Abend die wahren Hintergründe. Statt einem klärenden Gespräch, das Voss anschließend auch mit anderen DFB-Verantwortlichen erfolglos suchte, folgte eine Woche später telefonisch der endgütige Rauswurf.
Nach einer Tätigkeit als Verbandssportlehrerin beim Fußballverband Niederrhein war 2008 der FCR 01 Duisburg Voss-Tecklenburgs erste Trainerinnen-Station in der Frauen-Bundesliga. Sie führte ihr Team zu zwei DFB-Pokalsiegen (2009 und 2010) und triumphierte 2009 zudem im UEFA-Cup. Mitte Februar 2011 wurde Voss-Tecklenburg dann völlig überraschend beurlaubt. Im Anschluss an eine Zwischenstation beim FF USV Jena übernahm die Duisburgerin 2012 das Nationalteam der Schweiz und führte die Eidgenossinnen erstmals 2015 zu einer WM und 2017 zu einer EM.
Assistentin von Voss-Tecklenburg wird die ehemalige Nationalspielerin und Europameisterin Britta Carlson, seit 2008 Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg.

Weitere Infos unter:

www.vfl-wolfsburg.de

www.fcbayern.com

www.dfb.de

www.football.ch

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Mitte Februar 2011 wurde die Trainerin der Frauenfußball-Spitzenmannschaft FCR 2001 Duisburg völlig überraschend beurlaubt. AVIVA-Berlin hat ihr per E-Mail einige Fragen zu den Ursachen, den Folgen für den Frauenfußball in Deutschland im WM-Jahr 2011 sowie zu den hohen Belastungen der Nationalspielerinnen gestellt. (2011)

Copyright Text und Foto: Sylvia Rochow



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Beitrag vom 22.06.2018

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