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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 18.12.2016

Hedwig Dohm - Feuilletons 1877-1903. Herausgegeben von Nikola M├╝ller und Isabel Rohner
Yvonne de Andr├ęs

1873 forderte Hedwig Dohm das Stimmrecht f├╝r Frauen und setzte sich in ihrem umfangreichen Gesamtwerk Zeit ihres Lebens f├╝r die politische, soziale und ├Âkonomische Gleichstellung von M├Ąnnern und Frauen ein: Brillante Texte, die bis heute nichts von ihrer Frische und Aktualit├Ąt verloren haben.



"Ich brauche niemanden zu fragen, was in der Frauenbewegung das Richtige ist. Ich wei├č es. Der, dem der Dachziegel auf den Kopf f├Ąllt, wei├č, dass das Dach schadhaft ist. Er braucht es nicht erst untersuchen zu lassen" schrieb Hedwig Dohm (1831 - 1919).

Die engagierte Frauenrechtlerin und eine der wichtigsten Schriftstellerin ihrer Zeit, Hedwig Dohm, war eine klare und scharfe Beobachterin der gesellschaftspolitischen Verh├Ąltnisse. Mit brillantem Witz und Ironie focht sie in Ihren Beitr├Ągen und Aufs├Ątzen in Zeitschriften und Zeitungen wie der Vossischen Zeitung oder Der Zukunft gegen Antifeministinnen. Auch 100 Jahre sp├Ąter macht deshalb die Lekt├╝re ihrer pointierten und treffenden Texte gro├čen Spa├č.

Als eine der ersten feministischen Theoretikerinnen setzt sich Hedwig Dohm mit stereotypem Rollenverhalten auseinander. Sie f├╝hrte geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die kulturelle Pr├Ągung zur├╝ck, nicht auf biologische Faktoren. Diese Position war f├╝r ihre Zeit ein absolutes Novum und Radikal. "Es gibt ein sehr einfaches Mittel, die Nachteile, der gegenw├Ąrtigen Gesellschaft aus der ├ťberz├Ąhligkeit der Frauen erwachsen, in Vorteile zu verwandeln. Das Mittel hei├čt: ├Âkonomische Selbstst├Ąndigkeit der Frau", so Dohm.

Der f├╝nfte Band der Feuilletons 1877-1903 von Hedwig Dohm ist nach Auffassung der Herausgeberinnen das "Herzst├╝ck" der Werksausgabe: "Noch nie gesammelt ver├Âffentlicht, zeigen sie sowohl Dohms politische und stilistische Kontinuit├Ąt als auch ihren schwerpunktm├Ą├čige und strategische Entwicklung."

AVIVA-Tipp: "Es gibt keine Freiheit der M├Ąnner, wenn es nicht eine Freiheit der Frauen gibt. Wenn eine Frau ihren Willen nicht zur Geltung bringen darf, warum soll es der Mann d├╝rfen? Hat jede Frau gesetzm├Ą├čig einen Tyrannen, so l├Ąsst mich die Tyrannei kalt, die M├Ąnner von Ihresgleichen erfahren. Einen Tyrannen f├╝r den andern." Eine wichtige Frauenrechtlerin und Autorin, die wieder mehr gelesen werden sollte.

Zur Autorin: Hedwig Dohm, wurde am 20. September 1831 - und nicht wie oft angenommen 1833 - in Berlin als Marianne Adelaide Hedwig J├╝lich geboren. Ihre Eltern waren Henriette Wilhelmine J├╝lich und der j├╝dische Tabakfabrikant Gustav Adolph Schlesinger. Ihre Eltern heirateten erst 1838 nach dem zehnten von insgesamt achtzehn Kindern, da der v├Ąterliche Gro├čvater gegen die Heirat war. 1851 lie├č Schlesinger, der sich schon 1817 evangelisch hatte taufen lassen, den Familiennamen zu Schleh umbenennen. Bereits mit 15 Jahren musste Hedwig Dohm die Schule verlassen und musste im famili├Ąren Haushalt helfen. 1849 konnte sie eine Ausbildung zur Lehrerin absolvieren. 1853 heiratete sie mit 22 Jahren Ernst Dohm, den Chefredakteur der satirischen Zeitschrift "Kladderadatsch". Sie bekam f├╝nf Kinder. Hedwig Pringsheim war eine ihrer T├Âchter und Katia Mann ihre Enkelin.

Ihr Haushalt wurde schnell zum kulturellen Treffpunkt f├╝r Berliner K├╝nstlerInnen und Intellektuelle. Seit 1872 trat sie publizistisch f├╝r die Gleichstellung der Frauen ein. Hedwig Dohm war und ist eine der brillantesten und pointiertesten Feministinnen. Sie erkannte, dass Dreh- und Angelpunkt jeglicher Emanzipation die ├Âkonomische Selbstst├Ąndigkeit der Frau ist. Damit stand sie im Gegensatz zur b├╝rgerlichen Frauenbewegung ihrer Zeit, die sich in erster Linie als Bildungsbewegung verstand. Sie ver├Âffentlicht Artikel und Beitr├Ąge in Zeitschriften, gesellschaftspolitische Schriften, Prosatexte und B├╝hnenwerke. Zu ihren wichtigsten Publikationen geh├Âren unter anderem: "Was die Pastoren von den Frauen denken" (1872), "Der Jesuitismus im Hausstande. Ein Beitrag zur Frauenfrage" (1873), "Die wissenschaftliche Emancipation der Frauen" (1874), "Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage. Zwei Abhandlungen ├╝ber Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen" (1876), "Die Antifeministen. Ein Buch der Verteidigung" (1902), "Die M├╝tter. Ein Beitrag zur Erziehungsfrage" (1903). Am 1. Juni 1919 starb Hedwig Dohm in Berlin. Sie ist auf dem Matth├Ąus-Friedhof in Sch├Âneberg begraben. Der Journalistinnenbund hat am 22. September 2007 dort eine Gedenkst├Ątte mit neuem Grabstein errichtet. Am selben Tag wurde die Hedwig-Dohm-Stra├če eingeweiht am Bahnhof S├╝dkreuz, Berlin (Ecke Hildegard-Knef-Platz).
Seit 2005 informiert eine eigene Website ├╝ber Hedwig Dohms Biographie und Werk: www.hedwigdohm.de

Hedwig Dohm
Feuilletons 1877-1903

Edition Hedwig Dohm, Band 5
Nikola M├╝ller (Hrsg.), Isabel Rohner (Hrsg.), Hedwig Dohm (Autorin)
trafo Verlag, erschienen 2016
Kartonierter Einband, 298 Seiten
24,80 Euro [D]
ISBN: 978-3-89626-137-4
www.trafoberlin.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Hedwig Dohm - Sommerlieben
Verwicklungen zwischen Kurschatten und Kaffeerunden: Nicht aus den Literatursalons Berlins, sondern aus den Strandk├Ârben eines kleinb├╝rgerlichen Badeorts schreibt Frauenrechts-Pionierin Dohm mit ihrer "Freiluftnovelle" gegen die bigotte Gesellschaft des ausklingenden neunzehnten Jahrhunderts an. (2013)

Mehr Stolz ihr Frauen - Berliner Gedenktafel zu Ehren von Hedwig Dohm
Vom vermuteten einstigen Glanz des Geb├Ąudes ist wenig geblieben. Tr├╝bselig schaut die mausgraue Stahlverkleidung des Hauses Nummer 235 auf die Friedrichstra├če in Berlin-Kreuzberg. In diesem Haus kam im Jahre 1831 Hedwig Dohm, geborene Schlesinger, zur Welt, und in diesem Haus hat auch der Dichter Adalbert von Chamisso gewohnt. (2013)

Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm - Eine Biografie von Isabel Rohner
Die Frauenrechtlerin, Journalistin, Autorin und Publizistin Hedwig Dohm (1831- 1919) hatte vier Geburtsurkunden, wurde an einem Dienstag geboren und war mit 17 Geschwistern in der Friedrichstra├če 235 gro├č geworden. P├╝nktlich zum Hedwig-Dohm-Jahr 2011 erschien im November 2010 im Ulrike-Helmer-Verlag eine sachlich-kurzweilige Biografie der Jubilarin Hedwig Dohm, geborene Schlesinger. (2010)

Ganz im Zeichen von Hedwig Dohm
Ein Gedenkstein als Zeichen gegen das Vergessen. Impressionen zu einer der bekanntesten Publizistinnen und Vordenkerinnen der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts, Hedwig Dohm, geborene Schlesinger. (2007)

Gedanken zum Gedenken. Von Erica Fischer
Am 22. September 2007 wurde auf dem Alten St. Matth├Ąus Kirchhof in Berlin-Sch├Âneberg ein Gedenkstein f├╝r die Frauenrechtlerin und feministische Publizistin Hedwig Dohm (1831-1919) enth├╝llt. (2007)

Ausgew├Ąhlte Texte - herausgegeben von Nikola M├╝ller und Isabel Rohner
Ratlose Buchh├ĄndlerInnen und komplizierte Beschaffungswege sind pass├ę - ein wichtiger Schritt ist getan, der fabelhaften Denkerin und Autorin Hedwig Dohm den Platz einzur├Ąumen, der ihr geb├╝hrt. (2006)

Hedwig Dohm im Gespr├Ąch AVIVA-Redakteurin Ruth Niehaus "sprach" mit der Schriftstellerin, Publizistin, Dramatikerin und Feministin ├╝ber Gleichberechtigung und die l├Ąngeren Beine der M├Ąnner. (2006)

Hedwig Dohm goes online Die Schriftstellerin, Publizistin und Wegbereiterin der Frauenbewegung in Deutschland bekommt mit www.hedwigdohm.de eine eigene Homepage. (2005)

Literatur > Sachbuch Beitrag vom 18.12.2016 Yvonne de Andr├ęs 





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