Zur Erinnerung an Hilde Radusch. F├╝hrung am 2. August 2012 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Women + Work
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Weiberwirtschaft Gr├╝nderinnenzentrale Frauensommer 2018 - Mythos 68
AVIVA-Berlin > Women + Work AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Infos
   WorldWideWomen
   Wettbewerbe
   Lokale Geschichte_n
   Schalom Aleikum
   Veranstaltungen in Berlin
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.06.2012

Zur Erinnerung an Hilde Radusch. F├╝hrung am 2. August 2012
Dana Strohscheer

"Nicht Opfer, sondern immer K├Ąmpferin" - diese Gedichtzeilen der Berlinerin waren auch ihr Lebensmotto. Um auf den Lebensweg dieser unangepassten und selbstbewussten Frau aufmerksam zu machen...



... setzt sich das Netzwerk zur Frauengeschichte vor Ort, Miss Marples Schwestern, seit f├╝nf Jahren f├╝r einen eigenen Erinnerungsort f├╝r die 1994 verstorbene Aktivistin, Autorin und Feministin ein.

Was urspr├╝nglich mit der Idee eines Stolpersteins begann, m├╝ndet nun in drei Gedenktafeln, die durch Spenden von privaten Unterst├╝tzerInnen und Zusch├╝sse der Bezirksverordnetenversammlung Berlin Sch├Âneberg realisiert wurden. Da die Pflege der Tafeln auch nach der Einweihung Geld kosten wird, sind finanzielle Zuwendungen an die Initiatorinnen weiterhin willkommen.

Politisch aktiv und offen frauenliebend in der Weimarer Republik

Hilde Radusch, geboren am 06. November 1903 in der N├Ąhe Szczecins und aufgewachsen in Weimar, ist fr├╝h eigenst├Ąndig und willensstark. Im Alter von achtzehn Jahren entzieht sie sich einer standesgem├Ą├čen Ehe, indem sie allein nach Berlin geht und am Pestalozzi-Fr├Âbel-Haus eine Ausbildung zur Hortnerin beginnt. In der neuen Stadt kommt die junge Frau schnell in Kontakt mit der kommunistischen ArbeiterInnenbewegung. Sie wird Mitglied der KPD. Zusammen mit anderen Frauen initiiert Radusch 1925 den Roten Frauen- und M├Ądchenbund. Ab 1923 arbeitet sie als Telefonistin bei der Post. Dort lernt sie ihre erste Freundin Maria kennen und zieht mit ihr zusammen. Nebenher ist sie politisch aktiv, schreibt Artikel f├╝r die Frauenwacht und spricht auf Veranstaltungen.

Die junge Frau wird von ihren Kolleginnen zur Betriebsr├Ątin gew├Ąhlt. Im Alter von 26 Jahren nominiert die KPD sie f├╝r die Berliner Stadtverordnetenversammlung, der sie von 1929 bis 1932 angeh├Ârt. Auf Grund ihrer offen gelebten lesbischen Beziehung wird sie anschlie├čend nicht wieder aufgestellt. Bereits 1930 entlie├č die Post sie wegen ihrer kommunistischen Aktivit├Ąten.

Verhaftung und pers├Ânliche Konsequenzen

Mit den Wahlerfolgen der Nationalsozialisten wird es schwer f├╝r sie, politisch zu arbeiten. Als bekennende Linke muss sie 1933 mehrere Monate in "Schutzhaft" verbringen. Kurz vor ihrer Verhaftung war sie bei ihrer Freundin ausgezogen, um diese vor Verfolgung und Berufsverbot zu sch├╝tzen. Im Gespr├Ąch mit der Historikerin und Autorin Claudia Schoppmann erinnerte sich Radusch: "Aus unserer Verbindung konnte dann nichts mehr werden, denn Maria hasste pl├Âtzlich die Kommunisten" ├ťber ihre Verhaftung sagt sie: "In gewisser Weise kamen wir uns als Helden vor, weil wir durch die Haft von den Nazis als politische Gegner ┬┤anerkannt┬┤ wurden."

Illegalit├Ąt und Neuanfang

Nach ihrer Entlassung wird sie von der Gestapo weiterhin ├╝berwacht. 1939 lernt sie ihre neue Freundin Else "Eddy" Klopsch kennen. Radusch ├╝ber ihre Beziehung: "Damals waren alle so treu wie noch nie - das lesbische Leben spielte sich praktisch nur in der Partnerschaft ab." Auch die Angst vor Spitzeln und Verfolgung tragen dazu bei. 1941 er├Âffnen die beiden Frauen in der Lothringer Stra├če einen privaten Mittagstisch, ein Restaurant ohne Getr├Ąnkeausschank. Radusch darf offiziell nicht dort arbeiten. Sie k├╝mmert sich um die Lebensmittelbeschaffung. Im Kleinen leisten die Frauen Widerstand - vor das obligatorische "F├╝r Juden verboten"-Schild stellen sie im Fenster die Speisekarte. Dar├╝ber hinaus k├╝mmern sie sich um Frauen, die aus Zuchth├Ąusern zu ihnen kommen und organisieren illegale Unterschlupfm├Âglichkeiten.

Durch eine Warnung aus dem Freundinnenkreis k├Ânnen sich beide 1944 einer drohenden Verhaftung entziehen. Gemeinsam tauchen sie in Prieros unter, einem kleinen Ort bei K├Ânigswusterhausen. Vom Hunger gezeichnet erleben die beiden Frauen die Befreiung Berlins.

"Ohne euch, meine Feinde, w├Ąre ich nie gewachsen. Habt Dank."

Radusch beteiligt sich am Wiederaufbau und betreut die Hilfsstelle "Opfer des Faschismus". Durch ihre politische Vergangenheit kommt sie immer wieder in Konflikt mit der russischen Besatzungsmacht und den neuen KPD-PolitikerInnen. Sie beschlie├čt, aus der Partei auszutreten. Als Gegenreaktion wird sie von Seiten der Parteileitung im Januar 1946 aus der Partei ausgeschlossen - Grund hierf├╝r ist ihre Beziehung zu einer Frau. Zudem wird sie 1946 entlassen: "Es war wirklich das Ende aller Illusionen (...) ein St├╝ck Lebenstraum war zerbrochen" erinnert sie sich.
Es folgt ein jahrelanger Kampf um eine kleine Rente. Eddy er├Âffnet in Berlin einen Tr├Âdelladen und h├Ąlt beide Frauen ├╝ber Wasser. 1960 stirbt Raduschs Lebensgef├Ąhrtin an Krebs. Ein herber Verlust f├╝r die tapfere Frau.

Feministin und Zeitzeugin

Mit dem Erstarken der Frauenbewegung in den 1970er Jahren engagiert sich die ehemalige Aktivistin wieder. Neben Gertrude Sandmann geh├Ârt sie zu den Mitbegr├╝nderinnen von "L 74", der ersten Gruppe ├Ąlterer lesbischer Berlinerinnen. Sie tritt bei zahlreichen Veranstaltungen als Zeitzeugin auf und gilt als Mittlerin zwischen den Generationen. Zugleich verfasst sie Prosatexte und Lyrik. Ihr Res├╝me├ę: "Was die Feministinnen bringen, ist ganz einfach die Abl├Âsung, um den Staffellauf, um das Frauenrecht mit neuer Kraft zu beginnen. Und dass vieles im Argen liegt, was die Alten nicht gesehen hatten, das wurde durch die Demonstrationen (...) der Jungen offensichtlich."
Am 2. August 1994 stirbt Hilde Radusch in Berlin und wird, ebenso wie die Frauenrechtlerin und Publizistin Hedwig Dohm auf dem Matth├Ąuskirchhof in Berlin-Sch├Âneberg beigesetzt.

Um diese wichtige Berliner Biographie aus der Vergessenheit zu holen und einem breiten Publikum zug├Ąnglich zu machen und einen "anderen Blick" auf die Vergangenheit zu erreichen, soll ├Âffentlich an Hilde Radusch erinnert werden. W├Ąhrend der ├Âffentlichen Diskussion um das Denkmal f├╝r die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen bekamen die Initiatorinnen von Miss Marples Schwestern den Eindruck, dass Frauen wieder einmal aus der ├Âffentlichen Erinnerungskultur ausgeschlossen werden sollten. Nach f├╝nfj├Ąhriger ├ťberzeugungsarbeit, Intervenieren auf Bezirksebene und ├Âffentlicher Bewusstmachung dieser Problematik wurde dieser selbstst├Ąndigen Denkerin und Aktivistin ein eigener Ort gewidmet. Die Einweihung fand am Freitag, den 22. Juni 2012 um 17 Uhr gegen├╝ber ihrem letzten Wohnort, an der Kreuzung Eisenacher- Ecke Winterfeldtstra├če statt.

F├╝hrung zum Todestag von Hilde Radusch am 2. August 2012:
"Stationen eines unangepassten Lesbenlebens" Eine Spurensuche mit Miss Marples Schwestern.
Treff: 17 Uhr, U7 Eisenacher Stra├če, Ausgang: Schw├Ąbische Stra├če.
Beitrag: Spende.
Weitere Infos: Tel. 030-626 16 51

Initiatorinnen und Ansprechpartnerinnen:

Miss Marples Schwestern - Netzwerk zur Frauengeschichte vor Ort

Annette Kittel
Pfarrer-Kneipp-Steige 1, 91356 Kirchehrenbach
E-mail:miss-marples-schwestern@web.de
www.miss-marples.net

Frauentouren
Claudia v. G├ęlieu
Friederike-Nadig-Stra├če 11, 12355 Berlin
Telefon 030 - 626 16 51
E-mail: frauentouren@t-online.de
www.Frauentouren.de

Bankverbindung f├╝r Spenden
Erinnerungstafel Hilde Radusch - Ilona Scheidle
Sparkasse Rhein-Neckar-Nord, BLZ 670 505 05, Konto Nr. - 388 13 650

Weitere Informationen

www.miss-marples.net

www.lesbengeschichte.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Anna Havemann - Gertrude Sandmann. K├╝nstlerin und Frauenrechtlerin

Keine Tochter aus gutem Hause ÔÇô Johanna Elberskirchen. 1864-1943

(Quellen: Miss Marples Schwestern, Lesbengeschichte.de, Denktafeln.de)

Women + Work Beitrag vom 13.06.2012 Dana Strohscheer 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken