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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 20.03.2003


Hiking Cabo Verde - Teil I
Ilka Fleischer

Kennen Sie die Zitronen-Limo-Fantasie beim Wandern? Oder ist es bei Ihnen die Bier-Version? Die Punica-Oase? - Alles nichts auf den Kapverden...





(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinWandern ist eine Verzicht-Sportart, eine Fortbewegungsform für CalvinistInnen, die sich ihren Gick durch das Überstehen von Strapazen und Entbehrungen holen: wonnevolle Durst- und Hunger-Deliria, beflügelnde Blasen an den Füßen und erhebende Schürfwunden von Knöchel bis Knie - was braucht der moderne Wohlstandsmensch mehr, um die Freuden der Selbstgeißelung zu zelebrieren? AVIVA-Berlin hat´s entdeckt: Der kapverdische Grün-Mangel trieb selbst grau-gewöhnte GroßstädterInnen an die Grenzen des botanisch Erträglichen - und eroberte ihre Trecking-Herzen.

Ein kleines, stählernes :-) Team wurde ausgesandt, um sich lustvoll auf den "Wander-Inseln" Santo Antao, Sao Nicolao und Fogo zu malträtieren. Der Titel des Gedichtes "Verde que te quiero verde" (Grün, wie ich Dich liebe, Grün!) von Federico García Lorca wurde bei den Touren durch karge braun-grau-rot-dominierte Landschaften zu ihrem Mantra.

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinVerde que te quiero verde...

Wer mit dem historisch anmutenden Schiff auf Santo Antao ankommt, hat en gros zwei Möglichkeiten, das Grün-Manko auf sich wirken zu lassen: Die erste Variante, von den meisten der wenigen Trecking-Touris favorisiert, führt schnell ´raus aus der oberflächlich tristen Mondlandschaft der Hafenregion um Porto Novo in den weniger terrakotta-farbenen Nordosten der Insel. Vorteil: Man kann sich peu a peu von der gewohnten Farbenvielfalt entwöhnen...

Die zweite, von uns gewählte Variante gleicht eher einer Schock-Therapie: Dies-ist-ein-kleiner-Schritt-für-die-Menschheit-aber-... Durch die grau-graue Stadt auf die braun-braune Piste, über grau-braune Pfade in Richtung Pico da Cruz (1585m), der mit seinen bewaldeten Hängen schließlich Erlösung verspricht - ein Klassiker für Hiking-Masos.

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinNach zweistündigen Gehversuchen im Luna-Land erblicken wir noch in einiger Entfernung eine Oase: das Anwesen Mesa, mit seinen weißgetünchten Gemäuern, von zartem Grün umsäumt. Vorsorglich antizipieren wir die Enttäuschung einer Fata Morgana und sind doch niedergeschlagen, als sich das ehemalige Kolonial-Gehöft verlassen und nur von wenigen blassgrünen Überlebenskämpfern umgeben zeigt. Selbst der vielversprechende Schriftzug AGUA an einem verwaisten Brunnen erweist sich als desillusionierend und schürt Zweifel angesichts der mitgeführten Wasservorräte. Ein mitfühlender vorbeiziehender Ziegenhirte bestätigt uns, was wir zu ahnen beginnen:

"Cabo Verde - Cabo Seco"

Nur gut, dass wir uns reise-literarisch nicht unterversorgt auf den Weg gemacht haben: Können wir jetzt doch aufmunternder Weise nachschlagen, dass Santo Antao - zusammen mit Santiago - zu den grünsten Inseln des kapverdischen Archipels zählt. Außerdem erfahren wir von den temporären und regionalen Unterschieden der Wasser-Unterversorgung:
"Die Niederschlagsmengen sind also nicht nur von Jahr zu Jahr stark unterschiedlich, sondern auch von Insel zu Insel, und selbst auf dem recht kleinen Raum einer einzigen Insel variieren sie" - so spendet unser DuMont-Reisetaschenbuch Hoffnung...

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinDer irreführende Name "Grünes Kap"(= Cabo Verde) erreicht seinen höchsten Realitätsbezug nach der kurzen, aber teilweise heftigen Regenzeit zwischen Juni und September. In den Folgemonaten von Oktober bis Dezember bestehen also die besten Aussichten auf grünere - wenn auch eher selten und nur in wenigen Regionen auf vegetations-üppige - Wandertouren.

Auch wenn einige Inseln in manchen Jahren an komplettem Regenmangel leiden und jedes 4. Jahr eine Dürreperiode erlebt, ergießen sich in den europäischen Sommermonaten 90% des Jahresniederschlages von 227mm (in Deutschland 690mm) an wenigen Tagen - nicht selten der gesamte Jahresniederschlag an nur EINEM Tag!
Nachdem z.B. Santa Antao mehrere Dürrejahre in Folge erlebt hatte, prasselte im September 1984 ein Platzregen mit solcher Gewalt nieder, dass Felder und Siedlungen fortgerissen wurden. Die Reihe kapverdischer Regen-Sprichwörter scheint bändefüllend, aber eines sei an dieser Stelle hervorgehoben:

"Wenn es regnet, ertrinken wir, wenn es nicht regnet, verdursten wir."


Weiter zur Fortsetzung Hiking Cabo Verde - Teil II



Lesen Sie auch unsere folgenden Kapverden-Beiträge:

Hiking Cabo Verde - Teil III

Fluchtort Kapverden - Afrika light

How-2-travel Cabo Verde

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Beitrag vom 20.03.2003

AVIVA-Redaktion