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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.03.2017

Ruth Kl├╝ger - Marie von Ebner-Eschenbach: Anw├Ąltin der Unterdr├╝ckten. Verlosung
Silvy Pommerenke

Zum einhundertsten Todestag von Marie von Ebner-Eschenbach hat die Literaturwissenschaftlerin Ruth Kl├╝ger eine ├╝beraus kluge und zugleich mit spitzer Feder geschriebene Rede gehalten. Nachzulesen in der kleinen aber feinen Reihe "Autorinnen feiern Autorinnen". AVIVA verlost 2 B├╝cher



Die im Mandelbaum Verlag aufgelegte Reihe widmet sich in den B├Ąndchen "vielfach marginalisierten Autorinnen" und hat sich zur Aufgabe gemacht, diese "sichtbar sowie auf deren damalige Pr├Ąsenz und heutige Bedeutung aufmerksam zu machen". Au├čerdem soll an Autorinnen erinnert werden, die die literarische Identit├Ąt Wiens mitgepr├Ągt haben. Die Festrede Ruth Kl├╝gers, die sie am 12. M├Ąrz 2016 zum einhundertsten Todestag von Ebner-Eschenbach hielt, liest sich wie eine Kampfschrift!

Der bezeichnende Untertitel "Anw├Ąltin der Unterdr├╝ckten" gibt bereits die Richtung an, in die Kl├╝ger - bedeutende Autorin und Literaturwissenschaftlerin - in ihren Ausf├╝hrungen schreitet. Und Kl├╝ger gibt sich gewohnt k├Ąmpferisch, provokativ und feministisch. Sie w├Ąhlt exemplarisch zwei Novellen und einen Roman ("Der Erstgeborene", "Die Totenwacht", "Uns├╝hnbar") von Ebner-Eschenbach aus, in denen sich diese dem Tabuthema Vergewaltigung widmet. Im 19. Jahrhundert noch unter dem euphemistischen Begriff "Notzucht" gel├Ąufig, und f├╝r eine adelige Dame dar├╝ber zu schreiben eigentlich ein no go! Ausgerechnet diesen Topos greift Kl├╝ger heraus, um die Besonderheit der Schriftstellerin hervorzuheben, die mit ihren psychologischen Erz├Ąhlungen als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erz├Ąhlerinnen des 19. Jahrhunderts gilt. Kl├╝ger tut dies auch, um aufzudecken, dass die Literaturkritik (immer noch) m├Ąnnlich dominiert ist und beispielsweise aus dem eigentlichen Thema "Vergewaltigung" in der Interpretation dann das "Heldentum der Mutter" macht. Ruth Kl├╝ger bel├Ąsst es aber nicht bei diesem literarischen Affront, sondern sie f├╝hrt im Verlauf der Rede bzw. des Leseb├Ąndchens noch weitere Topoi an.

Als Einstieg in eine Festrede harter Tobak, den Kl├╝ger aber zugleich f├╝r einen milden ├ťbergang zur Vita von Ebner-Eschenbach nutzt. In ihren Augen verf├╝gt diese ├╝ber einen "dichterisch-soziologischen Scharfsinn" und so geht sie der Frage nach, wie sich Ebner-Eschenbach trotz der damaligen Ressentiments gegen├╝ber schreibenden (und selbst├Ąndig denkenden) Frauen hat entwickeln k├Ânnen. Eine Frau, die wegen ihres sp├Ąten Ruhms (und gegen den Widerstand ihrer Familie) zwar einen Ehrendoktortitel der Universit├Ąt Wien erhielt, aber selbstredend als Frau dort niemals h├Ątte studieren k├Ânnen. Eine Frau, die sich trotz ihrer hochadeligen Herkunft nicht scheute, auch zum "niederen Volk" Kontakt aufzunehmen. Letztendlich eine Frau, die - soweit es unter den damaligen Verh├Ąltnissen m├Âglich war - sozial- und gesellschaftskritisch geschrieben hat, und die ÔÇô im Rahmen der damaligen M├Âglichkeiten ÔÇô die Gesellschaftsnormen hinterfragt und gesprengt hat.

Kl├╝ger weist in ihrer Begeisterung f├╝r diese Dramatikerin und Schriftstellerin zwar darauf hin, dass Ebner-Eschenbach entgegen der damals aufkeimenden Judenfeindlichkeit ein erstaunlich positives j├╝disches Bild in ihren Texten entwickelt hat. Gleichwohl, so betont Kl├╝ger, "wird ihr manchmal ein gewisser Grad an unverdautem Antisemitismus vorgeworfen". Aber sogleich entsch├Ąrft Kl├╝ger diesen Vorwurf, weil die damalige allgemeine Stimmung und politische Situation bei der Literaturlekt├╝re mit betrachtet werden m├╝sse, "bevor man Steine wirft".

AVIVA-Tipp: Nach der Lekt├╝re von Ruth Kl├╝gers Festrede zum Anlass des einhundertsten Todestages von Ebner-Eschenbach am 12. M├Ąrz 2016 entwickeln sich zweierlei Bed├╝rfnisse: zum einen, sich wieder (oder erstmals) der Lekt├╝re von Ebner-Eschenbach zu widmen. Zum anderen den Scharfsinn und die spitze Feder von Kl├╝ger zu bewundern. Somit ist das Ziel der Schriftenreihe "Autorinnen feiern Autorinnen" mit Bravour erreicht. Frauen lesen und schreiben eben anders!

Zur Autorin: Ruth Kl├╝ger wurde am 30. Oktober 1931 als Tochter j├╝discher Eltern in Wien geboren. Im Alter von zw├Âlf Jahren wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Theresienstadt, ein Jahr sp├Ąter nach Auschwitz-Birkenau und dann in das Arbeitslager Christianstadt deportiert. Bereits dort begann sie, Gedichte zu schreiben. Gegen Kriegsende gelang Ruth Kl├╝ger auf einem der "Todesm├Ąrsche" zusammen mit der Mutter und einer Pflegeschwester die Flucht, die schlie├člich nach 1945 im bayerischen Straubing ihr Ende fand. Der Vater, ein j├╝discher Frauenarzt, wurde in Auschwitz ermordet. In Straubing machte Ruth Kl├╝ger das Abitur und studierte zun├Ąchst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg. 1947 emigrierte sie mit ihrer Mutter in die USA, studierte in New York Bibliothekswissenschaften und sp├Ąter an der University of California in Berkeley Germanistik, wo sie 1952 den M.A.-Grad (1967 Ph.D.) absolvierte. Nach Ende ihres Studiums machte K. als Hochschulprofessorin f├╝r deutsche Literatur Karriere. Werke u.a.: "Zerrei├čproben. Kommentierte Gedichte", "Was Frauen schreiben", "Katastrophen. ├ťber deutsche Literatur", "unterwegs verloren".
Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Rauriser Literaturpreis, Grimmelshausen-Preis, Marie-Luise-Kaschnitz-Preis, Prix M├ęmoire de la Shoa, Preis der Frankfurter Anthologie, Thomas-Mann-Preis der Stadt L├╝beck, Roswitha-Preis, Lessing-Preis des Freistaates Sachsen. Im Mai 2009 wurde sie erste Gastprofessorin des Marcel Reich-Ranicki-Lehrstuhls f├╝r Deutsche Literatur an der Universit├Ąt Tel Aviv. Ihr Thema: "J├╝dische Autorinnen in der deutschsprachigen Literatur".
2015 erhielt sie die Ehrendoktorw├╝rde der Universit├Ąt Wien.
(Quelle: Munzinger und AVIVA-Berlin)

Zur Autorin: Marie von Ebner-Eschenbach, geboren am 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier in M├Ąhren, gestorben am 12. M├Ąrz 1916 in Wien, war eine ├Âsterreichische Schriftstellerin und Vertreterin des Realismus. Sie z├Ąhlt zu den wichtigsten Erz├Ąhlerinnen des 19. Jahrhunderts, wobei sich ihre Werke durch eine staatliche Weitsicht auszeichnen. Ihr umfangreiches ┼ĺuvre umfasst vor allem Novellen, Erz├Ąhlungen, Aphorismen und dramatische Texte, wobei vor allem ihr Werk Krambambuli der Dichterin zu weitreichender Bekanntschaft verhalf. Dennoch betrieb die adelige von Ebner-Eschenbach die Schriftstellerei nicht, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern vor allem um den Humanismus zu f├Ârdern und sittlichen Anstand zu vermitteln.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach war, obwohl sie selbst sich streckenweise Klischeebildern bei der Darstellung j├╝discher Charaktere bediente, Mitglied im 1891 in Berlin gegr├╝ndeten "Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Sie war die erste Frau, die die Ehrendoktorw├╝rde der Universit├Ąt Wien erhielt (1900)
(Quelle: Wortwuchs und AVIVA-Berlin)

Ruth Kl├╝ger
Marie von Ebner-Eschenbach: Anw├Ąltin der Unterdr├╝ckten

Mandelbaum Verlag, erschienen September 2016
Gebunden, 72 Seiten
ISBN: 978385476-521-9
Euro 9,90
www.mandelbaum.at


AVIVA-Berlin verlost 2 B├╝cher. Bitte senden Sie uns dazu den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Marie von Ebner-Eschenbach, Ein ganzes Buch ÔÇô ein ganzes Leben. Aphorismen mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 10.06.2017 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Marie von Ebner-Eschenbach, Ein ganzes Buch ÔÇô ein ganzes Leben. Aphorismen
Marie von Ebner-Eschenbach war eine der bedeutendsten deutsch-sprachigen Erz├Ąhlerinnen des neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre 1879 erstmals erschienenen Aphorismen sind wie kleine Blitze, die voller Lebenserfahrung funkeln. (2016)

Ruth Kl├╝ger - Zerrei├čproben. Kommentierte Gedichte
Sie ringt mit und um Sprache, von der sie permanent umringt wird: Die Lyrikerin und Literaturwissenschaftlerin kommentiert und interpretiert ihre eigenen Verse ├╝ber Gespenster, die sie heimsuchen. (2014)

Das Weiterleben der Ruth Kl├╝ger. Ein Film von Renata Schmidtkunz
Renommierte Literaturwissenschaftlerin, gefeierte Autorin, Feministin, Mutter, Gro├čmutter, ├ťberlebende der Shoa. Die Dokumentation zeigt eine facettenreiche und beeindruckende Pers├Ânlichkeit beim Denken an verschiedenen Schaupl├Ątzen ihres Lebens und Wirkens." (2013)

Ruth Kl├╝ger - Was Frauen schreiben
Der weibliche Blick ÔÇô Ruth Kl├╝ger widmet sich den Werken von Frauen aus aller Welt und verschiedenen Epochen. Ihre Zusammenstellung gew├Ąhrt eine Sicht "aufs Leben durch anders geschliffene Gl├Ąser". (2010)

Interview mit Ruth Kl├╝ger
Ruth Kl├╝ger: J├╝din, Feministin, Mutter, Holocaust-├ťberlebende, emigrierte Wienerin, Wahl-Amerikanerin, Autorin und Literaturwissenschaftlerin hat in Deutschland und den USA als Germanistik Professorin gearbeitet. Im M├Ąrz dieses Jahres brachte sie die Aufsatzsammlung "Katastrophen. ├ťber deutsche Literatur" erneut heraus, wodurch den LeserInnen eine neue Lesart klassischer Texte erm├Âglicht wird. AVIVA-Berlin f├╝hrte mit der in Kalifornien lebenden Germanistin ein E-Mail Interview. (2009)

"Ruth Kl├╝ger ÔÇô Katastrophen"
Gro├čes Aufsehen erregte Ruth Kl├╝ger mit ihrem autobiografischen Roman "weiter leben. Eine Jugend", in dem sie ihre Kindheit im nationalsozialistischen Deutschland und in mehreren Konzentrationslagern schilderte. (2009)

Ruth Kl├╝ger - unterwegs verloren
Vor sechzehn Jahren hie├č es noch "weiter leben", als die mittlerweile emeritierte Literaturprofessorin den ersten Band ihrer Autobiographie schrieb. Heute geht es f├╝r sie um Menschen, die "unterwegs verloren" gegangen sind. Ruth Kl├╝ger: J├╝din, Feministin, Mutter, Holocaust-├ťberlebende, emigrierte Wienerin, anerkannte Amerikanerin und vor allem Liebhaberin der deutschen Literatur, hat den zweiten Band ihrer Lebensgeschichte ver├Âffentlicht. (2008)

Gewinnspiele Beitrag vom 27.03.2017 Silvy Pommerenke 





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