MUTIG - Rose McGowan. How to be brave. Am 25. August 2018 spricht die Aktivistin anlässlich des FEMALE FUTURE FORCE DAY in Berlin - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2018 - Beitrag vom 09.08.2018

MUTIG - Rose McGowan. How to be brave
Nora Rauschenbach

Mit ihrer im April 2018 veröffentlichten Autobiographie MUTIG (Originaltitel "BRAVE") stellt die Buchautorin, Regisseurin, Musikerin, Unternehmerin, Aktivistin und ehemalige Schauspielerin Hollywood an den Pranger. Die Initiatorin der Online-Plattform ROSEARMY gehörte mit Schauspielerin und Aktivistin Ashley Judd zu den ersten, die gegen Harvey Weinstein ...



... Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben. Mit ihrem feministischen Manifest spricht sie nicht nur für sich als Individuum, sondern für einen "planet of women". Ihr geht es hierbei nicht darum, die Klatschpresse zu bedienen, sondern aufzuzeigen, wie es in Hollywood wirklich abläuft.

Genau das macht Rose McGowan auch in ihrer Rede anlässlich der Women´s Convention in Detroit im Oktober 2017 deutlich. Sie fordert zu Solidarität untereinander auf und setzt mit enormer Stärke und erhobener Faust ein Statement:

"We are free. We are strong. We are one massive, collective voice. That is, what ROSEARMY is about. It is about all of us being roses in our own life (…)"

Mit "roses" meint McGowan jedoch nicht die schöne, reine, makellose Blume, sondern das ganze Gewächs mit seinen Dornen und Stacheln. Diejenigen Dornen, die für "justice" und "consequence" sorgen sollen.
Dinge, die sie sich als populäre Vertreterin einer jungen Generation von Schauspielerinnen, die im Rampenlicht stehen, von der Directors Guild of America so sehr gewünscht hätte und so selten erfahren hat.
Kein Wunder, denn die gewerkschaftliche Vereinigung von US-amerikanischen Regisseur*innen hat seit 1946 einen Männeranteil von 96 Prozent.

Die Sexualisierung Hollywoods

"[…] ich wusste von klein auf, dass ich eines Tages berühmt sein würde, noch ehe ich das Wort "berühmt" überhaupt verstanden hatte", schreibt McGowan in ihrem Buch.
Was es hieß, diese Berühmtheit zu erlangen, war ihr zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
Die in den italienischen Ableger der Sekte Children of God hineingeborene Autorin stellt in einem Interview mit Good Morning Britain im April diesen Jahres klar: "Hollywood operates like a Mafia, but nobody ever asked me to join the Mafia."
Entdeckt wurde sie von einer Produzentin vor einem Fitnesscenter, hat sich also nicht selbst und bewusst dafür entschieden, Schauspielerin zu werden. Es ist eben einfach so passiert. Doch dieses "einfach so passiert" sollte das ganze Leben der Autorin ändern und nicht unbedingt positiv.

Sexuelle Belästigung im Filmbusiness hatte McGowan bereits bei einem früheren Job als Statistin erfahren und dann später an ihrem ersten richtigen Filmset: Sie war überall nur "das kleine Mädchen und es war völlig okay [sie] schlecht zu behandeln."

Beim Sundance-Film-Festival im Jahr 1997 lernte die Schauspielerin Filmmogul Harvey Weinstein kennen, den sie durchgehend, sowohl in ihrem Anfang 2018 unter dem Titel "BRAVE" veröffentlichten Buch wie auch in Interviews nie bei seinem Namen nennt, sondern nur als "the monster" bezeichnet.
Von ihm erhoffte sie sich, endlich Fuß zu fassen im Filmbusiness, endlich große Rollen zu ergattern. Weinstein nutzte seine Position aus und vergewaltigte McGowan.
Dies beschreibt die Autorin im Buch mit einer solchen Präzision, dass die Leserin selbst das Gefühl bekommt, zittrig und unter Schock stehend aus dem Whirlpool Harvey Weinsteins zu klettern.

Der Wendepunkt

Nach der Vergewaltigung wandte sich McGowan unter anderem an eine Anwältin, die ihr jedoch riet, keine Anzeige zu erstatten, da sie einen Prozess nicht gewinnen könne. Weinstein überwies einen Geldbetrag über 100.000 Dollar auf ihr Konto, wovon McGowan einen Großteil an ein Krisenzentrum für Vergewaltigungsopfer spendete.
Weinsteins Machtmissbrauch ging soweit, dass er sie auf die Schwarze Liste setzte. Auf ihre Gefragtheit bei TV-Serien-Produktionen hatte das jedoch keinen Einfluss: 2001 bekam McGowan eine der Hauptrollen in Charmed – Zauberhafte Hexen, der am längsten laufenden Fernsehserie mit weiblichen Hauptcharakteren. Was auf den Bildschirmen nicht zu sehen ist, beschreibt die Autorin in ihrem Buch:

"[…] die Chefriege (allesamt Männer), die Autoren (zumeist Männer), die Chefautoren (Männer). Dabei spielen Frauen in Charmed die Hauptrollen. Was den Sexismus am Set noch ärgerlicher machte, war die Tatsache, dass die Serie von Frauen getragen wurde und auf ein weibliches Publikum ausgerichtet war."

McGowan erlangte mehr und mehr an Bekanntheit und so sollte sie im April 2007 auf dem Cover des Rolling Stone abgebildet werden. Zunächst freute sie sich, doch schnell wurde ihr klar, dass sie es erneut mit Frauenfeindlichkeit zu tun hatte. Sie wurde Po an Po mit Schauspielerin Rosario Dawson ("Death Proof", "Sin City") fotografiert. Nackt, nur mit einem Munitionsgürtel bedeckt. Die Autorin wusste, etwas musste sich ändern, wusste jedoch noch nicht was und wie, bis sie das Cover am Kiosk entdeckte und sich selbst nicht mehr wiedererkannte.

Rose McGowan, die Aktivistin

Als eine der ersten ging Rose McGowan, die sich auf ihrer Website als "thought leader" bezeichnet, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit. Sie begann unter den Hashtags whywomendontreport und metoo sowohl ihre Geschichte als auch die anderer Frauen auf Twitter zu teilen. Letztgenanntes Hashtag wurde von Schauspielerin, Produzentin, Modedesignerin und Sängerin Alyssa Milano ins Leben gerufen, es stellt jedoch ursprünglich eine von der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke initiierte Bewegung dar, basierend auf ihrer Nonprofit-Organisation Just Be Inc..

Um auf die Missstände in Hollywood und darüber hinaus aufmerksam zu machen, rief McGowan außerdem die Plattform ROSEARMY ins Leben, die unter dem Motto steht: "We fight for truth. We raise our voices. […] And we will no longer be silenced. We listen. We speak. We act. […] We are all races. All nations. All beings. […] We are brave. We are ROSEARMY."

Rose McGowan hinter der Kamera

Mit ihren Kurzfilmen DAWN (2014) und RUTH (2017) begab sich McGowan erstmals weg vom Rampenlicht und hinter die Kamera. Sie widmete sich denjenigen, die ausgestoßen sind von der Gesellschaft.
Vor allem in ihrem ersten Kurzfilm DAWN ist einiges von ihr selbst wiederzufinden: McGowans Protagonistin ist ein Mädchen, das in ihrer Familie keine Zuneigung erfährt, sich aber genau danach sehnt und somit leicht zum Opfer von Manipulationen jeglicher Art wird.
McGowan hat sich nie wirklich mit der Schauspielerei identifizieren können, während sie sich an ihrem ersten Tag hinter der Kamera direkt wohl fühlte.
"It was […] the first time pants felt like they fit. In my life", erklärt die Regisseurin in einem Interview mit DP/30.

AVIVA-Tipp: Mit ihrem feministischen Manifest regt Rose McGowan sowohl zum Mitdenken wie auch zum Handeln an. Mitreißend, echt und dennoch humorvoll schildert sie ihre Erlebnisse in dem Großkonzern namens Hollywood und verhilft so vielen anderen Frauen mit ähnlichen Geschichten zu einer Stimme.

Zur Autorin: Rose McGowan, geboren 1973 in Certaldo, Italien, ist Buchautorin, Regisseurin, Musikerin, Unternehmerin und feministische Enthüllungsjournalistin. Als Aktivistin untersucht sie die Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Unterhaltungsindustrie. Sie startete eine Bewegung gegen das Schweigen und setzte mit der Plattform ROSEARMY ein Zeichen für neues Denken und Handeln.
In ihren Kurzfilmen DAWN (2014) und RUTH (2017) beschäftigte sie sich mit von der Gesellschaft ausgeschlossenen Individuen. Als Schauspielerin wurde sie bekannt durch Filme wie Scream oder die Serie Charmed – zauberhafte Hexen.
Weitere Informationen zu Rose McGowan unter: www.rosemcgowan.com
www.rosearmy.com
twitter.com/rosemcgowan
www.facebook.com/RoseMcGowan
Die Rede von Rose McGowan anlässlich der Women´s Convention ist online unter: www.youtube.com

Zur Übersetzerin: Regina Schneider hat Amerikanistik studiert (M.A.) und übersetzt vor allem wissenschaftliche und erzählerische Sachbücher. Daneben ist sie Dozentin für deutsche Sprache an verschiedenen Universitäten und Hochschulen.
Mehr Informationen zu Regina Schneider unter: www.randomhouse.de

Rose McGowan
MUTIG

Originaltitel: BRAVE
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Regina Schneider
HarperCollins Verlag, erschienen April 2018
Broschur, 400 Seiten
ISBN: 978-3-95967-811-7
EUR 16,00
Mehr Infos zum Buch unter: www.harpercollins.de

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Literatur > Biographien Beitrag vom 09.08.2018 Nora Rauschenbach 





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