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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 27.01.2011

Gutachten zum ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 2011 √ľbergeben - Resonanz und Reaktionen
AVIVA-Redaktion

Die zentrale Bilanz lautet: Echte Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern herrscht in Deutschland noch lange nicht. Eine zuständige Sachverständigenkommission legte unter dem Titel...



... "Neue Wege ‚Äď gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und M√§nnern im Lebensverlauf" eine umfassende Bestandsaufnahme der Gleichstellung in Deutschland vor.

2005 war im damaligen Koalitionsvertrag aus CDU, CSU und SPD vereinbart worden, k√ľnftig in jeder Legislaturperiode einen Gleichstellungsbericht zu erstellen.

2008 beauftragte das Bundesfamilienministerium eine interdisziplin√§r zusammengesetzte Sachverst√§ndigenkommission, Gleichstellung in Deutschland zu analysieren, Zukunftsfelder f√ľr eine innovative Gleichstellungspolitik zu erschlie√üen und Handlungsempfehlungen zu formulieren.
Zur Unterst√ľtzung der Sachverst√§ndigenkommission wurde Anfang Januar 2009 eine "Gesch√§ftsstelle Gleichstellungsbericht" in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft eingerichtet. Sie fungiert als Verbindung zum Bundesministerium f√ľr Familie, Senioren, Frauen und Jugend und zu den verschiedenen Interessengruppen.

Den Vorsitz der Sachverst√§ndigenkommission hat Ute Klammer, Professorin f√ľr Politische Wissenschaften und Sozialpolitik und Prorektorin der Universit√§t Duisburg-Essen. Das nun vorgelegte Gutachten der Kommission bildet die Grundlage f√ľr den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, der im Fr√ľhjahr/Sommer 2011 verabschiedet werden soll.

Deutschland hat Nachholbedarf in Sachen Chancengleichheit

Die Analyse macht deutlich, welche Risiken durch Fehlanreize im Berufsleben insbesondere f√ľr Frauen bestehen. So f√ľhrt die Subventionierung geringf√ľgiger, nicht sozialversicherungspflichtiger Besch√§ftigungsverh√§ltnisse f√ľr verheiratete Frauen im Falle einer Scheidung nicht selten zu eklatanten M√§ngeln bei den sp√§teren beruflichen Entwicklungsm√∂glichkeiten und in der sozialen Sicherung im Alter. "Die gegenw√§rtige Minijobstrategie muss aus Perspektive der Geschlechtergleichstellung als desastr√∂s bezeichnet werden", so Prof. Klammer.

Verschiedene Organisationen wie der "Deutsche Frauenrat e.V.", der "Deutsche Juristinnenbund e.V." und die "Business and Professional Women (BPW) Germany" begr√ľ√üten das Erscheinen des Gutachtens als "hervorragende Handlungsgrundlage zur Weiterentwicklung der Gleichstellungspolitik f√ľr Frauen und M√§nner". "Die Bilanz ist kritisch, die Auftr√§ge konkret" kommentierte Marlies Brouwers, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, das Gutachten. "Bereits die erste Durchsicht l√§sst erkennen, dass die Sachverst√§ndigenkommission und der Deutsche Frauenrat in wichtigen Fragen auf gleicher Linie liegen". Brouwers nennt hier zentrale Forderungen wie die Abschaffung der Minijobs und des Ehegattensplittings oder die √úberarbeitung der Regelungen zur Bedarfsgemeinschaft.
"Ich freue mich, dass sich so viele Erkenntnisse und Empfehlungen des Gleichstellungsberichts mit denen des Deutschen Juristinnenbundes decken", sagte auch Jutta Wagner, Präsidentin des djb.

Die genannten Organisationen teilen dar√ľber hinaus die Einsch√§tzung der Kommission, "dass es der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung an einer klaren Zielsetzung mangelt" (Brouwers). "Das Fazit des vorgestellten Gutachtens ist eindeutig: F√ľr eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik reichen die Ank√ľndigungen des Koalitionsvertrags nicht aus", bilanziert Henrike von Platen, Pr√§sidentin der BPW, in einer Pressemitteilung.

Die Kommission fordert f√ľr die verschiedenen analysierten Bereiche elementare Neuerungen und Umgestaltungen. So unter anderem

  • im Bereich Recht: eine Modernisierung der Rollenbilder und eine konsequente Ausrichtung des geltenden Rechtes am Leitbild der Gleichberechtigung (so unter anderem eine Ersetzung des G√ľterstands der Zugewinngemeinschaft durch das Modell der Errungenschaftsgemeinschaft), des weiteren √Ąnderungen jener Teilbereiche des Sorgerechtes, des Sozial- und Einkommensteuerechtes sowie des Unterhaltsrechtes, die ein asymmetrisches Rollenmodell beg√ľnstigen.
  • im Bereich Bildung: eine Verhinderung von Abw√§rtsspiralen sowie die F√∂rderung von Wahlm√∂glichkeiten in allen Lebensphasen (unter anderem durch eine geschlechtsbewusste P√§dagogik, die Entwicklung von F√∂rderungsmodellen zum Ergreifen geschlechts-atypischer Berufe, eine Verbesserung der Sicherung der Vereinbarkeit von Aus- und Weiterbildung und Familie sowie √Ąnderungen in den Berufsbildungssystemen und BAf√∂G-Regelungen).
  • im Bereich Erwerbsleben: die Beseitigung von Fehlanreizen und die Schaffung von Entgeltgleichheit und Aufstiegschancen, unter anderem durch die Herstellung von Voraussetzungen f√ľr gleiche Teilhabechancen von Frauen und M√§nnern im Erwerbsleben (durch Abschaffung der Sonderstellung geringf√ľgiger Besch√§ftigungsverh√§ltnisse (Minijobs), das Umsetzen des Grundsatzes der Entgeltgleichheit und die Erh√∂hung des Anteils von Frauen in F√ľhrungspositionen).
  • im Bereich Zeitverwendung: die Erm√∂glichung von mehr Flexibilit√§t und die St√§rkung und F√∂rderung unterschiedlicher Formen von Arbeit wie Hausarbeit, Sorgearbeit, freiwilliges Engagement und Nachbarschaftshilfe.
  • im Bereich Alter: die Verbesserung der Honorierung von Pflegearbeit und F√∂rderung von Ma√ünahmen eine armutsfesten Alterssicherung

    Das vollständige Gutachten samt detaillierter Vorschläge zur Umsetzung obengenannter Ziele kann im Internet unter: www.gleichstellungsbericht.de abgerufen werden.

    Weitere Informationenen und Kontakt:

    www.fraunhofer.de, Geschäftsstelle Gleichstellungsbericht in der Fraunhofer-Gesellschaft

    www.bmfsfj.de, Bundesministerium f√ľr Familie, Senioren, Frauen und Jugend

    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

    "Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung. Vorstellung und Diskussion der Studie am 1. Dezember 2010"

    "Offizieller Startschuss von neuer Initiative f√ľr mehr Frauen in F√ľhrungspositionen im November 2010"

    "This is for all of us - Women in International Security. AVIVA-Bericht von der Fachtagung am 5. Oktober 2010"

    "Equal Pay Day 2010"

    " Gender-Gerechtigkeit bei den Reformen der Agenda 2010: der Deutsche Frauenrat, der sich als Lobby der Frauen versteht, bef√ľrchtet eine Umverteilung zu Lasten von Frauen"

    "Im Juni 2010 fordert die Initiative Generation CEO 20 Prozent Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten"

    "Zu wenig Vorbilder - Frauen in F√ľhrungspositionen 2010"

    "Erster Berliner Gender Datenreport 2009 geht online"

    "50-50 Kampagne der europäischen Frauenlobby"



    (Quellen: AVIVA-Berlin, Bundesministerium f√ľr Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Business and Professional Women (BPW) Germany, Deutscher Frauenrat e.V., Deutscher Juristinnenbund e.V., Gesch√§ftsstelle Gleichstellungsbericht in der Fraunhofer-Gesellschaft)

  • Public Affairs Beitrag vom 27.01.2011 AVIVA-Redaktion 





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