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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.05.2011

Von der Kunst, in Berlin zu leben - die Mai-Kolumne von Isabell Serauky
Isabell Serauky

Warum kommen eigentlich alle in diese Stadt? TouristInnen, ImmobilienmaklerInnen, Kreative, Gesch├Ąftsleute. Alle kommen und viele bleiben. Jede/r wittert die Chance, den ganz gro├čen Wurf ...



... zu landen. Der gelebte Traum ÔÇô vom Tellerw├Ąscher zum Million├Ąr ÔÇô an den Ufern der Spree. Nur, was oft so spielerisch beginnt, hat schon bald seine perfiden T├╝cken.

Berlin ist ein raues Pflaster. Das wissen selbst die, die sich noch nie den scharfen Gro├čstadtwind um die Ohren wehen lie├čen. Alles hier ist ein Kampf: Sich mit dem ├Âffentlichen Nachverkehr von A nach B durchzuschlagen, den gem├╝tlichen Restaurantbesuch nicht durch eine schnoddrige Bedienung ruinieren zu lassen, den t├Ąglichen Slalom um die Hundehaufen zu gewinnen und sich gegen├╝ber den Ureinwohnern dieser Stadt zu behaupten.
Ich bin eine und wei├č, wie sehr die Zugezogenen leiden.

Eine Freundin von mir wurde in Hamburg sozialisiert. Auch noch Jahre nach ihrer Ankunft kann sie den rauen Umgang nur mit M├╝he und Haltung ertragen. Eine Fahrt in ihre hanseatische Heimat k├Ânnte f├╝r sie dagegen jedes Mal als Kurma├čnahme bei der Krankenkasse abgerechnet werden. Alles ist gesitteterÔÇô der Ton, das Tempo und selbst das Stra├čenbild. Urbane Wellnesseinheit.

Allein schon die Begegnung mit einem Berliner Busfahrer erfordert eine buddhistische Lebenshaltung, sonst kann sie zu einem sehr intensiven Lehrst├╝ck werden. Denn der Berliner Busfahrer ist stets mit origin├Ąrem Berliner Mutterwitz ausgestattet, der nur f├╝r hartgesottene Gem├╝ter tauglich ist. Andersherum, wenn man die Begegnung mit diesem Haudegen der Stra├čenschluchten nicht scheut, kann einem im Leben eigentlich nichts mehr umhauen. Survival of the Fittest!

Und dann die alles entscheidende Frage: Wo lasse ich mich mit meinen Siebensachen eigentlich nieder? Wenn in anderen St├Ądten die Wohnungssuche nach streng logischen Gesichtspunkten erfolgt, ist es in Berlin eine ideologische Grundhaltung, die mit der Postleitzahl aufblitzt. Da hilft kein Reden um den hei├čen Brei:
Charlottenburg und Friedrichshain ÔÇô Feuer und Wasser.
Kreuzberg und Mitte ÔÇô Antagonismus der Spreekultur.
Marienfelde und Marzahn ÔÇô ein Gleichnis Ost und West, aber keiner wagt es auszusprechen.
Jedem seine Kaste und wehe dem, der hier fahnenfl├╝chtig wird!

Allein die PartnerInnenwahl kann schon an den falschen f├╝nf Ziffern scheitern!
Als ob nun die Alt- und Neu-BerlinerInnen mit alledem nicht genug geschlagen w├Ąre, kommen nun auch noch scharenweise begeisterte TouristInnen aus allen Ecken der Welt hierher und bev├Âlkern jede Wiese und jeden Platz. Denn es hat sich rumgesprochen: Berlin ist preiswert, schl├Ąft nie und ist f├╝r jeden Spa├č zu haben. Selbst die multikulti-kompatiblen KreuzbergerInnen muckten k├╝rzlich gegen den massenhaften TouristInneneinfall in ihrem Kiez auf. Schlie├člich will "der Kreuzberger" selber f├╝r Multikulti sorgen und nicht von diesem heimgesucht werden!

Jede/r regt sich auf. N├Ârgelt rum. Aber keine/r will weg. Nein, es kommen mehr und mehr. Die Stadt wird dichter und dichter.
Denn sieht man mal von den drakonischen Erziehungsversuchen der Berliner Busfahrer ab, kann hier jede/r sein Ding machen. "Der Berliner" blubbert zwar im schlimmsten Fall, das war es dann aber auch. Und das mag auch das Geheimnis Berlins sein: Raue Schale, weicher Kern. Wenn man erst einmal auf diesen gesto├čen ist, dann gibt es kein Halten mehr. Die Lebenslust entlang der Spree nimmt ihren Lauf.


Die Autorin Isabell Serauky ist Rechtsanw├Ąltin und arbeitet in einer Kanzlei im Berliner Prenzlauer Berg, www.jurati.de

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Kultur Beitrag vom 14.05.2011 AVIVA-Redaktion 





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