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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 14.01.2010

Miep Gies am 11. Januar 2010 gestorben
Claire Horst

Die Retterin von Anne Franks Tagebuch wurde am 15. Februar 1909 in Wien als Hermine Santrouschitz geboren. Sie war eine der vier Personen, die die j├╝dischen Familien Frank, van Pels und Fritz...



... Pfeffer w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs in Amsterdam versteckten.

Aufgrund der Armut ihrer Familie wurde Gies nach dem Krieg 1920 aus ├ľsterreich zu einer holl├Ąndischen Gastfamilie geschickt. Dort sollte sie sich erholen, weil sie an Tuberkulose erkrankt und unterern├Ąhrt war. Da sie sich in den Niederlanden sehr wohl f├╝hlte, blieb sie schlie├člich dort.

Mit 18 Jahren verlie├č sie die Schule und nahm eine Stelle als Sekret├Ąrin an. Seit 1933 war sie in Amsterdam in der In- und Exportfirma Opekta angestellt, deren Leiter Otto Frank war. Otto Frank war mit seiner Frau Edith und den T├Âchtern Margot und Anne aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen. Mit ihnen freundeten Miep und ihr Freund Jan Gies sich an. Als die beiden 1941 heirateten, organisierte Otto Frank f├╝r sie eine Feier im B├╝ro.

Als die Familie Frank 1942 untertauchen musste, unterst├╝tzte Miep Gies sie bis zu ihrer Entdeckung 1944 gemeinsam mit ihren KollegInnen Johannes Kleiman, Victor Kugler und Bep Voskuijl. Auch als weitere j├╝dische Bekannte, die Familie van Pels und Fritz Pfeffer, untertauchen mussten, wurden sie in der kleinen Hinterhauswohnung versteckt und von Miep und Jan Gies t├Ąglich mit Nahrungsmitteln versorgt. Zudem versteckte das Ehepaar ein weiteres j├╝disches Paar in der eigenen Wohnung, von dem nicht einmal die HinterhausbewohnerInnen wussten. Miep Gies arbeitete weiterhin bei Opekta, w├Ąhrend Jan Gies, der bei der Stadtverwaltung angestellt war, die n├Âtigen Lebensmittelmarken besorgte.

"Miep schleppt sich ab wie ein Packesel. Fast jeden Tag treibt sie irgendwo Gem├╝se auf und bringt es in gro├čen Einkaufstaschen auf dem Fahrrad mit. Sie ist es auch, die jeden Samstag f├╝nf B├╝cher aus der Bibliothek bringt.", schrieb Anne Frank am 11. Juli 1943.

Am 4. August 1944 wurde das Versteck verraten und die Verfolgten von der Gestapo verhaftet, ebenso zwei der HelferInnen. Miep Gies und Bep Voskuijl sammelten Anne Franks Tagebuchseiten ein und versteckten sie. Nach dem Krieg ├╝bergab sie das Tagebuch Otto Frank, der als einziger die Shoah ├╝berlebt hatte. Seine T├Âchter waren im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet worden. Anne Franks Tagebuch wurde in 70 Sprachen ├╝bersetzt und gilt als Mahnmal f├╝r die Opfer der Shoah. Mit seiner Rettung und ihrer Hilfe f├╝r die verfolgten Menschen ist Miep Gies zur Symbolfigur f├╝r die Menschlichkeit geworden.

Miep Gies w├Ąhrend ihres letzten Besuchs im Anne Frank Haus am 16. M├Ąrz 2003. ┬ę Anne Frank House, Riekus Heller


Auch nach dem Krieg k├Ąmpfte sie weiter gegen das Vergessen, etwa als Zeugin in Prozessen gegen den mutma├člichen Verr├Ąter des Verstecks und gegen Zweifler an der Echtheit des Tagebuchs. Sie hat bis zu ihrem 90. Lebensjahr immer wieder im In- und Ausland ├Âffentlich ├╝ber die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen und mit vielen Menschen auf der ganzen Welt korrespondiert.

Ich betone immer wieder, dass wir keine Helden sind. Wir taten unsere Menschenpflicht. Miep Gies.

Miep Gies wurde 1972 zusammen mit ihrem Mann Jan in die Liste der Gerechten unter den V├Âlkern in Yad Vashem aufgenommen. 1987 ver├Âffentlichte sie das Buch "Meine Zeit mit Anne Frank", die 2009 in einer erweiterten Neuauflage erschien. Ebenfalls 1987 wurde Gies in den USA von B┬┤nai B┬┤rith geehrt. 1989 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, die Niederlande ernannten sie 1995 zum "Ritter im Orden von Oranje-Nassau". Im Juli 2009 erhielt Gies das "Gro├če Ehrenzeichen f├╝r Verdienste um die Republik ├ľsterreich".

Miep Gies, die zuletzt zur├╝ckgezogen in Hoorn lebte, wurde 100 Jahre alt. Bis zuletzt war sie an den Aktivit├Ąten des Anne-Frank-Hauses beteiligt. Sie starb am 11. Januar 2010 nach kurzer Krankheit. Auf der Seite des Anne-Frank-Hauses gibt es ein Kondolenzregister, in das sich Interessierte eintragen k├Ânnen.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Mirjam Pressler - Gr├╝├če und K├╝sse an alle - Anne Franks Familiengeschichte in Briefen

Selma Meerbaum-Eisinger: Ich bin in Sehnsucht eingeh├╝llt. Gedichte

Helga Deen: Wenn mein Wille stirbt, sterbe ich auch. Tagebuch und Briefe

Mirjam Bolle: Ich wei├č, dieser Brief wird dich nie erreichen. Tagebuchbriefe der Mirjam Bolle aus Amsterdam, Westerbork und Bergen-Belsen.

Manfred Theisen: Der Koffer der Adele Kurzweil

Eva Erben: Mich hat man vergessen. Erinnerungen eines j├╝dischen M├Ądchens

Karen Levine: Hanas Koffer

Mirjam Pressler: Malka Mai. H├Ârspiel nach einer wahren Geschichte

Weitere Informationen ├╝ber Miep Gies und Anne Frank finden Sie im Netz unter:

Miep Gies

Anne-Frank-Haus

Anne-Frank-Fonds

Anne Frank Zentrum Berlin

Anne Frank WebGuide f├╝r Sch├╝lerInnen

Women + Work Beitrag vom 14.01.2010 Claire Horst 





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