Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann: Gemeinschaftliche Kunstpraktiken im öffentlichen Raum. Das Rose Valland Institut und andere Projekte c.t. am 9. Mai 2019 um 19 Uhr - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs



AVIVA-BERLIN.de im Juli 2021 - Beitrag vom 02.05.2019


Maria Eichhorn und Sabeth Buchmann: Gemeinschaftliche Kunstpraktiken im öffentlichen Raum. Das Rose Valland Institut und andere Projekte c.t. am 9. Mai 2019 um 19 Uhr
AVIVA-Redaktion

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe MOSSE-LECTURES "Sprachen des Politischen in Literatur und Kunst" an der Humboldt Universität zu Berlin kommen Maria Eichhorn, Sabeth Buchmann und Elisabeth Wagner ins Gespräch über neue interdisziplinäre Kunstinstitutionen und -kollaborationen.




Das Rose Valland Institut ist ein interdisziplinär ausgerichtetes und unabhängiges künstlerisches Projekt. Es erforscht und dokumentiert die Enteignung der jüdischen Bevölkerung Europas und deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Benannt wurde es nach der Kunsthistorikerin Rose Valland, die während der Besatzungszeit in Paris die Plünderung der Deutschen in geheim gehaltenen Listen aufzeichnete. Nach dem Krieg arbeitete sie für die Commission de Récupération Artistique (Ausschuss für die Rückführung von Kunst) und trug maßgeblich dazu bei, NS-Raubkunst zu restituieren. Unter dem Namen Claire Simone wurde sie in George Clooneys Film "Monuments Men" von 2014 von Cate Blanchett verkörpert.

Ausgehend von Maria Eichhorns Ausstellungsprojekten "Restitutionspolitik / Politics of Restitution" (2003) und "In den Zelten ..." (2015) widmet sich das Rose Valland Institut dem Themenbereich ungeklärter Eigentums- und Besitzverhältnisse von 1933 bis heute. Das Rose Valland Institut thematisiert Fragen zu Eigentum an Kunstwerken, Grundstücken, Immobilien, Vermögenswerten, Unternehmen, beweglichen Objekten und Artefakten, Bibliotheken, wissenschaftlichen Arbeiten und Patenten, die in der NS-Zeit jüdischen Eigentümer*innen in Deutschland und in den besetzten Ländern entwendet und bis heute nicht zurückgegeben wurden.

Maria Eichhorns Rose Valland Institut ist ein signifikantes Beispiel für künstlerische, kuratorische und wissenschaftliche Kollaborationen, die über klassische Konzepte der Interdisziplinarität hinausgehen: Kollaborationen, die sich entgegen moderner Funktionstrennungen aus miteinander vernetzten, situativ interagierenden Projekt- und Organisationsformaten zusammensetzen. In Weiterentwicklung institutionskritischer Praktiken der 1990er Jahre verbinden sie künstlerische, wissenschaftliche, edukative und gesellschaftspolitische Agenden auf eine Weise, die zugleich die "Erscheinungsbilder, (Hannah Arendt) kultureller Öffentlichkeiten mitverändert. Auffällig in diesen Inszenierungen ist ihre Affinität zu einer sich im kollektiven Lernprozess erprobenden Gemeinschaft, die das moderner Kunst anhaftende Image des Elitären und Exklusiven konterkariert. Charakteristische Displays sind, neben Archiven und Bibliotheken, an Theater- und Parlamentsarchitektur angelehnte Tribünen und Versammlungsräume: Augenscheinlich dazu angetan, den Raum der Kunst durch demokratische Interaktions- und Kommunikationsformen zu erweitern. Es stellt sich die Frage, ob und auf welche Weise die Idee temporär kooperierender Institutionen die Funktion der modernen Kunstausstellung auf Dauer transformieren kann: Das betrifft nicht zuletzt das angesichts neoliberaler Prinzipien der Austerität und Evaluierung veränderte Spannungsverhältnis zwischen ästhetischer Autonomie und "common goods".

Sabeth Buchmann: Kunsthistorikerin und -kritikerin, Professorin für die Kunst der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste in Wien, zahlreiche Beiträge zu Kunst, Kunstausstellungen und zur Kunstökonomie, im Beirat der Zeitschrift Texte zur Kunst, neuere Veröffentlichungen u.a. Denken gegen das Denken. Produktion – Technologie – Subjektivität (2007), mit Kai von Eikels, Alexandra Kleihues u.a.: art works: Ästhetik des Postfordismus (2016), Mithg.: Putting Rehearsals to the Test (2016).

Maria Eichhorn: freischaffende Künstlerin, thematisiert in ihren Projekten Fragen der Kunstproduktion und –rezeption, des Besitzrechts und der Erinnerungspolitik, Praktiken der Institutionalisierung von Kunst und zum Kunstmarkt, zahlreiche Beiträge und Ausstellungen, u.a. bei der 45. und 56. Biennale Venedig (1993, 2015), der 4. und 9. Biennale Istanbul (1995, 2005), auf der 11. Documenta Maria Eichhorn Aktiengesellschaft (2002), zur Restitutionspolitik im Lenbach-Haus München (2004), auf der 14. Documenta 2017 in Athen und Kassel zur Raubkunst Building as unowned property, Rose Valland Institut, in einem Beitrag zur Publikation der Mosse-Lectures über Korruption (2010 hg. von Elisabeth Wagner und Burkhardt Wolf) veröffentlichte sie eine Künstlerische Recherche um den Fall Rod Blagojevic.

Dr. Elisabeth Wagner: Sie schreibt seit 2001 für verschiedene überregionale Zeitungen und Magazine. Oft geht es in ihren Texten - hier in kleiner Auswahl - um die Grenzsituationen des Alltags: Um letzte Zigaretten vor der OP, die Treffsicherheit eines blinden Schützen, um diensthabende Zahnärzte in einer Samstagnacht. Man muss das Drama nicht lange suchen. Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie in Göttingen und Hamburg (Mag.art.). Ausbildung an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin.

Zur Veranstaltungsreihe: Die MOSSE-LECTURES am Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin sind eine Initiative der MOSSE FOUNDATION und Gerda Henkel Stiftung. Programm und Koordination erfolgt durch Dr. Elisabeth Wagner.
Weitere Infos dazu unter: www.mosse-lectures.de sowie per E-mail unter info@mosse-lectures.de

Veranstaltungsort: Humboldt Universität zu Berlin, Senatssaal
Unter den Linden 6
10117 Berlin

Sie erreichen das Rose Valland Institut unter: kontakt@rosevallandinstitut.org
Kontaktaufnahmen und Zuschriften werden diskret behandelt und auf Wunsch anonymisiert.

Weiterführende Links:

Rose Valland Institut: www.rosevallandinstitut.org

"Viele Leute wissen gar nichts davon". Die Künstlerin Maria Eichhorn im Interview auf DEUTSCHLANDFUNK: www.deutschlandfunk.de

Association La Mémoire de Rose Valland: www.rosevalland.com

Die Stiftung ZURÜCKGEBEN. Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft gibt Menschen die Möglichkeit, Raubgut symbolisch zurückzugeben: www.stiftung-zurueckgeben.de

The Central Registry of Information on Looted Cultural Property 1933–1945: www.lootedart.com

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: www.kulturgutverluste.de

"Provenienz-Forschung in Berlin.
Eine Million Bücher als mutmaßliches Raubgut"
Historiker Sebastian Finsterwalder im Gespräch mit Sigrid Brinkmann auf Deutschlandfunk Kultur: www.deutschlandfunkkultur.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rose Valland Institut: Open Call - Unrechtmäßige Besitzverhältnisse in Deutschland
Das Rose Valland Institut ist ein künstlerisches Projekt von Maria Eichhorn im Rahmen der documenta 14. Mit dem Call for Papers "Verwaistes Eigentum in Europa" trat das Institut im März 2017 erstmals an die Öffentlichkeit. Diese wird dazu aufgerufen, sich über NS-Raubgut im ererbten Besitz bewusst zu werden, zu recherchieren und Informationen dem Rose Valland Institut zu übermitteln. (2017)

Kunstfund Gurlitt. Bundesregierung informiert: Weiteres Gemälde restituiert
Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat 8. Januar 2019 in Berlin das "Porträt einer sitzenden jungen Frau" des französischen Malers Thomas Couture an die Familie des ursprünglichen Eigentümers Georges Mandel zurückgegeben. Dabei handelt es sich um den fünften Restitutionsfall aus dem Kunstfund Gurlitt. (2019)

Restitution nach 80 Jahren. Von den Nationalsozialisten geraubtes Buch heutigem Eigentümer übergeben
Das Buch "Mein Deutschland", das von dem jüdischen Arzt Benno Latz geschrieben und in limitierter Auflage gedruckt worden war, konnte durch einen Zeitungsartikel dem britischen Künstler Geoff Latz, dem Enkel des Mediziners, zugeordnet werden. Infos zur Provenienzforschung und der Arbeit der Stabsstelle NS-Raub- und Beutegut der FU Berlin sowie Möglichkeiten, Raubgut aufzuspüren und symbolisch zurückzugeben, hier auf AVIVA-Berlin (2018)

Provenienzforschung und NS-Raubkunst: Tempeltanz der Seele von Fidus bleibt in der Berlinischen Galerie
Einst hing der fünfteilige Gemälde-Zyklus im Musikzimmer der jüdischen Familie Neuhäuser am Bayerischen Platz. Mehr Informationen zum Hintergrund sowie weitere Aktivitäten der Provenienzforschung an der Berlinischen Galerie und der Unterstützer, wie der Ferdinand-Möller-Stiftung und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, auf AVIVA-Berlin (2017)

Elisabeth Sandmann - Der gestohlene Klimt. Wie sich Maria Altmann die Goldene Adele zurückholte Das Leben der Maria Altmann und ihre Beziehung zu dem von den Nazis geraubten Klimt-Gemälde "Goldene Adele" dokumentierte die Verlegerin Elisabeth Sandmann in akribischer Recherchearbeit. (2015)

Die Frau in Gold. Kinostart 4. Juni 2015. Das Buch zum Film von Elisabeth Sandmann - Der gestohlene Klimt Das Leben der Maria Altmann und ihre Beziehung zu dem von den Nazis geraubten Klimt-Gemälde "Goldene Adele" inspirierte Regisseur Simon Curtis zu einem fesselnden Bio-Pic. Helen Mirren verkörpert die aus Österreich in die USA geflüchtete faszinierende Protagonistin. (2015)

Stefan Koldehoff - Die Bilder sind unter uns. Das Geschäft mit der NS-Raubkunst und der Fall Gurlitt Der Kulturredakteur und Autor hat sein 2009 bei Eichborn erschienenes Buch aktualisiert, um das Kapitel "Gerettet oder gestohlen? Der Fall Gurlitt" erweitert und ein Schlusskapitel "Perspektiven für eine neue deutsche Raubkunstpolitik 2014" angefügt. (2014)

Melissa Müller und Monika Tatzkow - Verlorene Bilder, verlorene Leben Im größten Kunstraub aller Zeiten enteignete das Naziregime etwa 600.000 Kunstwerke aus jüdischem Besitz. Sie wurden gestohlen, beschlagnahmt, eingezogen, zwangsverkauft oder versteigert. (2009)

Stealing Klimt Ab dem 3.9.2007 ist der britische Dokumentarfilm auch in den deutschen Kinos zu sehen. Jahrelang kämpfte Maria Altman um 5 Gemälde von Gustav Klimt, die ihrer Familie von den Nazis geraubt wurden. (2007)

Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin. Jani Pietsch Das verwaltete Verschwinden jüdischer Nachbarn und ihre schwierige Rückkehr. Eine Rekonstruktion der Berliner Politikwissenschaftlerin und Historikerin Jani Pietsch. Mit O-Tönen von Gesine Strempel (2006)

Birgit Schwarz - Auf Befehl des Führers. Hitler und der NS-KunstraubNicht erst seit dem Fall Gurlitt ist bekannt, dass Deutschland unter dem NS-Regime Schauplatz des größten Kunstraubs der Geschichte war. Wie tief Hitler jedoch wirklich in das schmutzige Geschäft mit gestohlenen Kulturgütern verstrickt war, deckt Kunsthistorikerin Birgit Schwarz in ihrem neuen Sachbuch auf. (2015)


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