Mascha Alechina (PussyRiot), Tage des Aufstands. PUSSY RIOT THEATRE 2018 und RIOT DAYS Performance - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur Sachbuch



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2020 - Beitrag vom 30.12.2017


Mascha Alechina (PussyRiot), Tage des Aufstands. PUSSY RIOT THEATRE 2018 und RIOT DAYS Performance
Sharon Adler

Auf das Punk-Gebet folgt die Punk-Novelle. In ihrem politischen Manifest berichtet Mascha Alechina über ihren Auftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, die Hetzjagd danach, die Inhaftierung, den Schauprozess und die Lagerhaft. Im Fokus ihres Buches steht Alechinas Kampf gegen die Erniedrigungsstrukturen der Strafkolonie Nr. 28 von Beresniki, von wo sie in die Strafkolonie Nr. 2 von Nischni Nowgorod versetzt wurde. Ihr Motto: No pasarán!




"Pussy Riot", die 2011 gegründete feministische, regierungs- und kirchenkritische Künstler*innenbewegung aus Moskau, kämpft mit ihren provozierenden Aktionen öffentlich für Freiheit in Russland. Berühmt wurde der Name 2012, als acht Mitglieder im zentralen Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche in Moskau ein "Punk-Gebet“ aufführten, um damit gegen die Allianz von Kirche und Staat zu protestieren.

"Jungfrau Maria, heilige Muttergottes,
räum Putin aus dem Weg, räum Putin aus dem Weg!"


Keine drei Minuten dauerte der Auftritt der fünf Frauen am 21. Februar 2012 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, aber er schrieb Geschichte. Während drei der Aktivistinnen verhaftet und wegen "Rowdytums" und "religiösem Hass" zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt wurden, brachen weltweite Proteste gegen den überdimensionierten Schauprozess los. Ob die Unterstützer*innen lautstark demonstrierten, Petitionen aufsetzten oder auf Rockkonzerten die Freilassung der Aktivistinnen forderten – die neonfarbenen Skimützen der Band wurde zum weltweiten Zeichen der Solidarität.

In ihrem Buch "Tage des Aufstands" erzählt die Aktivistin Mascha Alechina rückblickend von den Anfängen über die Aufführung, den Protest, bis zur Verhaftung und ihrer Zeit in der Haft. Einer Haft, die nach der Lektüre des Buchs nur als unmenschlich bezeichnet werden kann. So schreibt nicht nur über sich selbst, sondern auch über all die anderen Frauen, die wegen kleinster Vergehen oft jahrelang und ohne Aussicht auf Freilassung festgehalten und konstant erniedrigt werden.

Trotz der physischen und psychischen Folter ist Mascha Alechina seit ihrer Freilassung im Dezember 2013 weiterhin als politische Aktivistin tätig, ihr Motto lautet:

"Es gibt keine Freiheit, wenn man nicht täglich für sie kämpft"

Mascha Alechina ist u.a. aktiv als Mitbegründerin des russischen Online-Portals für Menschenrechte "Mediazona", als Hauptdarstellerin des gefeierten Theaterstücks "Burning Doors“, oder mit ihrem neuesten Projekt, der Bühnenshow "Riot Days" (basierend auf dem Buch "Tage des Aufstands"), das sie zusammen mit dem Musikproduzenten Alexander Cheparukhin entwickelt hat. Nach erfolgreichen Touren in den USA, Australien und Asien wurde das Stück erstmals in Deutschland im September in Frankfurt aufgeführt.

Der Trailer zur aktuellen Show ist online unter: youtu.be

AVIVA-Tipp: "Tage des Aufstands" ist ein Plädoyer für den Aufstand zu Menschlichkeit und Gegenstand – gegen alle Widerstände und gegen die Unterwerfung in einem diktatorischen, menschen- und frauenfeindlichen System. Mascha Alechina beweist in ihrem politischen Manifest, dass es geht. Die Tage des Aufstands sind noch nicht vorbei. Eine beeindruckende Lektüre einer mutigen Frau, Mascha Alechina.

Zur Autorin: Mascha Alechina wurde 1988 in Moskau geboren. Sie war aktives Mitglied von Pussy Riot und wurde nach dem Punk-Gebet in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zusammen mit Nadja Tolokonnikowa zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Bis zu ihrer Festnahme studierte sie Journalismus und kreatives Schreiben in Moskau. Die Inhaftierung verbrachte Alechina in den Strafkolonien von Beresniki und Nischni Nowgorod. Seit ihrer Freilassung ist sie vor allem als politische Aktivistin tätig, unter anderem ist sie Mitbegründerin des Online-Portals Mediazona. 2014 wurde ihr gemeinsam mit Juri Andruchwytsch und Nadja Tolokonnikowa der Hannah-Arendt-Preis verliehen.

Mascha Alechina (PussyRiot)
Tage des Aufstands

Originaltitel: Riot Days
ciconia Verlag, erschienen 2017
Die Publikation erschien im Rahmen der Themenreihe Achtung Frauen, die von Wladimir Velminski kuratiert und von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert wurde
Aus dem Russischen von Maria Rajer
Mit Zeichnungen von Philipp
No. 9 | 292 Seiten mit Abbildungen, englisch Broschur
ISBN 978-3-945867-09-9
EUR 20.00
Mehr Infos zum Buch, zu Mascha Alechina und zur Theater-Tournee unter: www.ciconia-x-ciconia.net

Gemeinsam mit der Übersetzerin Maria Rajer, mit Olga Borisowa u.a. stellte Mascha Alechina am 11. November 2017 im diffrakt | zentrum für theoretische peripherie in Berlin das Buch vor, sprach über ihre Arbeit als Aktivistin und gab Einblicke in das Projekt PussyRiot Theater. Mehr Infos unter: diffrakt.space/tage-des-aufstands-mascha-alechina-pussy-riot


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Nadja Tolokonnikowa - Anleitung für eine Revolution
Die Aktionskünstlerin und Frontfrau der Moskauer Frauen-Punkband Pussy Riot stellte am 14. März 2016 im Maxim Gorki Theater ihr Buch "Anleitung zu einer Revolution" vor. Dorothee Robrecht war für AVIVA da. (2016)

Pussy Riot - Ein Punkgebet für Freiheit
Keine drei Minuten dauerte der Auftritt der fünf Frauen am 21. Februar 2012 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, aber er schrieb Geschichte. Während drei der Aktivistinnen verhaftet und wegen "Rowdytums" und "religiösem Hass" zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt wurden, brachen weltweite Proteste gegen den überdimensionierten Schauprozess los. (2012)

Alle AVIVA-Updates zu den Pussy Riots. NEU: Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa sind frei, der Protest gegen Putin geht weiter, 2012-2013

Ljudmila Ulitzkaja - Die Kehrseite des Himmels
Die international erfolgreichste Autorin Russlands gibt Auskunft über ihr Leben, Denken und Schreiben – und über Politik und Kultur Russlands. (2015)

Swetlana Alexijewitsch - Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus
Vor über 20 Jahren wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bedeutet dies für die Menschen in den ehemaligen Unionsrepubliken und warum greifen viele von ihnen auf überholt geglaubte Ideale zurück? (2015)

Political beliefs become legitimate again - Interview with Vera Akulova
In the last years Pussy Riot´s coloured balaclavas have defined the picture of Russian feminism. But their actions are disputed within the growing women´s movements that encompass many faces, issues and strategies. (2013)

Die Moskauer Prozesse. Von Milo Rau Der Prozess um die Punkband Pussy Riot hat in der westlichen Welt für Entsetzen und Unglauben gesorgt. Dass dies nur ein Höhepunkt eines immer repressiver werdenden russischen Staates im Schulterschluss mit nationalen und orthodoxen Kräften ist, ist auch im Dokumentarfilm "Die Moskauer Prozesse" zu erkennen, der begleitend zu einer 2013 in Moskau inszenierten Theateraufführung entstand. (2013)

Wiktoria Lomasko/ Anton Nikolajew - Verbotene Kunst. Eine Moskauer Ausstellung
Gekaufte Zeug_innen, Segenssprüche, Drohungen, Gefühlsausbrüche. Was sich während des Prozesses gegen die Kuratoren der gleichnamigen Ausstellung ereignete, grenzt an ein tragikomisches Schauspiel ohne Happy End. Die zunächst nur auszugsweise in Zeitungen und Blogs veröffentlichten Gerichtsaufzeichnungen der Künstlerin Lomasko und des Journalisten Nikolajew sind 2013 als Buch in deutscher Übersetzung erschienen. (2013)

Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung Herausgegeben von Katja Peglow und Jonas Engelmann. Erweiterte Neuauflage mit Pussy Riot und Slutwalks
Rebellion und laute Gitarren für `angry young men´, eine Bandbreite von Essstörungen für `angry young women´? Ach was: "Revolution Girl Style Now!" lautete Anfang der 1990er Jahre der Schlachtruf einer feministischen Musikbewegung, die von Bands wie Bikini Kill, Bratmobile oder Heavens to Betsy ins Leben gerufen wurde. (2012)

Der Fall Chodorkowski – ein Film von Cyril Tuschi
Am 25. Oktober 2003 stürmt in Nowosibirsk eine russische Spezialeinheit den Privatjet von Michail Borissowitsch Chodorkowski und nimmt einen der reichsten Männer der ganzen Welt fest. Die Anklage: Steuerhinterziehung und Betrug. Aber so einfach ist es nicht. (2011)

Quellen: ciconia Verlag, AVIVA-Berlin


Literatur > Sachbuch

Beitrag vom 30.12.2017

Sharon Adler 






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