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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2018 - Beitrag vom 20.03.2018

Gertrude Pressburger und Marlene Groihofer - Gelebt, erlebt, überlebt
Lisa Goldberg

Sie hat Auschwitz überlebt – als einzige ihrer Familie kehrte Gertrude Pressburger 1947 nach Wien zurück. Im Alter von 90 Jahren erzählte die Zeitzeugin erstmals in einem Radio-Interview von ihrem Schicksal und appelliert mit ihrem YouTube Video "Meine letzte Bundestagswahl" insbesondere an die Jugend, sich politisch zu bilden und Rechtsextremismus entschieden entgegenzutreten.



Genau 80 Jahre nach dem "Anschluss" Österreichs" sind die Erinnerungen einer der letzten Zeitzeuginnen auch eine Mahnung an uns heute: "Ich wollte ein Gespür dafür vermitteln, welch zerbrechliches und kostbares Gut der Frieden ist und dass der Wohlstand, in dem wir leben, nicht selbstverständlich ist." so die Wienerin Gertrude Pressburger.
In "Gelebt, erlebt, überlebt" erzählt sie erstmals ihre Lebensgeschichte, die Ende Januar 2018 als Buch erschienen ist. Die Lektüre fasst Eva Menasse so zusammen: "Ein wichtiges Buch, erzählt mit einer hinreißenden Mischung aus Zartheit und Entschiedenheit. Ich wünsche der tapferen ´Frau Gertrude´ viele Leser[Innen], vor allem auch junge".

Ihre Geschichte findet Gehör

Die 1989 geborene und mehrfach ausgezeichnete Radiojournalistin Marlene Groihofer hatte über Christine Pressburger, die Tochter der Überlebenden und eine Freundin ihrer Mutter, von dem Schicksal der Familie erfahren. Tief bewegt bat sie Gertrude um ein Interview für "radio klassik Stephansdom". Die 89-jährige Pensionärin sagte zu und brach damit im Frühjahr 2016 erstmals das Schweigen, das ihr all die Jahrzehnte wie ein "ein Stein in der Brust" lag.

Rückblickend hat keine der beiden Frauen damit gerechnet, welche Wellen dieser inzwischen mehrfach auch international ausgezeichnete Radiobeitrag schlagen würde.

1938 bis 1947: Flucht, Verlust und Rückkehr

Während des gesamten Sommers 1938 bemühten sich die Eltern der elf-jährigen Gertrude und ihrer beiden jüngeren Brüder, "Heinzi" und "Lumpi", täglich um Ausreisepapiere. Nachdem der Vater zuvor aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach den NS-"Rasse"gesetzen seinen Beruf als Tischler nicht mehr ausüben durfte, und die Mutter 1937 Opfer eines antisemitischen Anschlags im Hinterhof ihres Wohnorts in der Belghofergasse in Wien–Meidling geworden war, sah sich die Familie in Lebensgefahr. Im September 1938 verließ die fünfköpfige Familie Österreich schließlich per Bahn – mit fünf Koffern im Gepäck.
Die Flucht dauerte fast sechs Jahre und endete 1944 in Auschwitz.

Erste Station der geplanten Emigration war Zagreb. Es folgten Triest– 1939 Mailand –Genua – Padua – Caprino und ab 1940 Ljubjana und schließlich wieder Caprino. Der ursprünglich angestrebte Zielort der Familie war Frankreich.
An Schulbesuche war während der Jahre auf der Flucht kaum zu denken. So unterrichteten die Eltern ihre Kinder unterwegs meist selbst.

Die Biographie Gertrude Pressburgers ist ein lebendiges und wichtiges Zeitzeugnis einer Familie, die vor Verfolgung flieht und zur Ausreise gezwungen ist. Damit wird die Leserin ganz konkret für die Lebensumstände von Flüchtlingen und deren Kindern sensibilisiert und es wird deutlich, was ein Leben in der Illegalität für eine Familie bedeutet.

Auschwitz. Abschließen mit einem jungen Leben

Gertrude berichtet vor allem von den sieben Monaten in Auschwitz sehr detailliert und ausführlich.
Als die Familie zuvor im März 1944 aus Caprino von deutschen Soldaten abtransportiert wurde, bot ein italienischer Soldat der jungen Gertrude in letzter Minute Hilfe bei der Flucht an. Doch sie lehnte entschieden ab: "Kommt nicht in Frage. Ich verlasse meine Familie nicht."
Kaum in Auschwitz angekommen, wurde sie schließlich doch, ohne die Möglichkeit einer Verabschiedung, für immer von ihrer Familie getrennt. Während ihr die Haare abgeschoren und ihr eine Nummer in den Arm tätowiert wurde, empfand sie nichts mehr.

Beim Blick durch den Zaun sah sie in einiger Entfernung graue, ausmergelte und verdreckte Figuren, die sich gebeugt fortbewegten.
"Einen Augenblick lang frage ich mich wirklich ernsthaft, ob ich zu Gnomen unter die Erde versetzt worden bin. Ich habe nicht mehr das Gefühl, auf der Welt zu sein."

Dass Gertrude für die kommenden sieben Monate eine von ihnen sein würde, ahnte sie noch nicht:

"Auschwitz Birkenau ist mein Hier und Jetzt. Ich habe mich innerlich damit abgefunden. Als ich im Juli 1944 siebzehn Jahre alt werde, habe ich aufgehört an morgen zu denken. Momente des Durchatmens gibt es nicht. Ich suche auch nicht danach."

Zwei Dinge blieben ihr trotz der traumatischen Umstände im KZ Auschwitz-Birkenau immer erhalten: ihr Wille "Ich lasse mich nicht unterkriegen." und ihre direkte Art. Als ihr ein SS-Wächter drohte, sie werde auch noch ins Gas gehen, entgegnete sie "Ist mir egal, meine Leute sind schon dort. (…) Früher oder später wird es doch sowieso passieren."

Denn dass ihre Mutter und die beiden Brüder bereits vergast worden waren, darüber war sich Gertrude Pressburger zu diesem Zeitpunkt im Klaren. Was sie am Leben hielt, war die Hoffnung, ihr Vater möge noch am Leben sein.

Auch wenn vieles der erfahrenen Leserin von Biographien und Zeitzeugnissen nicht neu sein wird, so erschüttert doch die Schilderung der Perversität und Brutalität der Lebensbedingungen in den Konzentrationslagern immer wieder von Neuem. Gertrude berichtet von einer Situation, in der nach der Vergasung ein Mensch unter den Leichenbergen "Wie ein Geist." auftauchte. Die Frau hatte die Gaskammer überlebt – die SS-Soldaten waren dermaßen fassungslos über das Versagen ihrer perfekt ausgeklügelten Todesmaschinerie, dass sie es nicht wagten, die Frau zu erschießen. Sie wurde zurück ins Lager geschickt.

Zwangsarbeit

Indem sich Gertrude freiwillig zur Zwangsarbeit in einer Philips-Lampenfabrik in Südpolen meldete, gelang es ihr, Auschwitz zu entkommen.
Im Winter 1944 rückten die Alliierten näher und die Fabriken wurden geschlossen. Zu Fuß trieb die SS die Zwangsarbeiterinnen durch den südlichen Teil Polens in Richtung der Tschechischen Grenze und transportierte sie anschließend mit Zügen ins Ruhrgebiet. Auch hier, in einem ehemaligen Salzbergwerk, musste Gertrude unermüdlich Zwangsarbeit für die Luft- und Waffenindustrie verrichten. Als jedoch die Briten die Porta Westfalica erreichten, wurden die Frauen ein weiteres Mal verlegt. Dieses Mal kamen sie nach Hamburg, um dort Panzergräben zu bauen. Wer hier Schwäche zeigte, wurde zu Tode geprügelt.
In den letzten Stunden vor der Kapitulation wurden die Gefangenen wieder auf einen Viehwaggon in Richtung Norden geladen.
Gertrude befand sich 1945 bei ihrer Befreiung durch die Alliierten in Padborg (Dänemark).
Der Krieg war aus!

Die Einsamkeit der Überlebenden

Mit den Folgen der Inhaftierung hat die lebhafte Dame bis heute vor allem körperlich, aber auch seelisch, zu kämpfen. So gibt es Straßen in Wien, die sie nach ihrer Rückkehr nie wieder betreten hat.
"Nie würde ich hinter dem Schloss Schönbrunn von der Altmannsdorfer Straße in die Belghofergasse abbiegen. Nie würde ich durch die Wehlistraße zur Donau spazieren. Ich schaffe es nicht. Heute bin ich sowieso zu schlecht zu Fuß dafür. Mein Rückgrat ist verschoben, die Nerven machen im Kreuz einen Bogen und der Knochen drückt schmerzhaft darauf. Um ein Stück zu gehen, brauche ich meinen Rollator oder den Arm meiner Tochter. Aber auch früher war ich ganz bewusst nie dort. Seit siebzig Jahren meide ich die Orte meiner Kindheit in Wien."

Stockholm – Wien

Trotz des traumatisch Erlebten finden in den Schilderungen von Gertrude Pressburger auch einige Anekdoten ihren Platz, an die sie sich gern zurückerinnert.
So traf Gertrude innerhalb kürzester Zeit durch Zufall zwei skandinavische Könige. Erst schenkte ihr in Dänemark König Christian X. Schokolade und kaum auf Schwedischen Boden angelangt, reichte ihr der schwedische König Gustav V. die Hand – rückblickend hatte Gertrude das aber nie wirklich imponiert.

Grund für ihren Transport nach Schweden war die Befreiung der Gefangenen durch den schwedischen Grafen Bernadotte. Wie Gertrude Pressburger später feststellte, hatte sie sogar entfernte Verwandtschaft in Schweden. Bei aller Erleichterung über das Ende des Krieges und der guten Versorgung in Skandinavien wird ihr schmerzlich bewusst: Sie ist allein und in ihrem Leben ganz auf sich alleine gestellt. Ihre Eltern und die zwei jüngeren Brüder "Heinzi und Lumpi" hatten Konzentrationslager und Transport nicht überlebt.

In Stockholm hat Gertrude ab Herbst 1946 erstmals wieder einen normalen Alltag – doch ihr fehlt ein echter Familienanschluss. An einem absoluten Tiefpunkt, Weihnachten 1946, schrieb Gertrude einer Tante, die in Wien aufgrund ihrer Ehe mit einem "Arier" überleben konnte, einen Brief.
"Komm zu uns nach Wien", schrieb Tante Elsa zurück und Gertrude folgte der Einladung ihrer Verwandten.
Bruno Kreisky, der spätere Österreichische Präsident, half ihr bei der Rückreise nach Wien, nachdem sie sich zuvor im schwedischen Exil kennen gelernt hatten.

Schweigen

Warum schweigt eine Auschwitzüberlebende jahrelang über Flucht, Schmerz und Verlust und kann sich nicht einmal ihrem Ehemann, ihren Freundinnen oder später der eigenen Tochter anvertrauen? Gertrude erklärt dies zum einen damit, dass sie nicht das Bedürfnis hatte, über ihre Traumata zu sprechen. Wenn doch, sei sie nur auf Unverständnis gestoßen und die Reaktionen der ZuhörerInnen hätten dafür gesorgt, dass sie sich noch schlechter fühlte. Ein weiterer Grund lag in der Ignoranz und den Verdrängungsmechanismen vieler ÖsterreicherInnen in der Nachkriegszeit, die Gertrude auch ausführlich in den letzten Kapiteln von "Gelebt, erlebt, überlebt" schildert.

Ihre ermordete Familie jedoch lebt immer in ihrem Herzen weiter. Es gibt für Gertrude kein "Wie wär´s wenn…". Denn für Träumereien hat sie ihrer Meinung nach zu viel erlebt und ist dabei immer am Boden geblieben.
Und vor allem lasse sie sich bis heute nichts sagen und befehlen, das betont Gertrude in ihrer Biographie immer wieder.

"Ich bin nicht zurückgekehrt, um dasselbe noch einmal zu erleben"

Ein Video-Statement der 89-jährigen Holocaustüberlebenden verbreitete sich im Rahmen der Bundespräsidentenwahl 2016 rasant und erreichte weltweit Millionen von Menschen.
Ausgangspunkt dafür war der Kontakt zum Wahlkampfteam von Alexander Van der Bellen kurz vor der Bundespräsidentschaftswahl im Dezember 2016 gegen den FPÖ Kandidaten Norbert Hofer. Nachdem ein Politiker des Rechten Lagers von einem "drohenden Bürgerkrieg" sprach, entschied sich Gertrude Pressburger spontan dazu, ihre Besorgnis über aktuelle politische Entwicklungen öffentlich zu äußern. Bestürzt warnte sie in dem YouTube Video "Meine letzte Bundestagswahl" vor einer "Rhetorik der Extreme".

Gertrude Pressburger und Marlene Groihofer – ein generationsübergreifender Dialog

Das Kapitel über die Zeit in Auschwitz hat die Journalistin Marlene Groihofer und Gertrude Pressburger so sehr einander nähergebracht, dass sie ab diesem Punkt ihrer Zusammenarbeit per Du fortfuhren.
Kurze Zeit nach der Bundestagswahl beschlossen Marlene Groihofer und Gertrude Pressburger den Radiobeitrag zu verschriftlichen und in Buchform zu publizieren.

Gertrude Pressburger gelingt es, zu den Menschen durchzudringen. Wie wichtig und richtig es war, ihr langes und immens traumatisches Leben mit allen Höhen und Tiefen zu dokumentieren, bestätigte im Februar 2018 die Liste der Spiegel Sachbuch Bestseller: die Biographie Gertrude Pressburgers schaffte es auf Platz 33.

AVIVA-Tipp: Entschlossen mahnt Gertrude Pressburger vor allem die jüngeren und kommenden Generationen, sich stets die Folgen des Nationalsozialismus in Österreich und Deutschland vor Augen zu führen.
"Gelebt, erlebt, überlebt" ist ein lebendiges Porträt einer Wiener Familie, die Opfer von Rassismus und Antisemitismus wurde.

Zu den Autorinnen:

Gertrude Pressburger
, wurde am 11. Juli 1927 in Wien geboren.
Sie verließ mit den Eltern und beiden Brüdern 1938 ihre Heimatstadt. Es folgte eine jahrelange Odyssee durch Südeuropa, mit dem Ziel, deutsches Gebiet zu verlassen. Doch 1944 wurde die Familie in Italien von den Nazis gefasst und nach Auschwitz verschleppt. Allein Gertrude Pressbuger überlebte.
Nach dem Krieg lebte sie einige Jahre mit entfernten Verwandten in Schweden und kehrte 1948 nach Wien zurück. Dort heiratete sie und brachte eine bekam eine Tochter zur Welt.

Mit ihrer Videobotschaft im Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 wird sie einer großen Öffentlichkeit bekannt. Ohne die Namen der Kandidaten zu nennen und offen für einen Kandidaten Partei zu ergreifen, spricht sie sich gegen Rechtspopulismus und -Hetze aus.

Der Name Pressburger geht zurück auf die Stadt Preßburg, dem heutigen Bratislava. Durch die Nähe zum Wiener Hof galt die Slowakische Stadt im Mittelalter vor allem für die Juden als Handelsstandort äußerst attraktiv.
Die Eltern Gertrudes waren beide jüdisch, sind aber – wie viele Wiener Jüdinnen und Juden zuvor – schon vor der Geburt Gertrudes zum Katholizismus konvertiert. Die Gründe können vielfältig sein, waren aber häufig ganz pragmatischer Natur: der Antijudaismus und Antisemitische Aktionen waren Alltag für die Jüdinnen und Juden Europas und ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstiegschancen auch Mitte des 19. Jahrhunderts noch limitiert.

Marlene Groihofer, geboren 1989, ist Journalistin. Für ihre Radiosendung über Gertrude Pressburger wurde sie mehrfach ausgezeichnet (u.a. Prälat Leopold Ungar-Preis 2016, Dr. Karl Renner Publizistikpreis 2016, New York Festivals International Radio Awards 2017-Gold).

Gertrude Pressburger, Marlene Groihofer
Gelebt, erlebt, überlebt

Mit einem Nachwort von Oliver Rathkolb
Zsolnay/Hanser Literaturverlage, erschienen: 29. Januar 2018
Hardcover, 208 Seiten, diverse Schwarz-Weiß Fotos
19,00 Euro
ISBN 978-3-552-05890-3
Mehr Infos zum Buch unter: www.hanser-literaturverlage.de

Das Video "Für mich ist es die letzte Wahl - Bundespräsidentenwahl 2016 Hofer / Van der Bellen" von Gertrude Pressburger von November 2016 finden Sie unter:

www.youtube.com

Die mehrfach preisgekrönte Sendung kann nachgehört werden unter:

radioklassik.at.

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Literatur > Jüdisches Leben Beitrag vom 20.03.2018 AVIVA-Redaktion 





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