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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 21.04.2017

K√úNSTLERINNEN IM DIALOG. Drei Tassen und eine japanische Puppe
AVIVA-Redaktion

Unter diesem Motto zeigt "Das Verborgene Museum. Dokumentation der Kunst von Frauen e.V." vom 27. April 2017 - 06. August 2017 eine als Zwiegespr√§ch in Bildern Europ√§ischer K√ľnstlerinnen der um 1900 geborenen Generation angelegte Ausstellung.



K√∂pfe, Akte, Stillleben, Landschaften und Portraits von Lotte Laserstein, K√§the Loewenthal, Ilse Heller-Lazard, Else Lohmann, Jacoba van Heemskerck, Alice Lex-Nerlinger, Gerda Rotermund, Eva Besny√∂, Florence Henri, Natalja Gontscharowa und vielen mehr, die √ľberwiegend den k√ľnstlerischen Positionen der Moderne nach dem Ersten Weltkrieg zuzurechnen sind.

"K√ľnstlerinnen im Dialog" findet in diesem Fr√ľhjahr zum dritten Mal statt und ist ein Ergebnis der Lebens-, Berufs- und Werkerz√§hlungen vieler K√ľnstlerinnen, die Das Verborgene Museum w√§hrend der letzten Jahrzehnte erstmals bekannt gemacht hat.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Werke aus den 1920er-Jahren: Das expressionistische "Stillleben mit japanischer Puppe" (ca. 1925) von Martel Schwichtenberg (1896‚Äď1945) und das konstruktivistische "Stillleben mit Tassen" (1928) von Lou Loeber (1894‚Äď1983).

Martel Schwichtenberg, die sich in Anlehnung an die bekannte Cognacmarke den Vornamen Martel gab, war an Ausstellungen der Galerie Flechtheim in Berlin beteiligt, engagierte sich im Verein der Berliner K√ľnstlerinnen und nahm sich √§u√üerlich die Bildhauerin Milly Steger (1881‚Äď1948) in Herrenanzug mit Krawatte zum Vorbild, deren √ľberlebensgro√üe Frauenakte an der Fassade des Hagener Stadttheaters 1911 f√ľr Furore gesorgt haben. Durch ihre jahrzehntelange Besch√§ftigung als Werbegrafikerin f√ľr die Firma Bahlsen in Hannover war Schwichtenberg nahezu ihr ganzes Leben finanziell abgesichert.

Die zwei Jahre √§ltere, niederl√§ndische Malerin Lou Loeber verfolgte ein streng konstruktivistisches Bildkonzept. K√ľnstlerisch richtungweisend wurde f√ľr sie die Begegnung mit den Kollegen der de Stijl-Bewegung, Piet Mondrian und Gerrit Rietveld, die, vergleichbar den Konstruktivisten Kasimir Malewitsch und Natalja Gontscharowa in der Sowjetunion und Alice Lex und Oskar Nerlinger im Berlin der Weimarer Republik nach einer Bildsprache aus geometrischen Grundformen und Prim√§rfarben suchten. Lou Loeber l√∂ste sich nicht vollst√§ndig vom Gegenstand und arbeitete anders als ihr Kollege Mondrian auch mit gebogener Linie und Kreisform wie in den beiden Gem√§lden, "Sonnenblumen" und "Stillleben mit Tassen".

Zum k√ľnstlerisch konstruktivistischen Umfeld geh√∂ren die russische Avantgardistin Natalja Gontscharowa (1881‚Äď1962), die Malerin und Fotografin Florence Henri (1893‚Äď1982) mit ihrem gespiegelten "Selbstportrait" und Jacoba van Heemskerck (1876‚Äď1923), deren Kontakt zu Herwarth Waldens "Sturm"-Galerie und deren Beteiligung am Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin 1913 f√ľr ihren Durchbruch auf dem Kunstmarkt sorgten.

Die Ausstellung mit ca. 60 Gem√§lden, Fotografien, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen schlie√üt mit zwei abstrakten Werken, die ihre Wirkung ganz aus der Verwendung von aufgeriebenem Blattgold beziehen: "Haut" (1961) der Norwegerin Anna-Eva Bergman (1909‚Äď1987) und das "Goldene Tuch" (2005) der Niederl√§nderin Beppe Kessler (1952).


Das Verborgene Museum e.V. wurde 1986 in Berlin gegr√ľndet - mit dem Ziel, Lebenswerk und Lebensgeschichte von in Vergessenheit geratenen oder von den Nazis ermordeten K√ľnstlerinnen bekannt zu machen. Die Initiative zur Gr√ľndung des Museums gab eine Untersuchung in den West-Berliner Museen zwischen 1984 und 1987. Eine Sammlung k√ľnstlerischer Arbeiten von √ľber 500 K√ľnstlerinnen wurde damals in den Archiven entdeckt.
Seitdem pr√§sentiert und dokumentiert Das Verborgene Museum die Lebenswerke von K√ľnstlerinnen aller Gattungen - Malerinnen, Fotografinnen, Bildhauerinnen und Architektinnen. Weltweit ist es die einzige Einrichtung, die sich um die √∂ffentliche Pr√§sentation und wissenschaftliche Aufarbeitung der Lebenswerke von K√ľnstlerinnen zur√ľckliegender Jahrhunderte k√ľmmert.

© Sharon Adler
Marion Beckers und Elisabeth Moortgat von DAS VERBORGENE MUSEUM anl√§sslich der Ausstellungser√∂ffnung der Bildschau "Landschaft und Gesicht" am 3. April 2014 vor dem Gem√§lde der K√ľnstlerin Ilse Heller-Lazard


K√ľnstlerinnen im Dialog
27.04. ‚Äď 06.08.2017
Eröffnung: 26. April 2017, 19 Uhr
DAS VERBORGENE MUSEUM
Dokumentation der Kunst von Frauen e.V.

Schl√ľterstra√üe 70
10625 Berlin
Tel.: 030 - 313 36 56
√Ėffnungszeiten: Do & Fr 15 - 19Uhr, Sa & So 12 ‚Äď 16Uhr
Eintritt: 2 Euro, ermäßigt 1 Euro
www.dasverborgenemuseum.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Landschaft und Gesicht ‚Äď Unter diesem Motto zeigte Das Verborgene Museum vom 3. April bis 27. Juli 2014 eine dialogisch konzipierte Bildschau
Eine umfassende Werksammlung macht die Arbeiten von 25 vergessenen Malerinnen und Fotografinnen des letzten Jahrhunderts sichtbar. Zwei erstmals in Berlin ausgestellte Gemälde von Lotte Laserstein und Ilse Heller-Lazard standen im Fokus der Ausstellung.

Das Verborgene Museum im Interview - Ein Gespräch mit Chefkuratorin Marion Beckers und Elisabeth Moortgat aus dem Vorstand
Aus privaten Sammlungen, Museumsdepots und Dachb√∂den ‚Äď die Initiatorinnen der bis Juli 2014 laufenden Bildschau "Landschaft und Gesicht" machen Werke von lange vergessenen K√ľnstlerinnen sichtbar. (2014)

Der Auftrag der Farbe. Die Expressionistin Ilse Heller-Lazard

Das Verborgene Museum. Eine Retrospektive der Malerin Lotte Laserstein (2003)

Glamour. Das Girl wird feine Dame ‚Äď Frauendarstellung in der sp√§ten Weimarer Republik

Die Riess. Fotografisches Atelier und Salon 1918 bis 1932

Eva Besnyö

Marianne Breslauer - Unbeobachtete Momente

Die Tänzerin Tatjana Barbakoff

Trude Fleischmann

Drei Fotografinnen. Eine Doku von Antonia Lerch

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Eine Frau mit Kamera - Liselotte Grschebina. Deutschland 1908 - Israel 1994

Ruth Jacobi - Fotografien

Gisèle Freund. Photographien & Erinnerungen

Helen Levitt ‚Äď Fotografien 1937-1991

Changing New York 1935-1939 fotografiert von Berenice Abbott

Happy birthday, Lotte Jacobi


(Quelle: DAS VERBORGENE MUSEUM Dokumentation der Kunst von Frauen e.V., AVIVA-Berlin)

Kultur Beitrag vom 21.04.2017 AVIVA-Redaktion 





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