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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 20.03.2003


Hiking Cabo Verde - Teil II
Ilka Fleischer

Die ansonsten oft dominierende Überflutung mit Sinnesreizen wird auf den Kapverden vielerorts konterkariert - durch die Anti-Erfahrung des "Den-Wald-Vor-Lauter-Bäumen-Nicht-Sehens"...




Flora und Fauna auf den Kapverden

Während das menschliche Bevölkerungswachstum - trotz aller klimatischen und ökonomischen Missverhältnisse - bei 2,4% im Jahr liegt, verarmt die ohnehin wenig vielfältige kapverdische Tier- und Pflanzenwelt zunehmend:

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinDabei gilt das Tierreich in Cabo Verde - mit Ausnahme der Meeres- und Insektenfauna - ohnehin nicht als artenreich. Das einzige Säugetier, das bereits vor der Besiedlung auf den Kapverden beheimatet war, ist die Fledermaus. Neben den Haus- und Nutzsäugetieren - unter denen die teilweise halb-wilden Ziegen dominieren - kommen heutzutage noch Mäuse, Ratten und Grüne Meerkatzen vor. Letztere bilden auf der Insel Santiago eine nicht allein touristische Attraktion: Die wenigen Äffchen sollen alle von dem selben Muttertier abstammen und sind mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Besonderes Interesse wecken auch die ca. 490 Käferarten, von denen über 30% als endemisch, also als ausschließlich auf den Kapverden vorkommend, gelten. Daneben versprühen eine Handvoll Vogelarten ihren Reiz auf OrnithologInnen, die sich für die Endemiten der West-Palaearktis interessieren. Von Artenvielfalt kann zwar auch in der gefiederten Tierwelt nicht die Rede sein, aber exclusive Geschöpfe wie die Razo-Lärche lassen so manches Orni-Herz höher schlagen. Von großem Interesse war bis zu seiner Ausrottung in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch der Kapverdische Riesenskink, der in Cabo Verde als spektakulärster Wirbeltier-Endemit galt.

So bedenklich diese Armut des kapverdischen Tierreiches aus ökologischer Sicht auch sein mag und so befremdend der Fauna-Mangel beim somit allzu ruhigen Wandern erscheint: Das mit der Arten-Kargheit einhergehende Nicht-Vorkommen "gefährlicher Tiere" hat insbesondere bei Übernachtungen im Freien doch etwas Entspannendes...

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinDie wenigen indigenen, also von jeher auf den Kapverden vorkommenden Pflanzenarten (ca. 250) wurden zwar von den SiedlerInnen über die Jahrhunderte um ungefähr 600 eingeführte Pflanzen aufgestockt. Dennoch gelten die Kapverden mit ihren insgesamt ca. 850 Arten - davon nur 90 Endemiten wie die Kapverden-Wolfsmilch - als flora-arm, zumal etwa 100 Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind.
Obwohl umfangreiche Wiederaufforstungs-Bemühungen der zunehmenden Verödung entgegenwirken sollen, sind die Erfolge gegen die großräumige Vernichtung der Pflanzendecke noch rar. Hier und da trifft man jedoch auf bizarr-künstliche Anpflanzungen von Eukalyptus-, Kiefern- und Akazienarten als Erosionsstopper.

Landwirtschaftlich wird auf die kargen Verhältnisse mit Trockenfeldbau reagiert, wobei über die Hälfte der Aussaat der nächsten Dürreperiode zum Opfer fällt. Mais und Bohnen, die eine relativ kurze Vegetationszeit benötigen, bilden die Grundlage für das Nationalgericht "Cachupa" und bedecken den Großteil der bestellten Flächen. Auf den niederschlagsreicheren Inseln Santiago, Sto. Antao und Sao Nicolao erstrecken sich darüber hinaus weite Zuckerrohrfelder, die die Basis für den kapverdischen Rum "Grogue" bilden. Die agrarwirtschaftlichen Erzeugnisse reichen nicht einmal annähernd für den Eigenbedarf, geschweige denn für den Export: 95% aller Lebensmittel müssen importiert werden.

Vielfalt ohne Überfluss

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinDie vor diesem Hintergrund naheliegende Vermutung, das "kapverdische Insel-Sahel" gliche einer trostlosen Einöde, trifft - wenn überhaupt - allein auf die Sun-&-Fun-Insel Sal zu. Im Gegensatz dazu gibt es auf den vielseitigen Wander-Inseln gar einige Regionen, die durchaus die Bezeichnung "grüne Oasen" verdienen. Die Wanderung vom imposanten Krater Cova de Paúl zum Meeres-Städtchen Vila das Pombas auf Sto. Antao führt z.B. durch geradezu subtropisches Grün: Durch Zuckerrohr-, Yams- und Kaffee-Anpflanzungen streift der Weg neben schillernden Bougainvillas Avocado-, Papaya-, Drachen- und Brotfruchtbäume und schlingert in der fruchtbaren Ribeira do Paúl durch üppige Bananenfelder.

Und auch wenn sich kaum längere Routen durch djungelartiges Dickicht finden, so lassen die zahlreichen oft auf kürzesten Wegstrecken variierenden Landschaftstypen zwar das angedeutete Grün-Mangel-Syndrom zu, nicht aber Gemütszustände, die an Trostlosigkeit grenzen. Selbst die außerirdisch anmutende Region rund um den aktiven Vulcan Pico de Fogo wartet neben Lavafeldern und Steilwänden mit einer üppigen Vegetation im Wald des Naturschutzgebietes Monte Velha auf.

(c) Hauke Kahl, AVIVA-BerlinLast not least bestechen die meisten auch noch so kargen Regionen durch minimalistischen Liebreiz: Schon mal einen wirklich schrillen Marienkäfer gesehen? - Wer am Monte Gordo auf Sao Nicolao das durch Passat-Wind und -Wetter gepeinigte grau-grüne Strauchwerk hinter sich gelassen hat, findet auf dem Gipfel ein unglaubliches Marini-Mekka vor. Zum einen ist sicherlich die Anzahl der schwarz-gepunkteten Käfer augenfällig. Stärker noch sticht allerdings das schreiende Orange der Marini-Schwärme ins Auge - ein visueller Streich, der allein vor kargem Hintergrund gelingen kann.Die ansonsten oft dominierende Überflutung mit Sinnesreizen wird auf den Kapverden vielerorts konterkariert - durch die Anti-Erfahrung des "Den-Wald-Vor-Lauter-Bäumen-Nicht-Sehens".

Die meisten Wandersleut´ entdecken auf längeren Touren ungeahnte Reserven bescheidener Dankbarkeit an sich: ein Reich für ein Glas Limo - ein Universum für ein kühles Bier! Diese Genügsamkeit wird auf den Kapverden in sehr heilsamer Weise um ein Phänomen ergänzt. Mit großer Wahrscheinlichkeit kehrt man mit einer asketischen Portion "floraler Dankbarkeit" zurück: "Unkraut" auf dem heimischen Balkon? Kein Problem - HAUPTSACHE GRÜN...


Weiter zur Fortsetzung Hiking Cabo Verde - Teil III



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Beitrag vom 20.03.2003

AVIVA-Redaktion