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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 06.07.2008


Grüner Frauenkongress in Berlin - Impulse für einen Feminismus von morgen
Christiane Krämer

Der neue Feminismus wurde in allen Tages- und Wochenzeitungen und in zahlreichen Buchpublikationen diskutiert. Die Grünen wollen die mediale Neuauflage des F-Wortes nun auch politisch nutzbar machen.




Weiter geht´s: Impulse für einen Feminismus für Morgen

Den Auftakt für den Frauenkongress vom 4. bis zum 5. Juli 2008 in Berlin gab daher ein Generationengespräch zum Austausch über die Feminismus-Frage. Einen Generationenkonflikt kann sich grüne Frauenpolitik schon wegen der konservativen Vereinnahmung feministischer Forderungen nicht leisten – sie muss stattdessen auch für Jüngere anschlussfähig werden. Mögliche Impulse wurden hierzu durch die biografischen Erfahrungen der PodiumsteilnehmerInnen im Alter von 24 – 70 Jahren und ihre individuellen Strategien hörbar!



Grüne Frauenpolitik vor dem Wahlkampf

Zur Begrüßung stellte die Fraktionsvorsitzende Renate Künast fest, dass sich heute "männliche Monokulturen" so beharrlich fortpflanzen, wie in den Anfängen der Frauenbewegung - und für Gesellschaften ebenso schädlich bleiben.
Zwar ist Frauen die rechtliche Gleichstellung zugesichert und Rollenbilder haben sich gewandelt. Der Druck für Frauen, sich heute in Berufs- und Privatleben zu verwirklichen, wird durch eine fortbestehende ungleiche Verteilung von Zeit, Arbeit und Ressourcen noch erhöht. Es wird Zeit, Gleichstellung faktisch umzusetzen und Lohngleichheit, familienfreundliche Strukturen in der Wirtschaft und mehr Frauen in Führungspositionen zu fördern. So setzt sich grüne Frauenpolitik gegen das Ehegattensplitting und die "Herdprämie" und für gesetzlich vorgegebene Quotierungen in den Aufsichtsräten ein.

Das Private ist immer noch politisch: Arbeit und Zeit geschlechtergerecht verteilen

Im Anschluss forderte die Gründerin des deutschen Journalistinnenbundes und ehemalige Vorsitzende des Frauenrates Inge von Bönninghausen, dass gerade junge Frauen die durch diskriminierende Strukturen entstehenden Schwierigkeiten nicht individualisieren sollten. Die Verwirklichung des persönlichen Liebesglücks darf nicht die politische Diskussion über Arbeits- und Zeitteilung im Haushalt verhindern – denn hier zeigen sich die gemachten Unterschiede, die nur durch politische Lösungen wie mehr Kinderbetreuung angegangen werden können.


Gläserne Decken und dünne Luft in den Chefetagen der Wirtschaft und Gewerkschaft

Anke Domscheit, Director Government Relations bei Microsoft, wies darauf hin, dass sie als vom Gleichheitsgedanken geprägte Ostdeutsche vor einigen Jahren nicht schlecht über die in der rheinländischen Wirtschaft praktizierte Aussondierung nach dem Barriereschema Kind oder Karriere
staunte. Sie lüftete das Geheimnis der gläsernen Decke, in dem sie die Diskriminierung statistisch per Rundmail offen legte und in eine andere Abteilung wechselte.

Diese Erfahrung machte die ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Ursula Engelen-Kefer bereits in den 70iger Jahren, als sie zwar fachlich anerkannt, aber von Entscheidungen in einer "Männerwirtschaft" ausgeschlossen bleiben sollte. Sie eignete sich deren Machtspiele strategisch an, musste jedoch mit doppelt harten Urteilen von Männern und vor allem Frauen rechnen.

Klischees wirken nachhaltiger als Gesetzesänderungen - auch im Feminismus

Die Journalistin und Mitherausgeberin des Buches "Wir Alphamädchen", Susanne Klinger, ergänzte diese Perspektive um die kulturelle Bedeutung von Klischees und Stereotypen für weibliche Identitäten. Zwar seien junge Frauen gerade in medialen Inszenierungen mit einseitigen Stereotypen, wie der Karrierefrau, dem sexy Mangagirl oder der mütterlichen Familienmanagerin konfrontiert. Neue Medien und Diskurse ließen sich aber ebenso gut von der jungen Generation aneignen, um sich in blogs wie maedchenmannschaft.net über alle möglichen Lebensfragen auszutauschen.
Dabei muss aber auch der Feminismus selbst von Vereinfachungen und der Reduzierung auf Alice Schwarzer absehen, damit dieser für möglichst viele "Alphamädchen" alltäglich wird.

Die jüngste Podiumsteilnehmerin und frauenpolitische Sprecherin der Grünen Jugend, Jenna Kowalski, plädierte dafür, die neue Männergeneration mit einzubeziehen, die ebenfalls an einem neuen Geschlechterverständnis und der Entdramatisierung von Unterschieden interessiert sind. Dies entspricht dem Genderansatz, nach dem der reflektierte Umgang mit Geschlecht und anderen Identitätszuschreibungen als politisches und gesellschaftliches Ziel formuliert werden kann.

Von der Vielfalt profitieren!

Die unterschiedlichen Erfahrungen und Biografien der TeilnehmerInnen dieses Generationengespräches zeigte, dass es kein einheitliches feministisches Subjekt und keine Repräsentation der Frau geben kann. Dennoch verdeutlichte die Diskussionen, dass sowohl der gegenseitige Austausch wie Respekt und politisches Engagement für verschiedenste konkrete Ziele äußerst produktiv und lohnenswert sind – und Frauen noch viel mehr voneinander profitieren können.
Zu diesem Zweck wurde die Tagung in verschiedenen Workshops zu den hier skizzierten Themen Arbeitswelt, Privatleben und Politik fortgesetzt.

Zu hoffen bleibt, dass grüne und feministische Politik ihre eigenen Forderungen ernst nimmt und politisches Engagement der jüngeren Generation auch entsprechend unterstützt und entlohnt. Nur so wird Politik glaubhaft und interessant für nachrückende gut ausgebildete Frauen.

Das Programm der Tagung und Grüne Frauenpolitik im Netz:

Grüne Frauenpolitik

Das Programm als PDF

Weiterlesen auf AVIVA Berlin:

Meredith Haaf, Susanne Klinger und Barbara Streidl - "Alphamädchen"

Jana Hensel und Elisabeth Raether - Neue Deutsche Mädchen

Charlotte Roche – Feuchtgebiete

Sonja Eismann (Hrsg.) - Hot Topic – Popfeminismus Heute

Mirja Stöcker (Hrsg.) - Das F-Wort – Feminismus ist sexy

Jessica Valenti - Full Frontal Feminism . A young woman´s guide to why feminism matters

Grethe Nestor - Die Badgirl-Feministin

Thea Dorn - Die neue F-Klasse

Alice Schwarzer – Die Antwort

Virginie Despentes - King Kong Theorie

Martina Wimmer - Der Mann. Comeback eines Auslaufmodells

Interviews:

50 Jahre Gleichberechtigung - Interview mit Katja Kullmann ("Generation Ally")

Ist Feminismus Sexy? - Mirja Stöcker im Interview

Ein zeitgemäßes Rollenverständnis - Judith Schoenen im Interview


Women + Work > Infos

Beitrag vom 06.07.2008

AVIVA-Redaktion 






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Inspiriert vom Schicksal seiner Familie erzählt Regisseur Kaweh Modiri die Geschichte der Iranerin Haleh, die 37 Jahre nach der Hinrichtung ihrer Tochter die Frau wieder trifft, die sie dafür verantwortlich macht. Paraderollen für Jasmin Tabatabai, Shabnam Tolouei und Singer-Songwriter Mohsen Namjoo, der auch die Filmmusik komponierte.
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Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

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