Managerinnen-Barometer 2014: Frauenanteile in Spitzenpositionen gro√üer Unternehmen steigen nur moderat - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.01.2014

Managerinnen-Barometer 2014: Frauenanteile in Spitzenpositionen großer Unternehmen steigen nur moderat
AVIVA-Redaktion

Das DIW Berlin hat √ľber 500 Unternehmen und Geldh√§user untersucht ‚Äď Vorst√§nde und Aufsichtsr√§te weiterhin fest in M√§nnerhand ‚Äď Unternehmen mit Bundesbeteiligung von Vorbildrolle weit entfernt.



Der Trend zu mehr Frauen in Spitzengremien hat sich 2013 insgesamt fortgesetzt, allerdings in √§u√üerst geringem Ausma√ü: In den Aufsichtsr√§ten der gemessen am Umsatz 200 gr√∂√üten Unternehmen des Landes stieg der Frauenanteil gegen√ľber 2012 um etwa zwei Prozentpunkte auf gut 15 Prozent, in den Vorst√§nden stagnierte er hingegen nahezu bei gut vier Prozent. Das geht aus dem neuesten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts f√ľr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. "Vor allem in den Vorst√§nden sind Frauen noch immer eklatant unterrepr√§sentiert", sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin Gender Studies im Vorstandsbereich des DIW Berlin. Bei den 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) notierten Unternehmen war der Anteil von Frauen in Vorst√§nden sogar r√ľckl√§ufig, um anderthalb Prozentpunkte auf gut sechs Prozent. "Die Ergebnisse zeigen, dass mehr Frauen in Spitzenpositionen kein Selbstl√§ufer sind", so Holst. "F√ľr eine m√∂glichst egalit√§re Postenbesetzung sind deutlich gr√∂√üere Anstrengungen n√∂tig, auch √ľber eine Geschlechterquote hinaus."

Mehr Frauen in Aufsichtsräten als in Vorständen

Trotz des R√ľckgangs in den Chefetagen der DAX-30-Unternehmen sind Frauen in den Vorst√§nden b√∂rsennotierter Unternehmen oftmals besser repr√§sentiert als im Durchschnitt der Top-200-Unternehmen. Die im Technologiewerteindex TecDAX gefassten Unternehmen standen mit einem Frauenanteil in Vorst√§nden von gut acht Prozent Ende 2013 an der Spitze der untersuchten Unternehmensgruppen. In den Aufsichtsr√§ten der DAX-30-Unternehmen war 2013 mehr als jedes f√ľnfte Mitglied eine Frau ‚Äď ein Plus von zweieinhalb Prozentpunkten gegen√ľber dem Vorjahr.

Allerdings handelt es sich bei der Mehrheit der Aufsichtsr√§tinnen um Vertreterinnen der Arbeitnehmerseite, die eher Frauen in Aufsichtsgremien entsendet als die Eigent√ľmerseite. Letztere holte jedoch im Laufe der vergangenen Jahre auf. B√∂rsennotierte Unternehmen k√∂nnten sich auch durch das oftmals h√∂here √∂ffentliche Interesse veranlasst sehen, den Frauenanteil z√ľgiger zu erh√∂hen, so die Studienautorinnen Elke Holst vom DIW Berlin und Anja Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl f√ľr Personalpolitik des Instituts f√ľr Management der Freien Universit√§t Berlin: "Angesichts der Tatsache, dass 2013 zwei Drittel der DAX-30-Unternehmen ihren Aufsichtsrat zumindest teilweise neu besetzt haben, muss man jedoch von verpassten Chancen und entt√§uschenden Entwicklungen sprechen."

Vom Trend allenfalls geringer Steigerungsraten der Frauenanteile in Spitzengremien setzten sich auch die Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, nicht ab. Diese Unternehmen sind meist kleiner als etwa die Top-200-Unternehmen und wiesen mit fast 13 Prozent Ende 2013 gegen√ľber dem Vorjahr nur einen etwas h√∂heren Anteil von Frauen in Vorst√§nden und Gesch√§ftsf√ľhrungen auf. In den Aufsichtsr√§ten sank der Frauenanteil um fast zwei Prozentpunkte auf gut 18 Prozent ‚Äď und lag zudem noch unter dem der DAX-30-Unternehmen. "Die Unternehmen mit Bundesbeteiligung k√∂nnten eine Vorreiter- oder gar Vorbildrolle einnehmen, sind davon allerdings noch weit entfernt", so Holst.

Finanzsektor: Steigerungen allenfalls in Trippelschritten

√Ąhnliches gilt f√ľr den Bankensektor: Die √∂ffentlich-rechtlichen Kreditinstitute lagen 2013 mit einem Frauenanteil in Vorst√§nden von knapp f√ľnf Prozent hinter den privaten Banken und Genossenschaftsbanken (jeweils rund acht Prozent) zur√ľck. Auch bei den Banken sind Frauen in den Kontrollgremien aller drei Gruppen deutlich besser repr√§sentiert als in den Vorst√§nden, mit Anteilen zwischen 16 und 18 Prozent. Insgesamt vollziehen sich Verbesserungen beim Frauenanteil in Spitzengremien im Finanzsektor ‚Äď f√ľr den das DIW Berlin zus√§tzlich die gemessen an ihrer Bilanzsumme 100 gr√∂√üten Banken sowie die gemessen an ihren Beitragseinnahmen 60 gr√∂√üten Versicherungen untersucht hat ‚Äď allenfalls in Trippelschritten, obwohl Frauen mit 57 Prozent die Mehrheit der sozialversicherungspflichtig Besch√§ftigten ausmachen: W√§hrend der Anteil von Frauen in Vorst√§nden der Banken und Sparkassen 2013 um mehr als zwei Prozentpunkte auf gut sechs Prozent stieg, ist er in Aufsichtsr√§ten von knapp 18 auf gut 17 Prozent leicht gesunken. Bei den Versicherungen stieg der Anteil in Vorst√§nden um fast drei Prozentpunkte auf knapp neun Prozent, in Aufsichtsr√§ten um einen Prozentpunkt auf gut 16 Prozent.

Frauenquote reicht nicht aus

Die Frauenquote in H√∂he von 30 Prozent bei der Neubesetzung von Aufsichtsr√§ten, die die Bundesregierung 2016 einf√ľhren will, sehen Elke Holst und Anja Kirsch als ersten wichtigen Schritt, ohne jedoch besonders gro√üe und schnelle Fortschritte zu erwarten. "F√ľr ein grunds√§tzlich ausgewogeneres Verh√§ltnis von Frauen und M√§nnern in Spitzengremien sind deutlich gr√∂√üere Anstrengungen notwendig", so die Autorinnen. Sie pl√§dieren unter anderem f√ľr eine frauenfreundlichere Unternehmenskultur, mehr Transparenz innerhalb der Unternehmen bei Einstellungen und Bef√∂rderungen sowie ambitionierte Selbstverpflichtungen hinsichtlich der Frauenanteile und ihrer zeitnahen Umsetzung. Das betrifft auch die F√ľhrungsebenen unterhalb des Vorstands. Dass Selbstverpflichtungen effektiv sein k√∂nnen, verdeutlichten nordische L√§nder wie Finnland, wo sich die Handelskammer mit Erfolg f√ľr h√∂here Frauenanteile durch Selbstregulierungen statt staatlicher Quoten einsetzt und den Frauenanteil in den Boards innerhalb von zehn Jahren um 16 Prozentpunkte erh√∂hen konnte. DIW-Forschungsdirektorin Holst: "Es w√§re sch√∂n, wenn es eine solche Entwicklung auch in den Unternehmen in Deutschland g√§be."

Managerinnen-Barometer

Das DIW Managerinnen-Barometer beobachtet die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen durch Männer und Frauen. Seit 2006 wird dazu einmal jährlich die Zahl der Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen ausgewertet. Später kamen die DAX-30-, M-DAX-, S-DAX- und TecDAX-Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen des Bundes hinzu. Zusätzlich wird die Entwicklung im Finanzsektor, also bei den 100 größten Banken und Sparkassen sowie 60 Versicherungen, erfasst.


Die Presseinformation und das Managerinnen-Barometer 2014 finden Sie unter:

www.diw.de


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Quelle: Pressemitteilung des DIW Berlin vom 15.01.2014

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